Second Hand JUHU Halle: Wo Kleidung ein zweites Leben findet

Zugegeben, Mode aus zweiter Hand hat nicht unbedingt den besten Ruf. Sie etabliert sich aber immer mehr in der Gesellschaft. Nicht zuletzt, weil die modernen Second-Hand-Läden wie Boutiquen aufgebaut sind. Ein Beispiel.

Olga Patlan im MDR-Landesfunkhaus Magdeburg
Bildrechte: Olga Patlan/Gaby Conrad

von Olga Patlan, MDR SACHSEN-ANHALT

Zwei Frauen hinter einem Tresen in einem Second-Hand Laden.
Die beiden Besitzerinnen von JUHU: Janine Jonneg (l.) und Heidi Poguntke. Bildrechte: JUHU Nähcafé

Von außen sieht das JUHU in Halle wie eine edle Boutique aus: Kleiner Laden mit edlen Farben und großen schön dekorierten Schaufenstern. Darin befindet sich in der Tat unter anderem Marken- und Designerware – allerdings aus zweiter Hand. Und genau das ist das Ziel der beiden Besitzerinnen Heidi Poguntke und Janine Jonneg: Weg vom zugestaubtem Second-Hand-Image hin zum positivem Beispiel, wie Nachhaltigkeit in der Kleidung keine Abstriche in Sachen Modebewusstsein machen muss.

"Sachen, die wir auch selbst schön finden"

Die Sachen, die hier hängen spiegeln die beiden Besitzerinnen wieder: "Wir suchen jedes Teil einzeln aus. Wir versuchen schon ein breites Spektrum anzubieten, dabei aber trotzdem auch nur Dinge anzubieten, die wir selbst schön finden", sagt Heidi Poguntke. Das würde auch die Kundschaft wiederspiegeln. Von 15 bis 80 Jahren seien alle Altersklassen dabei.

Kleider in einem Schaufenster
Im JUHU Halle werden die getragenen Kleidungsstücke wie Neuware präsentiert. Bildrechte: Nähcafé JUHU

Mit dem Thema Nachhaltigkeit in der Mode beschäftigen sich die Jungunternehmerinnen schon seit Längerem. "Schon während meines Modestudiums an der Burg Giebichenstein wurde mir klar, dass ich bei den aktuellen Strukturen der Textilindustrie nicht mitspielen möchte", erzählt Heidi Poguntke. Dennoch wollte sie einen Beitrag leisten und etwas Sinnvolles machen. "Ich kaufe schon seit meiner Jugend selbst in Second-Hand-Läden ein und in der Regel muss man schon sehr lange suchen, bis man etwas Schönes findet." Das sollte im JUHU anders werden.

Verschmelzung zweier Visionen

Auf der Suche nach einer Möglichkeit einen Second-Hand-Laden ganz nach ihrem Geschmack aufzubauen, sei Poguntke beim Googeln auf Janine Jonneg und ihr Projekt Nähcafé gestoßen. Jonneg bot schon seit längerem Nähkurse an mit dem Ziel Selbstgemachtes der Massenproduktion entgegenzusetzen. Als die beiden sich kennenlernten sei die Idee entstanden, das Nähcafé mit einem Second-Hand-Laden zu verbinden.

Kleider hängen auf Kleiderstangen.
Nachhatigkeit auf zwei Etagen: In der ersten befindet sich der Second-Hand-Laden und in der zweiten eine Näh-Werkstatt. Bildrechte: JUHU Nähcafé

Rund ein Jahr ist die Eröffnung jetzt her. Durch den Zuspruch, den ihr Laden erfährt, beobachten sie, dass Second-Hand-Kleidung im Zuge der Nachhaltigkeitsdiskussion immer beliebter wird. "Die negative Konnotation, dass Second-Hand-Kleidung mit Armut zusammenhängt, verschwindet in meinen Augen. Es gehört schon fast zum guten Ton, ein Teil aus einem Second-Hand-Laden im Schrank zu haben", so Poguntke. Auch habe sich das Image gewandelt: "Was vielleicht noch von zehn Jahren mit dem Ökostempel in der Schublade gelandet ist, ist jetzt modern und hat nicht mehr dieses angestaubte Hippie-Image, sondern gehört schon fast zum Mainstream.

Wo Upcycling gelebt und gelehrt wird

Dass dieser Trend anhält, hoffen beide Frauen: "Im Augenblick profitieren wir auch davon, dass die Menschen noch so viel Kleidung haben." Denn viele bringen ihre gut erhaltene Kleidung zu ihnen, damit sie weiterverkauft werden kann.

Aber auch die weniger gut erhaltene Kleidung findet Gebrauch. Im Nähcafé im zweiten Stock befindet sich auch eine Werkstatt, in der die beiden Unternehmerinnen aus zum Beispiel eingelaufenen Pullis Kindersachen oder Handschuhe schneidern. Das nennt sich Upcycling. Auch für Flecken oder Löcher gibt es eine Lösung: Siedrucke oder Aufnäher. Die so aufgewertete Kleidung wird dann zum Verkauf wieder angeboten und so schließt sich der nachhaltige Kreis der Mode.

Wer lernen möchte, wie Upcycling praktisch funktioniert, für den bieten die beiden Mädels regelmäßig Näh- und Upcycling-Kurse an.

Olga Patlan im MDR Landesfunkhaus Magdeburg
Bildrechte: Gaby Conrad

Über die Autorin Olga Patlan ist seit 2015 freie Redakteurin und Reporterin bei MDR SACHSEN-ANHALT. Hier schreibt sie überwiegend Online-Artikel, betreut die Social-Media-Kanäle und moderiert Interviews und Videos auf dem Facebook- und Instagram-Kanal. Außerdem produziert sie Radio- und Fernsehbeiträge zu unterschiedlichsten Themen. Sie lebt seit zwölf Jahren in Magdeburg. Hier studierte sie an der Otto-von-Guericke Universität Germanistik und Psychologie, spezialisierte sich aber bereits früh im Studium auf Medien. Erste journalistische Erfahrungen sammelte sie bei Radio SAW. In ihrer Freizeit bereist sie gern die Welt und entdeckt Neues. Daher rührt auch ihre Leidenschaft für den Beruf als Journalistin, sich immer wieder in neue Inhalte zu denken, Menschen und Inhalte darzustellen.

Quelle: MDR/pat

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 05. Januar 2020 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Januar 2020, 09:49 Uhr

2 Kommentare

Atheist vor 2 Wochen

Könn die gerne machen ich habe in der DDR genügend Kleidung aufgepeitscht, Dederonbeutel getragen und auf der Schrankwand die leere Westbierdose gestellt weil es das einzig bunte in unserem Leben war.
Ich will nicht zurück!

Immen weiter verdrehen bis es passt vor 2 Wochen

"Nicht zuletzt, weil die modernen Second-Hand-Läden wie Boutiquen aufgebaut sind", will man uns die Armut schön reden?
Die Armut, macht aus Menschen Lumpen.

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