Militante Netzwerke Kampfsportler aus Halle mit internationalen Neonazi-Kontakten

Der in der Kampfsport-Szene bekannte Kickboxer Theo Weiland aus Halle hat intensive Kontakte in Neonazi- und Hooligan-Kreise. Das haben MDR-Recherchen ergeben. Weiland trainierte in einem Studio auch Kinder. Weil er zur Neonazi-Hooligan-Gruppe "Jungsturm" gehören soll, sitzt er nun in Haft.

eine Gruppe von sechs Menschen hält ein rotes Banner mit Aufschrift Jungsturm, einem Radsymbol und einem Wappen mit dem Buchstaben H, Köpfe unkenntlich gemacht
Eine Gruppe von Männern hält ein Jungsturm-Banner. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ein Wald irgendwo in Deutschland. Zwei Hooligan-Gruppen haben sich zu einem so genannten "Match" verabredet – einem Hooligan-Kampf. Die Männer gehen aufeinander zu, stürzen sich aufeinander – eine Massenschlägerei beginnt. Solche Kämpfe sind, auch wenn sie einvernehmlich geschehen, in Deutschland verboten. Ein Video von diesem Kampf liegt dem MDR vor. Es zeigt, wie brutal solche Kämpfe ablaufen.

Hallenser Profisportler und Trainer festgenommen

Bei einer der beteiligten Gruppen handelt es sich nach MDR-Informationen um Mitglieder der Thüringer Neonazi-Hooligan-Gruppe "Jungsturm" aus dem Fan-Spektrum des FC Rot-Weiß Erfurt. Auch der Kampfsportler Theo Weiland aus Halle soll hier zu sehen sein. Bei einer Razzia gegen die Gruppierung Ende April in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Hessen wurde auch Weiland festgenommen.

Seitdem sitzen er und zwei weitere mutmaßliche "Jungsturm"-Mitglieder in Haft. Ihnen wird die Gründung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Die Gruppe soll über Jahre hinweg immer wieder Körperverletzungen begangen haben. Jürgen Graf von der Polizei Saalfeld sagte dem MDR, bei der Gruppe handle es sich um Männer im Alter von 20 bis 32 Jahren. "Die sind teilweise kampfsporterfahren, sind auch bekannt aus der Vergangenheit durch Gewaltstraftaten einzelner Mitglieder der Gruppe und auch durch politisch motivierte Kriminalität."

mit verschwommenem Rücken im Vordergrund und knieendem, sprechendem Mann links mit kurzen schwarzem Haaren
Theo Weiland ist Profisportler bei "La Familia" in Halle. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Kampfsporterfahren ist auch Theo Weiland. Der Kickboxer, Jahrgang 1994, ist Profisportler. Für das Studio "la familia FIGHTCLUB Halle" tritt er regelmäßig bei "Fightnights" an. Er ist Deutscher Meister der "World Karate and Kickboxing Union" (WKU), K1-Trainer und ein Aushängeschild für "la familia". Dort darf er auch die Kindergruppen trainieren. Auf Anfrage des MDR zu den Hooligan-Aktivitäten und Neonazi-Kontakten ihres Kämpfers und Trainers antwortet der Vereinsvorstand schriftlich:

Sofern Herr Weiland der Gruppe angehörte war uns dies nicht bekannt. (….) Im Rahmen des Arbeitsvertrages haben wir Herrn Weiland um eine Stellungnahme zu den Vorwürfen gebeten (….) Solange diese nicht vorliegt, halten wir es nicht für angebracht die Vorwürfe öffentlich zu bewerten ( …) Sofern sich die Vorwürfe bestätigen, so werden wir selbstverständlich Konsequenzen ziehen.

Vereinsvorstand "la familia FIGHTCLUB Halle"

Hooligan-Gruppe mit internationalem Netzwerk

Nach MDR-Informationen unterhält die Hooligan-Gruppe "Jungsturm", zu der auch Theo Weiland gehören soll, gute Kontakte zu den militanten bulgarischen Neonazi-Hooligans "Animals Sofia". Ein Foto zeigt auch Weiland mit den Rechtsextremen in Bulgarien. Auch ins internationale Spektrum des in Deutschland verbotenen Neonazi-Netzwerks "Blood & Honour" und dessen in Deutschland ebenfalls verbotenen bewaffneten Arm "Combat 18" sollen "Jungsturm"-Mitglieder Kontakte pflegen.

Der Autor und Hooligan-Experte Robert Claus sagte dem MDR, die große Gefahr einer Verbindung zwischen einer Gruppe wie dem "Jungsturm" und "Blood & Honour" bestünde darin, dass sie letztendlich auf Rechtsterrorismus hinauslaufen könne. "Extrem rechte Ideologie ist immer gewalttätig. Eine rechtextreme Hooligan-Gruppe wie der Jungsturm hat das notwenige Gewaltpotential, in dem militante Strukturen der extrem rechten Szene weiter rekrutieren, die Leute auch weiter radikalisieren", sagte Claus dem MDR.

Auf eine Anfrage des MDR nach Neonazikontakten und Hooligan-Aktivitäten haben Theo Weiland und sein Anwalt keine Stellung genommen. 

Quelle: MDR/jh

Dieses Thema im Programm: Das Erste | FAKT | 19. Mai 2020 | 21:45 Uhr

7 Kommentare

Ines W. vor 1 Wochen

Ostdeutsche Neonazis die sich im Kampfsport üben, und Massenschlägereien organisieren. Das Ganze dann auch noch international vernetzt.

Leider traurige Realität in Ostdeutschland, wo viele Neonazis immer noch sehr undifferenziert gegenüber stehen. Letztendlich ist es die Vernetzung solcher Gruppen die sie so gefährlich macht. Hatte eine NSDAP noch eine Sturmabteilung als Parteiuntergliederung, so sind aktuelle rechtsradikale Schläger keiner Organisation fest zuzuordnen und entsprechend auch kaum zuzuordnen.

Es bleibt zu hoffen, dass die Polizei und der Verfassungsschutz hier sehr genau hinschaut und Netzwerke aufdeckt.

ossi1231 vor 1 Wochen

Von wann ist "Jungsturm", diese Synthese des Staatsschutzes?

ossi1231 vor 1 Wochen

Nun wie wäre es per Corana Notstandsgesetze?

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