Helme-Stausee Klage gegen Talsperren-Leerung in Kelbra abgewiesen

Rund um die Entleerung des Helme-Stausees bei Kelbra gab es in den vergangenen Tagen viele widersprüchliche Angaben. Nun wurde eine Klage gegen die vollständige Entleerung des Sees abgewiesen. Kommende Woche soll deshalb abgefischt werden – kein unüblicher Vorgang.

Kraniche am Stausee Kelbra
Das Wasser am Helme-Stausee bei Kelbra wird wie geplant abgelassen. Bildrechte: imago/Bild13

Das Wasser aus der Talsperre Kelbra wird in den kommenden Tagen offenbar wie geplant abgelassen. Das Verwaltungsgericht in Halle hat den Antrag eines Naturschutzvereins auf einstweilige Verfügung gegen eine komplette Entleerung des Helme-Stausees bei Kelbra abgewiesen. Nach Überzeugung des Gerichts fehlt dem Umweltverband die erforderliche "Antragsbefugnis", heißt es in einer Mitteilung vom Donnerstag. Rechtskräftig ist diese Entscheidung allerdings noch nicht.

Rund um die Entleerung des Sees hatte es seit vergangenem Wochenende viel Ärger und Widersprüche gegeben. Angler erwarten ein großes Fischsterben, zudem werden negative Auswirkungen auf den Tourismus vor Ort befürchtet. Auch äußerten manche Benutzer des Sees die Sorge, dass die Talsperre aufgrund klimatischer Veränderungen nicht mehr komplett vollläuft, wenn sie einmal leer ist.

See wird regelmäßig geleert

Dabei ist es durchaus üblich, dass im Winter das Wasser aus der Talsperre abgelassen wird. Manchmal nur teilweise, regelmäßig wird der See aber auch komplett geleert. Klaus Rehda, Staatssekretär im Umweltministerium, erklärt den Hintergrund: "Der Helme-Stausee ist in erster Linie für den Hochwasserschutz da. Und an zweiter Stelle ist es ein sehr wichtiges europäisches Vogelbrutgebiet, was auch unter dem Schutz der europäischen Vogelschutzrichtlinie steht. Insofern sind wir da auch verpflichtet, bestimmte Vorkehrungen zu treffen."

Das Ablassen des Wassers ist notwendig, um ein Reservoir zu schaffen, das im Hochwasserfall die dahinter liegenden Gebiete schützt. Das kann durch den Stausee reguliert werden, heißt es aus dem Umweltministerium. Zuletzt wurde der See 2017 komplett geleert. Angelegt wurde er vor etwa 50 Jahren.

Fische werden umgesetzt

Beabsichtigter Nebeneffekt der Entleerung sei es, die Wasserqualität der Helme zu erhalten und die des Sees zu erhöhen. Doch dabei werde keinesfalls ein tausendfacher Fischtod in Kauf genommen, bekräftigt Rehda: "Wir versuchen, dass ein Teil der Fische mit dem Wasser in die Helme gelangt. An Stellen, wo die Fische nicht mehr wegkönnen, wird abgefischt." Einige Fische würden zudem in andere Gewässer gebracht, schreibt das Umweltministerium auf seiner Website. Damit soll in den kommenden Tagen begonnen werden.

Missverständliche Berichterstattung Ein massives Fischsterben für den Schutz von Zugvögeln am Stausee Kelbra?! Diese Formulierung hat auch MDR SACHSEN-ANHALT in den vergangenen Tagen in seiner Berichterstattung Online, im Hörfunk und im Fernsehen genutzt. Die Formulierung ist allerdings missverständlich. Dass Wasser aus der Talsperre abgelassen wird, ist nämlich keine Seltenheit, sondern geschieht aus Gründen des Hochwasser- und Umweltschutzes mindestens einmal jährlich. Darauf hat nun das Umweltministerium des Landes verwiesen. In einem anderen – inzwischen wegen der Fehler offline gestellten – Text hatten wir zudem darauf verwiesen, das Wasserablassen sei wegen einer einstweiligen Verfügung gestoppt. Das war nicht korrekt.

Wir bitten Sie, diese Fehler zu entschuldigen.

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Bildrechte: MDR/Landkreis Nordhausen/Untere Naturschutzbehörde

Quelle: MDR/olei,ld,ru

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 20. Februar 2020 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Februar 2020, 19:06 Uhr

1 Kommentar

part vor 6 Wochen

Würde jemand auch bei anderen Stausseen oder Rückhaltebecken einen solchen Protest bestreiten. Der natürlich erfolgte Fischbesatz über Wasservögel und Zuflüsse ist die eine Sache, die regulierde Wirkung auf die restliche Umwelt eine andere. zu bedenken gilt auch, das wegen dieses Stausees in der DDR eine unterirdische Berwerksanlage aufgegeben werden musste wegen Wassereinbruchs. Zum Baden ist der See eher ungeeignet wegen der starken Verkrautung, die wohl hoffentlich austrocknet beim Ablassen.

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