Kohlekommission Mibrag-Mitarbeiter fordern neue Jobs vor Braunkohle-Ausstieg

Die Kohlekommission hat am Montag in Halle getagt. Mibrag-Mitarbeiter haben deshalb in Halle demonstriert; sie fürchten um ihre Arbeitsplätze und fordern Jobalternativen. Die Kommission soll den Braunkohle-Ausstieg planen.

Mehrere Personen aus den Bergbauregionen Sachsen-Anhalts demonstrieren auf dem Marktplatz in Halle.
Die Tagung der Kohlekommission in Halle wird von Demonstrationen begleitet. Bildrechte: MDR/Maria Hendrischke

In Halle hat am Montag die Kohlekommission der Bundesregierung getagt. Am Rand der Tagung protestierten auch einige hundert Menschen aus den betroffenen Bergbauregionen in Sachsen-Anhalt, Sachsen und der Lausitz auf dem Marktplatz in Halle. Vor dem Stadthaus sprachen Betriebsräte und Gewerkschaftsvertreter. Sie forderten, dass vor dem Braunkohle-Ausstieg der Strukturwandel kommen müsse. Braunkohle-Arbeitsplätze müssten durch Jobs in anderen Wirtschaftszweigen ersetzt werden.

Vorsitzender des Betriebsrats bei der Mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft (Mibrag), Volker Jahr, betonte, weder die Belegschaft noch der Betriebsrat von Mibrag seien gegen einen Kohleausstieg. "Wir müssen nur einen Weg finden, wie der Ausstieg vernünftig gestaltet werden kann. Erst dann können wir über ein Datum reden, wann wir die Stromerzeugung beenden." Wichtig sei, neue Industriearbeitsplätze aufzubauen und eine Versorgungssicherheit herzustellen. 2038 aus der Kohle auszusteigen, sei aus der Luft gegriffen, kritisierte Jahr.

Haseloff: Es braucht Arbeitsplätze und Investitionen

Auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) hat seine Forderung untermauert, vor einem Ausstieg aus der Braunkohle-Verstromung über alternative Arbeitsplätze zu diskutieren. Haseloff sagte MDR SACHSEN-ANHALT am Rande des Treffens der Kohlekommission in Halle, es brauche Arbeitsplätze und Investitionen. Von öffentlich diskutierten Jahreszahlen für einen Kohleausstieg lasse er sich nicht beeindrucken. Kommissionschef Ronald Pofalla hatte dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" zufolge gesagt, dass das letzte deutsche Kohlekraftwerk spätestens 2038 vom Netz gehen soll.

Haseloff hält die Klimaziele des Bundes bis zum Jahr 2050 insgesamt für ambitioniert: "Die ganze Gesellschaft muss da etwas einbringen." Der Osten habe bereits einen großen Beitrag geleistet. "Jetzt ist der Westen dran."

Burgenlandkreis-Landrat warnt vor "Ausbluten" der Region

Der Landrat des Burgenlandkreises, Götz Ulrich (CDU), sagte MDR SACHSEN-ANHALT, jede Verkürzung der Laufzeiten "bringt uns Schweiß auf die Stirn". Die Möglichkeiten, alternative Arbeitsplätze anzubieten, seien aktuell nicht vorhanden. Ulrich sagte, die Befürchtung vieler Menschen sei, dass die Region ein zweites Mal "ausblute". Das habe man bereits nach der Wende auf "sehr dramatische" Weise erlebt.

Das Mitteldeutsche Revier ist das erste von drei Revieren, in dem die Kohlekommission zu Gast ist. Die Kommission soll bis Ende des Jahres erarbeiten, wann und wie Deutschland aus der Stromerzeugung aus Kohle aussteigt.

Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 24. September 2018 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. September 2018, 16:58 Uhr

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18 Kommentare

26.09.2018 08:37 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 18

Veraltete Technologien werden durch neue ersetzt und so aufgegeben.

Braunkohle (und deren Verbrennung) ist veraltet und zudem noch gesundheits- und klimaschädlich.

Früher wurde Asbest als 'wunderbares Isoliermaterial' gefeiert, bis die Gefährlichkeit seiner 'Mikrophasern' erkannt wurde und diese Realität auch "vom DAU" verinnerlicht und akzeptiert wurde. Und trotzdem stößt man heute regelmäßig auf 'Asbestreste', weil der Mist freudestrahlend verbaut wurde.

Bei der Schädlichkeit von Braunkohle wird es auch so laufen:
der "dumbest assumable user", der 'dümmste anzunehmende Benutzer' wird irgendwann aufhören, Braunkohle zu verbrennen:
entweder weil er begriffen hat, daß das auch für ihn schädlich ist oder weil er keine Luft mehr bekommt.

25.09.2018 21:37 Ossi 65 17

Mit euch Kohlekumpel machen die Kapitalisten es genauso wie mit allen anderen Betrieben nach der Wende im Osten. Erst kommen die Kohlebagger im Osten weg, dann die im Westen, und das ihr eure Arbeitsplätze verliert Interessiert keinen Politiker. Das Jobcenter und Arbeitsamt wartet schon auf euch. Viel Glück für die Zukunft.

25.09.2018 20:11 böse-zunge 16

Was sind denn die Alternativen?
Betriebsbesetzungen und Mengenförderung bis die letzte Förderstätte in China blaß wird?
Und das wird dann der "Aufstand der Braunkohleförderung" genannt?
Haben wir vergessen - wir leben im Kapitalismus ... Arbeit ist hier nicht 'Finde-Dich-selbst' es geht um Mehrwert ... da hätten ja alle davor kommen können:
VEB-abgewickelte, 90er-jahre spätruinierte wie Bischofferode und wegrationalisierte wie bei der Windenergie, Waschmittelproduktion oder Backwaren ... und? Was bekamen die?
Evt. Chancen, aber Garantien??