Schild "Konsum Halle" mit Luftballons in der Fußgängerzone
Mitten in Halles Innenstadt eröffent jetzt wieder ein Konsum. Bildrechte: MDR/Stefan Bringezu

Einzelhandel Konsum nach 27 Jahren zurück in Halle

Ein Stück DDR-Geschichte ist zurück in Halle. Am Donnerstag hat im Zentrum ein Konsum eröffnet. Es ist bereits die dritte Filiale in Sachsen-Anhalt – und soll nicht die letzte sein.

Schild "Konsum Halle" mit Luftballons in der Fußgängerzone
Mitten in Halles Innenstadt eröffent jetzt wieder ein Konsum. Bildrechte: MDR/Stefan Bringezu

In Halle hat am Donnerstag ein Konsum-Supermarkt eröffnet. In dem Laden in der Großen Steinstraße werden auf einer Fläche von etwa 300 Quadratmetern Lebensmittel verkauft. Das Geschäft ist Teil der Konsumgenossenschaft Leipzig, die 1991 gegründet wurde. Der Standort in Halle ist nach Großkugel und Merseburg der dritte in Sachsen-Anhalt. Gut 20 Arbeitsplätze sind hier nach Angaben von Geschäftsführer Dirk Thärichen entstanden. In den kommenden Jahren sollen acht bis zehn weitere Filialen in Halle dazukommen, erklärte er vor einigen Wochen.

Teilhabe und Geld zurück

Der Unterschied zu anderen Supermärkten ist die Teilhabe. Getragen wird die Genossenschaft von ihren Mitgliedern. "Das Wichtigste ist, dass wir nicht gewinnmaximiert arbeiten", sagt Thärichen." Wir sind also wirklich eine Unternehmensform, bei der die Eigentümer, also unsere Mitglieder, noch das Sagen haben. Die können also entscheiden, wo der Weg der Genossenschaft, der strategische Weg hingeht." 

Zudem werden die Mitglieder am Gewinn beteiligt. Die Auszahlung orientiert sich am Wert der Einkäufe, die ein Mitglied im Jahr getätigt hat. Notiert werden diese mithilfe einer elektronischen Kundenkarte und nicht mehr wie früher mit dem Sammeln von Konsummarken.

Konsum verschwindet mit der DDR

Zu DDR-Zeiten wurden Waren des täglichen Bedarfs überwiegend von zwei Handelsketten vertrieben. Die Handelsorganisation HO überlebte das Ende der DDR nicht. Bei den Konsumgenossenschaften sah es nicht viel besser aus. 30.000 Konsum-Märkte gab es zu DDR-Zeiten, auch in den kleinsten Dörfern. Davon bestehen heute nur noch die wenigsten. Einige Genossenschaften, etwa die in Weimar, haben zudem komplett neue Geschäftsfelder im Bekleidungs- und Immobiliensektor erschlossen.

Die Genossenschaft in Halle war früher eine der größten der DDR. Tausende Menschen hatten hier Arbeit. Doch 1992 kam das Aus. 150 Millionen Mark Schulden zwangen die Konsumgenossenschaft in die Insolvenz. Die Läden mussten schließen, die Mitarbeiter verloren ihre Jobs. Nun, 27 Jahre später, ist der Konsum zurück in Halle.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 24. Oktober 2019 | 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2019, 19:33 Uhr

1 Kommentar

geradeausDenker vor 3 Wochen

Klingt fantastisch. Nur anstatt noch 8 bis 10 weitere Filialen in Halle zu erschließen ist es wichtiger den Menschen in den Dörfern zu helfen. Dort wo reihenweise die Supermärkte schließen. Gleichzeitig würde man dem Dorfsterben entgegenwirken und das Leben dort wieder attraktiver machen. Gutes Gelingen.

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