Vor einem Ladengeschäft steht eine Fahne mit der Aufschrift -Konsum Halle-.
Der Konsum Halle öffnet nach 27 Jahren wieder. Die Filiale ist in der Großen Steinstraße. Bildrechte: Konsum Leipzig eG | Sascha Linke

Serie zu 30 Jahren friedlicher Revolution Der Konsum kehrt zurück nach Halle

Wer zu DDR-Zeiten einkaufen wollte, ging häufig in den Konsum. Viele Filialen überlebten die Wende jedoch nicht. 27 Jahre später eröffnet in Halle wieder ein Konsum. MDR SACHSEN-ANHALT nimmt das 30-jährige Jubiläum des Mauerfalls zum Anlass für Bestandsaufnahmen, Rück- und Ausblicke.

Vor einem Ladengeschäft steht eine Fahne mit der Aufschrift -Konsum Halle-.
Der Konsum Halle öffnet nach 27 Jahren wieder. Die Filiale ist in der Großen Steinstraße. Bildrechte: Konsum Leipzig eG | Sascha Linke

Wer vor 30 Jahren hierzulande einkaufen ging, hatte meist die Wahl zwischen HO und Konsum. Das waren die größten Handelsketten in der ehemaligen DDR. Die Handelsorganisation (HO) überlebte das Ende der DDR nicht. Nur ein paar Konsumgenossenschaften gibt es noch; in Sachsen-Anhalt zum Beispiel in und um Haldensleben. Im Nachbarbundesland Sachsen gibt es den Konsum Leipzig, ein florierendes Unternehmen. Mit – bisher – zwei Geschäften in Sachsen-Anhalt.

Thea Schuster, stellvertretende Filialleiterin Konsum Großkugel
Thea Schuster ist stellvertretende Filialleiterin des Konsums in Großkugel. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Thea Schuster arbeitet seit zehn Jahren für die Konsumgenossenschaft Leipzig, in Großkugel im Saalekreis. In der hiesigen Filiale ist sie stellvertretende Leiterin. Der kleine Supermarkt liegt mitten im Wohngebiet und hat viele Stammkunden. Vor allem regionale oder sogar lokale Produkte sollen es sein, aus dem näheren Umkreis. Aber bewährte Marken, die es schon zu DDR-Zeiten gab, zählen auch dazu. Und deren Beliebtheit ist ungebrochen. Vielleicht noch mehr als vor Jahren. "Jetzt werden nämlich Pakete nach dem Westen geschickt, weil die Leute Ostprodukte haben möchten", so Thea Schuster.

Ich habe am 1. September 1977 beim Konsum angefangen und zwei Jahre gelernt. Ich bin in dem Objekt geblieben und der Konsum ist wie eine Familie für mich.

Thea Schuster, stellvertretende Filialleiterin

Wegen Pflaumenmus und Salzstangen Schlange stehen

Verkäuferin und Kundschaft im Konsum von Schenkenberg - DDR 1981
Mehr als 30.000 Konsum-Geschäfte gab es in der DDR. (Archivbild) Bildrechte: IMAGO

Der Konsum war die zweitgrößte Handelskette der DDR, mit mehr als 30.000 Geschäften – auch in den kleinsten Dörfern. Insgesamt gab es fast 200 Genossenschaften, mit 4,5 Millionen Mitgliedern. Und die klebten fleißig Rabattmarken, die es für den Einkauf gab. Am Jahresende winkte dafür eine Vergütung: Etwa 1,5 Prozent des getätigten Umsatzes bekamen die Mitglieder zurück, das waren im Schnitt 150 Mark.

Beim Sortiment war Organisationstalent von Vorteil, so Thea Schuster: "Unsere Chefin ist zu DDR-Zeiten einmal im Monat in die LeiHaG gefahren. Also zum Großhandel. Da kriegte sie mal Pflaumenmus oder Salzstangen, was es sonst nicht gab. Und die Kunden wussten: Dienstag kriegen die Ware und da kommen diese edlen Sachen mit. So, und dann standen sie Schlange."

Mit dem Ende der DDR kamen die Westwaren, doch die Gewinne blieben aus. 1992 hatten sich bei der Konsumgenossenschaft Halle 150 Millionen D-Mark Schulden angehäuft. Die Lieferanten und Mitarbeiter warteten auf ihr Geld. Doch auch Proteste nützen nichts: Die einst zweitgrößte DDR-Konsumgenossenschaft ging Pleite. Das Aus für tausende Arbeitsplätze. Mitglieder und Gläubiger gingen leer aus.

Im Oktober wird in Sachsen-Anhalt die 3. Filiale eröffnet

Dirk Thärichen, Vorstand Konsum Leipzig
Dirk Thärichen, Vorstand Konsum Leipzig Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Gerade mal zehn Genossenschaften überlebten die Wende – auch der Konsum Leipzig. Dank einer klugen Strategie, die sich ganz auf den Handel konzentrierte, geht es dem Unternehmen gut. Und den Genossenschaftsgedanken hält Konsum-Vorstand Dirk Thärichen auch heute noch für attraktiv: "Das Wichtigste ist, dass wir nicht gewinnmaximiert arbeiten. Wir sind also wirklich eine Unternehmensform, bei der die Eigentümer, also unsere Mitglieder, noch das Sagen haben. Die können also entscheiden, wo der Weg der Genossenschaft, der strategische Weg hingeht." Der Konsum Leipzig hat laut Thärichen über 26.000 Mitglieder.

Zum Beispiel, ob das Unternehmen expandiert. In Halle wird im Oktober 2019 die dritte Filiale in Sachsen-Anhalt eröffnet und mehr sollen folgen. Das freut auch Mitarbeiter wie Thea Schuster. Denn sie wissen: Ihr Konsum wird gebraucht.

Gerade hier auf dem Land wollen die Leute in ihren Konsum.

Thea Schuster, stellvertretende Filialleiterin

Serie zu 30 Jahren friedlicher Revolution 30 Jahre nach dem Mauerfall: Für die Ostdeutschen bedeutete der gesellschaftliche Umbruch oft einen radikalen Wandel – im persönlichen Leben und im Alltag. MDR SACHSEN-ANHALT nimmt das Jubiläum des "Wende-Herbstes" zum Anlass für Bestandsaufnahmen, Rück- und Ausblicke. Was von der DDR geblieben ist, wird ab dem 16. September im MDR-Fernsehen um 19 Uhr bei MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE gezeigt.

Konsum 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Quelle: MDR/jr,sp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 16. September 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. September 2019, 13:12 Uhr

1 Kommentar

Mediator vor 11 Wochen

Es lässt tief in die Organisationsstruktur solch eines Betriebes blicken, wenn die Chefin sich um Pflaumenmus und Salzstangen bemühen muss. Was in der DDR für Zeit und damit auch für Geld drauf ging um Dinge des Alltags zu organisieren, das passt auf keine Kuhhaut.

Zur Gegenwart: Der Name einer Einzelhandelskette ist doch sowas von egal. Das Sortiment und der Preis muss stimmen und dazu benötigt es eine gewisse Größe für den Einkauf.

Pakete die in den Westen geschickt werden? Da musste ich schon schmunzeln. Fast könnte man glauben die Menschen im Westen leiden Not.

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