Blick auf eine Piste im Skigebiet Wildkogel in Österreich
Blick auf die Piste im betroffenen Skigebiet Wildkogel in Österreich Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Hallesche Schüler in Österreich Nach Lawinenunglück: Schüler wollen so schnell wie möglich nach Halle zurück

Sechs Schüler des Elisabeth-Gymnasiums in Halle sind im Skigebiet Wildkogel in Österreich von einer Lawine erfasst worden. Einem Sprecher der Polizei Salzburg zufolge ist ein Mädchen leicht verletzt worden. Das Ski-Lager wird nach MDR-Informationen vorzeitig abgebrochen.

Blick auf eine Piste im Skigebiet Wildkogel in Österreich
Blick auf die Piste im betroffenen Skigebiet Wildkogel in Österreich Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Schüler des Elisabeth-Gymnasiums in Halle, die am Mittwoch im Skigebiet Wildkogel in Österreich von einer Lawine erfasst worden waren, brechen das Ski-Lager ab. Wie die Schulleitung dem MDR mitteilte, sollen die Elftklässler schnellstmöglich nach Halle zurückkehren. Am Tag des Beinahe-Unglücks hatte es gegenüber dem MDR noch geheißen, dass die Schüler bereits am Donnerstag abreisen würden. Dem ist aber offenbar nicht so.

Am Mittwoch waren sechs Schüler der Ski-Gruppe auf einer gesicherten Piste unterwegs, als eine Lawine abging, sie mitriss und zum Teil verschüttete. Insgesamt wurden vier hallesche Schüler von den Schneemassen begraben, zwei konnten sich selbstständig befreien, zwei weitere wurden laut österreichischer Polizei total verschüttet. Eine Reporterin vom Österreichischen Fernsehen berichtete am Abend: "Mitschüler und auch Mitarbeiter der Bergbahnen haben die Verschütteten zum Teil aus dem Schneebrett gegraben, andere Jugendliche konnten sich auch selbst aus den Schneemassen befreien."

Eine Elftklässlerin verletzt

Eine Jugendliche wurde demnach leicht verletzt, die übrigen Schüler im Alter von 16 und 17 Jahren blieben unverletzt. Vorsorglich wurden alle vier ins Krankenhaus gebracht. Der Schulleiter Hans-Michael Mingenbach sagte MDR SACHSEN-ANHALT am Donnerstag: "Ihnen geht es gut, sie sind über Nacht im Krankenhaus zur Beobachtung gewesen, die Beobachtungsphase ist abgeschlossen und sie sind jetzt seit dem Vormittag wieder bei der Gruppe." Die 29 Jahre alte Lehrerin und eine weitere Schülerin hatten Glück und kamen mit der Lawine nicht in Kontakt. Die Lawine war in den österreichischen Alpen auf 2.000 Meter Höhe abgegangen, ein Ausläufer hatte die Piste im untersten Bereich getroffen.

Ihnen geht es gut, sie sind über Nacht im Krankenhaus zur Beobachtung gewesen.

Hans-Michael Mingenbach Schulleiter Elisabeth-Gymnasium

Der Schulleiter des Elisabeth-Gymnasiums hörte in Halle von den Geschehnissen. "Da fängt im Grunde so ein Rotieren im Kopf an, wen musst du informieren, an was musst du denken, da sind Gefühle noch gar nicht dran", sagte Mingenbach. Jedes Jahr fahren um die 40 Schüler der 11. Klassen für eine Woche ins Ski-Lager. Wann die diesjährige Gruppe zurückkommt, möchte er nicht sagen – denn es hätten nun vor allem Boulevardmedien an den Schülern in Österreich Interesse. "Das führt so weit, dass sich die Gruppe bedrängt fühlt. Ich glaube, im Moment brauchen sie eigentlich Ruhe und Zeit für sich", so Mingenbach.

Polizei ermittelt

Unabhängig von der Lawine sei es immer wieder ein Thema gewesen, ob die jährliche Reise sinnvoll sei – auch ökonomisch und ökologisch. Ergebnis war laut Schulleiter aber jedes Mal: Ja. Der Ski-Kurs stehe im Lernzusammenhang, sei ein sinnvolles und attraktives Angebot, die Sportlehrer auch ausgebildete Ski-Lehrer. Jetzt werde man natürlich wieder über das Thema sprechen.

Die Alpinpolizei ermittelt mittlerweile laut Österreichischem Rundfunk, ob die Bergbahnen alle Sicherheitsvorkehrungen eingehalten haben, um die Pisten freigeben zu können. Die Wildkogel-Bergbahnen hätten bereits betont, sich an alle Vorschriften gehalten zu haben. Am 7. Januar hat es nach Informationen des ORF im Gebiet bereits eine künstliche Lawinensprengung gegeben. Die Polizei prüft außerdem, ob eine zusätzliche Sprengung notwendig gewesen wäre, um den Schneebrett-Abgang am Mittwoch verhindern zu können.

Bedrohung durch Winterwetter wächst

Schild, das auf die Gefahr von Lawinen hinweist
Für das Skigebiet Wildkogel gilt die zweithöchste Lawinenwarnstufe 4. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Im Gebiet gilt die zweithöchste Lawinenwarnstufe 4, in manchen Teilen Österreichs sogar die höchste Warnstufe 5. Die Schneeschicht wird immer dicker und damit steigt die Gefahr. Immer mehr Orte in Österreich sind bereits nicht mehr erreichbar.

Die halleschen Schüler hatten Glück im Unglück. Bei einem weiteren Lawinenabgang in Österreich kam ein 16-Jähriger in St. Anton am Arlberg ums Leben. Bis mindestens Mitte nächster Woche wird es nach Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes vor allem im Alpenraum mit nur kleineren Unterbrechungen weiter schneien.

Ministerium sieht keinen Änderungsbedarf

Aus dem Bildungsministerium Sachsen-Anhalt hieß es, dass man sehr froh sei, weil alle Schüler bei körperlich guter Verfassung seien. Pressesprecher Stefan Thurmann sagte MDR SACHSEN-ANHALT, man sehe aktuell aber keinen Bedarf, Regeln für derartige Fahrten zu ändern. "Es gibt ganz klare Regelungen, dass man sich auf gesicherten Pisten mit entsprechend ausgebildetem Personal zu bewegen hat", so Thurmann. Die Regelungen würden regelmäßig überarbeitet und überprüft.

Quelle: MDR/lk, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 10. Januar 2019 | 07:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Januar 2019, 16:41 Uhr

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8 Kommentare

11.01.2019 06:58 Sr.Raul 8

Ob das nun unbedingt, wie im Beispiel, Österreich sein muss,@6 (Atze)? Kann man sicher diskutieren, ändert aber Null Komma Nix am Sachverhalt, dass hier Nichts unverantwortlich ist und war. Und Was bitte, ist an Skilauf (Abfahrt) oder Snowboarden elitär? Das machen 100 Tausende in diesem Land und da tummeln sich weit Jüngere und Kleinere als 11t-Klässler auf den Pisten. Und Gefahren aus natürlichen Gegebenheiten, so Lawinen, sind nun mal Bestandteile des allgemeinen Lebensrisikos und somit meist als unvermeidbar hinzunehmen. Was wäre wenn? Mich kann auch ein überlastiger Baum im Vogtland, Meck-Pom oder sonst wo beim Wandern erschlagen, Ertrinken in der Müritz kann auch passieren usw. usf.. Die Schöler der höheren Lehranstalt waren zur falschen Zeit am falschen Ort, sind mit dem Schrecken davon gekommen. Alles gut ausgegangen, gut so!

10.01.2019 14:17 beyer 7

@10.01.2019 12:01 Leser
Nein, die Schweiz, Südtirol oder Frankreich würden es auch tun. Im Harz oder im Thüringer Wald muß man ja 14Tage länger bleiben um die gleichen km fahren zu können - Warten am und im Lift um nach zwei Minuten sich wieder anstellen zu können - Für Langlauf ist es hier natürlich viel schöner.

10.01.2019 13:55 Atze 6

@Sr.Raul:
Nicht abwiegeln bitte!
Was wäre, wenn....haben Sie mal darüber nachgedacht?
Sie ist ausserdem wirklich sehr elitär, diese Sportart.
Ich bin nicht dafür, dass Jugendliche, die noch keinen Euro verdient haben, urlauben wie eine Familie, die das ganze Jahr darauf gespart hat. Das sollte man nicht unterstützen. Wir sind auch früher nicht gestorben, wenn wir ins Vogtland oder nach Mecklenburg auf Klassenfahrt gingen.