Neue Rechte Identitäre: Nachbarn wehren sich gegen rechtsextreme Gruppe in Halle

Der Verfassungsschutz hat die Identitären am Donnerstag als rechtsextremistisch eingestuft. In Halle hat die Gruppe ein Zentrum aufgebaut. Nachbarn wehren sich seit Jahren gegen die Identitären. Für den 20. Juli planen beide Seiten Demonstrationen.

Vor etwa zwei Jahren haben Identitäre in einem Haus in Halle am Steintor-Campus eines ihrer Zentren eingerichtet. Dort wohnen sie und organisieren Veranstaltungen. Etwa 100 Anwohner haben sich zusammengeschlossen, um sich gegen ihre rechten Nachbarn zu wehren.

Blick auf das mit Farbe beschmierte Haus der Identitären Bewegung in der Adam-Kuckhoff-Straße 16 in Halle
Das Haus ist in der Vergangenheit immer wieder mit Farbbeuteln beworfen worden. Bildrechte: MDR/Cornelia Winkler

Eine Anwohnerin sagte dem MDR, sie habe sich den Protesten angeschlossen, weil es eine rechtsextreme Bewegung sei, die sich Menschenfeindlichkeit auf die Fahne geschrieben habe. Einer älteren Anwohnerin ist "himmelangst und bange" geworden, nachdem sie sich damit befasst habe, was das für Leute seien. Ein junger Mann, der ebenfalls in der Nachbarschat wohnt, ergänzt: "Die haben sich ein schickes Hemd angezogen und Koteletten stehen lassen. Sie haben irgendein schlaues Buch gelesen, aus dem sie zitieren können. An der Einstellung hat sich nichts geändert."

Verfassungsschutz hat Identitäre als rechtsextrem eingestuft

Schon seit 2016 steht die Gruppe in Sachsen-Anhalt unter Beobachtung des Verfassungsschutzes. Nun stuft auch das Bundesamt für Verfassungsschutz die Identitären als rechtsextremistisch ein, weil deren Positionen nicht mit dem Grundgesetz vereinbar sei. Bereits gegen die Einstufung als Verdachtsfall hat die Gruppe geklagt. Das Verfahren dazu läuft noch. In einem Statement bewertet die Identitären die neue Einstufung als unverhältnismäßig und politisch motiviert.

Thomas Haldenwang, Präsident Bundesamt für Verfassungschutz, sagte dem MDR, diese geistigen Brandstifter stellten die Gleichheit der Menschen oder gar die Menschenwürde an sich in Frage, redeten von Überfremdung, erhöhten ihre eigene Identität, um andere abzuwerten und schürten gezielt Feindbilder. Es dürfe keine Toleranz für Extremisten geben. Deutschlandweit zählt die Gruppe rund 600 Mitglieder.

Enge Kontakte zu Teilen der AfD

In Sachsen-Anhalt haben die Identitären laut Verfassungsschutz 60 Mitglieder. Jochen Hollmann vom Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt sagte MDR SACHSEN-ANHALT, es gebe unterschiedliche Verbindungen zur anderen rechtsextremen Organisationen.

Auch zwischen den Identitären und Teilen der AfD gebe es in Sachsen-Anhalt enge Kontakte. Hollmann sagte, es gebe immer wieder einige Abgeordnete und Angehörige der AfD, die keine Scheu hätten, sich mit den Identitären einzulassen. Das betreffe Besuche von Veranstaltungen und Aufenthalte im Haus der Gruppe in Halle.

Kundgebungen und Gegenveranstaltungen am 20. Juli

Die Anwohner des Hauses in Halle wollen mit friedlichen Protestaktionen gegen Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit kämpfen. Am 20. Juli sind mehrere Demonstrationen in Halle geplant. Die Identitären planen am Hauptbahnhof eine Kundgebung zum Thema "Europa verteidigen". Verschiedene Gruppen haben zu Gegenprotesten aufgerufen – unter ihnen auch das Nachbarschaftsbündnis aus Halle.

Quelle: MDR/ahr

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 11. Juli 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Juli 2019, 11:16 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

52 Kommentare

14.07.2019 11:40 K. 52

@ Mediator, Aaaah jetzt lassen Sie die Maske des scheinheiligen Demokraten fallen. Wenn ich also von meinem verbrieften Bürgerrecht, der Demonstrationsfreiheit, Gebrauch mache, werde ich vom Verfassungsschutz beobachtet. Sie führten sinngemäß weiter aus, dass ich als Individuum identifiziert werde. Leider sagten sie nicht wozu. Ist es schon wieder so weit in Deutschland, dass Sie es wagen können, mir so eine Unverschämtheit anzudrohen?Glauben Sie wirklich, dass Wir, die anders als Sie denken, alles so einfach hinnehmen werden? Ihre Äusserung, würde übrigens gut ins Reich eines Putin oder Erdogan passen. Sie haben, wieder mal, eindrucksvoll gezeigt, was Sie unter Ihrem Begriff von Demokratie verstehen. Apropos, wieso muss hier in diesem Land ein jeder in der Mitte der Gesellschaft stehen? Ich denke, dass das jedem selbst überlassen ist. Es gibt nämlich auch noch Platz links oder rechts der Mitte. Ob wir oben, in der Mitte oder unten stehen, ist eh Gottesfügung.

14.07.2019 11:01 Dh 51

@ Mediator, wenn ich Ihr Geschriebenes einfach umdrehe, kommt genau meine Sicht der Dinge zum Vorschein. Diese, meine Sicht wird von vielen anderen Menschen geteilt. Das erlebe ich täglich bei zahlreichen Gesprächen und Austausch in meinem Lebensumfeld. Es handelt sich nicht um eine kleine "Fangemeinde" wie Sie in Ihrer Sicht der Dinge vermutlich annehmen, sondern um einen grossen Anteil der Menschen. Wir, die schon länger hier leben, haben selbst Augen zum sehen, Ohren zum hören und ein Hirn zum denken Glaubt man wirklich, dass die Menschen so einfach weiter zu manipulieren sind? Je weiter, die Herrschenden täglich an der Stellschraube des Unerträglichen drehen, wie hier gegen die IB, wird auch die Ablehnung solcher Praktiken zu nehmen. Der Riss durch die Gesellschaft, wird täglich tiefer und grösser. Ganze Einstellungen wandeln sich ins Gegenteil. Bestes Beispie,l ich selbst.

13.07.2019 21:29 Holger 50

Möglicherweise gefällt einigen Anwohnern die inzwischen "bunte" Fassade des Hauses nicht..

Mehr aus dem Raum Halle und Leipzig

Mehr aus Sachsen-Anhalt

Im Bild sind Fahnen mit der Aufschrift Love is Love zu sehen.
Liebe ist Liebe – egal, ob zwischen Mann und Frau, Mann und Mann. Seit 2017 können gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland auch heiraten. (Symbolbild) Bildrechte: imago images / Christian Spicker