Marktplatz von Halle
Halle ist politisch gespalten – das hat die OB-Wahl gezeigt. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla

Analyse der Oberbürgermeister-Wahl Ausgang der Stichwahl in Halle schwer vorherzusagen

Die erste Runde der Oberbürgermeister-Wahl in Halle zeige vor allem zwei Dinge, analysiert MDR-SACHSEN-ANHALT-Reporter Matthias Kessel: Die Bedeutung der Parteien auf kommunaler Ebene nimmt ab. Und durch die Stadt verläuft ein tiefer Riss.

Mathias Kessel, MDR SACHSEN-ANHALT
Bildrechte: MDR/Martin Paul

von Matthias Kessel, MDR SACHSEN-ANHALT

Marktplatz von Halle
Halle ist politisch gespalten – das hat die OB-Wahl gezeigt. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla

Halle hat gewählt. Aber eine Entscheidung darüber, wer die nächsten sieben Jahre der oberste Verwaltungsbeamte im Rathaus sein soll, haben Wählerinnen und Wähler vertagt. Erst nach der Stichwahl in zwei Wochen wird klar sein, wer das Rennen gemacht hat. Das Ergebnis vom Wahlsonntag zeigt: Amtsinhaber Bernd Wiegand konnte seinen Amtsbonus ausnutzen. Mit 44 Prozent der Stimmen liegt er weit vor seinen Herausforderern. 

Aber sein Stimmenanteil ist eben nicht die absolute Mehrheit. Da hätte er über 50 Prozent bekommen müssen. Die Frage, ob er gleich im ersten Wahlgang im Amt bestätigt wird oder nicht, war an und für sich die einzige Frage, über die vor der Wahl in Halle spekuliert wurde.

Jetzt hat ihn der Linke Hendrik Lange, der von SPD und Grünen unterstützt wurde, in die Stichwahl gezwungen und es darf spekuliert werden, ob Bernd Wiegand darüber begeistert ist. Einen Auftritt bei der öffentlichen Präsentation der Wahlergebnisse im Stadthaus am Wahlabend hat er sich jedenfalls gespart. Alle anderen Bewerber waren da.

Knappes Rennen um Platz 2

Während die Ergebnisse der einzelnen Wahlbezirke relativ schnell zu einem Gesamtergebnis addiert wurden, war auch verhältnismäßig schnell klar, dass es eine Stichwahl geben wird. Aber erst zum Schluss, als fast alle Zahlen der 157 Wahllokale vorlagen, stand fest, dass Hendrik Lange mit 25 Prozent der Stimmen gegen Bernd Wiegand antreten wird.

Nur zwei Prozentpunkte hinter Lange kam Andreas Silbersack knapp geschlagen auf Platz 3. Der FDP-Mann ist bei seiner Kandidatur von seiner Partei und der CDU unterstützt worden. Die anderen fünf Kandidaten – darunter die einzige Frau – haben zwischen 0,5 und 2,5 Prozent der Stimmen erreicht und spielten somit für das Ergebnis der Wahl keine Rolle.

Parteizugehörigkeit verliert an Bedeutung

Auch diese Wahl hat einen Trend bestätigt, der schon länger zu beobachten ist: Die ehemals großen Volksparteien verlieren im lokalen Bereich immer mehr ihre Bedeutung, wenn Kandidaten aufgestellt werden. Für die Wähler spielt das Parteibuch von Kandidaten eine immer geringere Rolle. Bestes Beispiel ist der parteilose Amtsinhaber Bernd Wiegand.

Auch der Umstand, dass der Linke Hendrik Lange von SPD und Grünen mit ins Rennen geschickt wurde, ist ein Hinweis auf die Veränderungen. Und dann ist da noch die CDU. In Halle findet die Partei keinen eigenen Kandidaten und unterstützt am Ende das FDP-Mitglied Andreas Silbersack.

Wiegands Aufholjagd ins Rathaus

Ein Viertel der Stimmen sind nach Ansicht des FDP/CDU-Parteienbündnisses hinter Hendrik Lange eine gute Position vor der Stichwahl. Eventuell orientiert man sich bei dieser Einschätzung am Ausgang der OB-Wahl von 2012. Damals war Bernd Wiegand im ersten Wahlgang mit knapp 20 Prozent der Stimmen auf Platz 2 gelandet und CDU-Kandidat Bernhard Bönisch erreichte 35 Prozent. Doch bei der Stichwahl zog Bernd Wiegand mit 53 Prozent an seinem Kontrahenten vorbei.

Bernd Wiegand
Die Amtsführung von Bernd Wiegand ist nicht unumstritten. Bildrechte: imago/VIADATA

Amtsführung sorgt für Spaltung

Ein Blick auf die Ergebnisse der Wahl in den einzelnen Stadtbezirken zeigt: Wiegand ist längst nicht überall in Halle der strahlende Sieger. Er punktet in Halle-Neustadt, auf der Silberhöhe und in der Südstadt. In diesen früheren Neubausiedlungen kommt er jeweils über 50 Prozent. Auch im Norden und im Osten der Stadt bekommt er die meisten Stimmen. Anders ist es in der Innenstadt. Sowohl in Vierteln wie Giebichenstein oder dem Paulusviertel, als auch in der Altstadt und den angrenzenden Wohngebieten hat Hendrik Lange die Nase vorn.

Das Bild zeigt: Die Stadtgesellschaft ist gespalten. Ein Grund dafür ist vermutlich auch die Art und Weise von Wiegands Amtsführung. Die einen stehen voll und ganz hinter ihm, andere lehnen ihn rundweg ab.

Schwierige Prognose

Auch aus diesem Grund ist es schwierig, den tatsächlichen Ausgang der Stichwahl zu prognostizieren. Beide Kandidaten haben ihre Chancen und beide haben auch angekündigt, in den verbleibenden zwei Wochen die Wählerinnen und Wähler zu mobilisieren. Die Wahlbeteiligung könnte tatsächlich den Ausschlag geben, wer von beiden Bewerbern am Ende ins Rathaus einzieht. Nach aller Erfahrung sinkt die Bereitschaft der Wähler zwei Wochen später noch einmal zu wählen. Doch für welchen der beiden Kandidaten das der größere Nachteil ist, ist derzeit nicht abzusehen.

Mathias Kessel, MDR SACHSEN-ANHALT
Bildrechte: MDR/Martin Paul

Über den Autor Mathias Kessel wurde 1959 in Elgersburg geboren. Nach einer Schlosserlehre absolvierte er sein Abitur an der Volkshochschule und studierte danach Philosophie und Germanistik in Halle. Seit 1993 ist er freier Mitarbeiter bei MDR SACHSEN-ANHALT. Zu seinen Themenschwerpunkten zählen Halles Stadtpolitik sowie Polizei- und Gerichts-Geschichten.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 13. Oktober 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Oktober 2019, 12:53 Uhr

1 Kommentar

Realist62 vor 5 Wochen

Irgendwie kann ich mit dieser Wahlanalyse HIER nichts anfangen. Man sollte die Wahlergebnisse genauer unter die Lupe nehmen. Für mich sieht schon Wiegand , wie ein klarer Wahlsieger für die Stichwahl aus. Ich schätze, daß auch Wähler aus dem Lager des Drittplazierten zur Stichwahl gehen, um den links-grünen Lange zu verhindern. Und man sollte nicht unerwähnt lassen, welche bekannte Personen der Stadt Wiegand unterstützen. Rein links für Lange denkt man in Halle an der Saale nicht eher bürgerlich links. Dafür steht der amtierende Oberbürgermeister.

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