Neues Gesetz Pflegefachfrau und Pflegefachmann: Neue Regeln für Berufe in der Pflege

Durch das neue Pflegeberufegesetz ist mit dem Jahreswechsel ein neues Berufsbild entstanden: "Pflegefachfrau/mann". Es umfasst die Berufe der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege, die einzeln nur noch unter bestimmten Voraussetzungen ausgebildet werden. Das hat Auswirkungen – für Azubis und Patienten.

Eine Pflegerin hilft einem Mann beim Hinsetzen und Aufstehen aus dem Bett.
Die Ausbildung in der Altenpflege ist unter neuem Titel nun europaweit anerkannt. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO

Mit dem Jahreswechsel löst das neue Pflegeberufegesetz das bisher geltende Altenpflege- und das Krankenpflegegesetz ab. Damit werden die derzeit getrennten Ausbildungen Altenpflege, Krankenpflege und Kinderkrankenpflege zu einer generalistischen Ausbildung zusammengefasst: "Pflegefachfrau" bzw. "Pflegefachmann".

Der Ausbildungsberuf in der Pflege solle dadurch attraktiver werden, erklärt Cornelia Schulz, Leiterin des Geschäftsbereichs Pflege der AOK Sachsen-Anhalt, im Interview mit MDR SACHSEN-ANHALT. "Der junge Mensch wird dadurch flexibler in seiner Ausrichtung. Er kann sich sowohl während als auch nach der Ausbildung entscheiden, in welche Richtung er sich vertiefen will", so Schulz.

Die Ausbildung zur "Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/-in" beziehungsweise als "Altenpfleger/-in" ist zwar weiterhin möglich, bedarf nun aber einer Vereinbarung im Ausbildungsvertrag, dass ein Vertiefungseinsatz in der pädiatrischen Versorgung oder der Langzeitpflege vorgesehen ist. Auszubildende, die einen entsprechenden Vertiefungseinsatz vereinbart haben, können für das letzte Ausbildungsdrittel einen gesonderten Abschluss wählen. Bis dahin lernen sie alle Einsatzbereiche kennen.

Auswirkungen für Auszubildende

Damit verbunden ist allerdings auch ein größerer Umfang an Lernstoff. "Sie werden jetzt von Geburt bis zum Tod alle Krankheitsbilder lernen müssen", macht Michaela Erfurt, Ausbildungsbeauftragte am Paul-Riebeck-Stift Halle, deutlich. Für Altenpfleger kommen nun beispielsweise spezielle Themen aus der Kinderkrankenpflege hinzu, Kinderkrankpfleger müssen sich wiederum mit Erwachsenen-Richtwerten wie beim Blutdruck auseinandersetzen.

Ein junger Mann wird interviewt.
Oskar Krause macht aktuell eine Ausbildung zum Altenpfleger. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Einen Vorteil sieht Oskar Krause, Altenpflege-Lehrling am Paul-Riebeck-Stift Halle, in der europaweiten Anerkennung seines Berufsstandes. Momentan könnte er beispielsweise nicht als Altenpfleger in Dänemark anfangen. Mit der Ausbildung zum "Pflegefachmann" wird das ab sofort möglich sein. Die Ausbildung in der Krankenpflege war hingegen schon vorher europaweit anerkannt.

Und auch das Ausbildungsgehalt wird angeglichen. Bislang verdienten Auszubildende in der Krankenpflege mehr als in der Altenpflege. Mit dem neuen Ausbildungsberuf beträgt das Gehalt nun einheitlich ab 1.100 Euro. Außerdem muss für die Ausbildung kein Schulgeld mehr gezahlt werden. Finanziert wird dies aus einem Topf, in den Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Land und Pflegeversicherung einzahlen. Für 2020 stehen dadurch etwa 20 Millionen Euro zur Verfügung, mit denen die schulische und praktische Ausbildung gezahlt werden.

Auswirkungen für Patienten

Michaela Erfurt, Ausbildungsbeauftragte am Paul-Riebeck-Stift Halle, sieht in der Pflegeberufe-Reform allerdings keine Verbesserung des Pflege-Notstandes: "Wenn mir immer die Zeit im Nacken sitzt, bringt mir auch eine andere Ausbildung nichts." Die Pflegezeiten sind für jeden Patienten genau festgelegt und müssen dokumentiert werden. Zeit für private Gespräche bleibt kaum – das wird auch jetzt so bleiben.

"Das neue Gesetz wird vermutlich ein kleiner Puzzlestein sein, um dem Pflege-Notstand entgegenzuwirken", bestätigt Cornelia Schulz. "Das Allheilmittel wird es nicht sein", so die Leiterin des Geschäftsbereichs Pflege der AOK Sachsen-Anhalt. Die Politik sei an der Stelle gefordert, gleichmäßige, bundesweite Lösungen für die Pflegezeiten zu finden.

Hinweis: In einer früheren Version dieses Artikels haben wir geschrieben, dass die Berufe der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege mit dem Jahreswechsel verschwunden wären. Das ist nicht korrekt. Es besteht weiterhin die Möglichkeit, sich im 3. Lehrjahr auf die Bereiche Gesundheits- und Kinderkrankenpflege sowie Altenpflege zu spezialisieren.

Quelle: MDR/js

Dieses Thema im Programm: MDR S-ANHALT | SACHSEN-ANHALT HEUTE | 02. Januar 2020 | 19:00 Uhr

8 Kommentare

H. S. vor 41 Wochen

Falsch. Wie im Artikel erwähnt, zahlen Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser, Land und Pflegeversicherung.
Damit der Pflegebedürftige nicht mehr zahlt hoffe ich, dass die Pflegeversicherung bald deutlich angehoben wird!

Tink vor 41 Wochen

Ich denke das neue Ausbildungsgesetz ändert wenig an der Attraktivität des Berufes, stattdessen muss der Beruf selbst sich ändern.

Das Bild der Pflege ist noch immer das des Hilfsberufes und dabei hilft die erneute Umbenennung auch nicht.

Ich erlebe es oft das Patienten die Aufmerksamkeit eines Arztes fordern für ein Problem das die Pflege 'in der Hand hat'... Je nach Arzt führt das dann dazu, dass dieser vor der Zimmertür der Pflegekraft den Auftrag gibt das Problem zu lösen und am Ende dem Patienten stolz die Lösung der Pflege als eigene Lösung vorstellt... Das besagter Patient Pflege dann nur als Hilfsarbeiter ansieht ist kein Wunder.

Pflege ist (zumindest in unserem Bereich) kognitive UND körperlich Arbeit über 8 h... Meine Beobachtung, meine Maßnahmen retten Leben.

Die Gesellschaft sieht mich als etwas über der Reinigungsfachkraft und unter der Arzthelferin...

Tink vor 41 Wochen

Ich habe diese Gesetzesänderung mit Interesse verfolgt und sehe es immer noch kritisch...
Positiv ist, das grade die Altenpflege damit deutlich aufgewertet ist, zu befürchten ist jedoch auch, das der Lernstoff für einige damit zu schwer zu bewältigen sein wird.
Unter dem Ausbildungsgesetz unter dem ich gelernt habe bräuchte ein Gesundheits- und Krankenpfleger nicht einmal eine abgeschlossene Schulausbildung, lediglich 10 Jahre Schulbesuch waren vorgeschrieben, die Krankenpflegeschulen (bzw angegliederten Häuser) indes stellen kaum Schüler unter zumindest Fachabitur (12 Jahre +mind. Realschule mit Quali) ein, schlicht weil sie die Erfahrung gemacht haben, das die 'anderen' das Lernpensum eher nicht bewältigen können.

Die Frage ist und bleibt was erwarte ich von der Pflege als Berufsgruppe?
Ich denke, dass es das Aufgabenfeld 'Pflege' letztlich nicht gibt.
Auf der Intensivstation ist mein Auftrag ein anderer als im Altenheim, in der Notaufnahme ein anderer als in der Palliativversorgu

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