Der ehemalige Mister Germany Adrian Ursache spricht 2017 im Landgericht in Halle/Saale mit Journalisten.
Seit Oktober 2017 steht Adrian Ursache in Halle vor Gericht (Archivbild). Bildrechte: dpa

"Reichsbürger"-Prozess Ex-Mister Germany: Befangenheitsantrag gegen Richter

Im Prozess wegen versuchten Mordes gegen den ehemaligen Mister Germany geht es nur schleppend vorwärts. Am Dienstag hat die Verteidigung von Adrian Ursache den vorsitzenden Richter und einen Gutachter als befangen erklärt.

Der ehemalige Mister Germany Adrian Ursache spricht 2017 im Landgericht in Halle/Saale mit Journalisten.
Seit Oktober 2017 steht Adrian Ursache in Halle vor Gericht (Archivbild). Bildrechte: dpa

Er steht wegen versuchten Mordes vor Gericht, jetzt ließ der ehemalige Mister Germany Adrian Ursache mehrere Befangenheitsanträge stellen. Der vorsitzende Richter und auch der Gutachter gelten ihm und seiner Verteidigung als nicht objektiv. Das wurde bei der Fortsetzung des Prozesses am Dienstag bekannt.

Beim sogenannten "Reichsbürger"-Prozess geht es um einen SEK-Einsatz vom Sommer 2016 in Reuden bei Zeitz. Das Grundstück des Angeklagten sollte geräumt werden, dabei soll er auf einen Polizisten geschossen haben. Der Angeklagte wurde aber auch durch Schüsse der Polizisten lebensgefährlich verletzt. Die Verteidiger wollen beweisen, dass Ursache wegen seiner Schussverletzungen gar nicht geschossen haben kann.

Dem Rechtsmediziner, der die Verletzungen des 43-Jährigen begutachtet hatte, wirft die Verteidigung "mangelnde Sachkunde" vor. Seine Schlussfolgerungen seien nur Behauptungen. Sie bezweifeln, dass Adrian Ursache noch hätte schießen können, nachdem er von zwei Polizeikugeln getroffen worden war. Das wollen sie durch ein anderes Gutachten feststellen lassen. Deshalb beantragte die Verteidigung am Dienstag zusätzlich, das bisherige Gutachten nicht zu verwenden.

Beweisaufnahme noch immer nicht beendet

Der Richter gilt der Verteidigung ebenfalls als befangen, da er den Antrag auf einen anderen Gutachter abgelehnt hatte. Er hätte eine vorgefasste Meinung und sei nicht objektiv. Der Richter hatte das vorhandene Gutachten jedoch als ausreichend angesehen. Über die Befangenheitsanträge wird eine andere Kammer des Landgerichts in den nächsten Tagen entscheiden.

Der Prozess am Dienstag hatte wegen des großen Besucherandrangs mit mehrstündiger Verspätung begonnen. Neben einer Schulklasse waren auch wieder 20 bis 30 Anhänger von Adrian Ursache gekommen. Die Staatsanwaltschaft rechnet den Angeklagten aus dem Burgenlandkreis der Reichsbürgerbewegung zu. Diese erkennt die Bundesrepublik und deren Gesetze nicht an und wird vom Verfassungsschutz beobachtet.

Ein Urteil war eigentlich schon für Dezember 2017 erwartet worden. Bisher steht aber noch das psychiatrische Gutachten des Angeklagten aus. Dann ist die Beweisaufnahme so gut wie abgeschlossen. Am Donnerstag wird der Prozess fortgesetzt.

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Quelle: MDR/lk

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 13. März 2018 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. März 2018, 16:11 Uhr

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17 Kommentare

15.03.2018 15:20 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 17

@ 13. Hans:
Na, kein Wunder, daß man bei den ganzen Reichsdeppen den Überblick verliert.

Wer mit einer Waffe auf einen Polizisten schießt, hat nicht nur das Problem, daß er das Gewaltmonopol des deutschen Rechtsstaat nicht anerkennt, sondern daß sich Polizisten gegen solch eine Bedrohung auch zu Wehr setzen.

15.03.2018 11:24 Ichich 16

Was genau hat der Vorgang mit "Reichsbürger" zu tun ? Wäre Ursache Mitglied der SPD, wäre dies dann ein "SPD-Prozeß" ?

15.03.2018 06:34 Pflichtverteidiger 15

Die Tatwaffe war zur Tatzeit nicht schussbereit und aus ihr hätte auch gar kein Schuss mit Projektilmunition abgefeuert werden können. Demnach entfällt der Versuch des Mordes oder des Totschlags. Herr Ursache wollte nur provozieren, um zu beweisen, dass das von ihm kritisierte System sogar für zivilrechtliche Ansprüche von Banken Menschen tötet. Das will aber im Prozess das Gericht nicht hören und ist demnach voreingenommen.