Fridays for Future in Halle Schüler streiken für Klimaschutz: "It's our fucking future"

Schüler in mehr als 50 deutschen Städten haben am Freitag für mehr Klimaschutz demonstriert. Auch in Halle sind hunderte Schüler vormittags auf den Marktplatz anstatt in die Schule gegangen. Sie erklären MDR SACHSEN-ANHALT, was sie damit erreichen wollen.

Maria Hendrischke
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

von Maria Hendrischke, MDR SACHSEN-ANHALT

Julia, 15, Schülerin in Halle
Schülerin Julia: "Wir wollen, dass der Kohleabbau gestoppt wird." Bildrechte: MDR/Maria Hendrischke

Ein eisiger und ungemütlicher Freitagvormittag in Halle. Trotz der Kälte haben sich etwa 200 Schüler um 10 Uhr draußen auf dem Marktplatz versammelt. Der Grund: Sie streiken. Für den Klimaschutz.

Für Julia, eine 15-jährige Schülerin, ist es die erste Demo, an der sie teilnimmt. "Wir sind wegen dem Klimawandel hier. Wir wollen, dass der Kohleabbau gestoppt wird", sagt sie. Ihre Mitschülerin Liz, ebenfalls 15, war auch schon bei einer "Fridays for Future"-Demo in Dresden dabei. "In dem Fach, das wir gerade hätten, bin ich gut, sodass ich es mir leisten kann, ein paar Stunden zu verpassen."

Für Klimaschutz Schule schwänzen

Auf dem Marktplatz in Halle stehen Schüler und Studenten bei einer Demonstration.
Etwa 200 Schüler demonstrierten in Halle für den Klimaschutz. Bildrechte: MDR/Maria Hendrischke

Denn eigentlich ist dieser Freitag ein ganz normaler Schultag. Die jungen Demonstranten schwänzen also den Unterricht. Dafür könnte ihnen Nachsitzen oder Strafarbeiten drohen. Schulverweigerung ist zudem eine Ordnungswidrigkeit, die in Sachsen-Anhalt laut Schulgesetz mit Bußgeld geahndet werden kann. Die Webseite Fridays for Future erklärt den rechtlichen Hintergrund – und auch, wie Schüler mit einer Freistellung legal an der Aktion teilnehmen können.

Dass sie nicht nachmittags oder am Wochenende protestierten, hat einen Grund, erklärt Julia: "Wenn wir am Freitag zur Schulzeit demonstrieren, bekommen wir mehr Aufmerksamkeit." Ihre Lehrer fänden es okay, dass sie das machten.

Leonhard, 15, Schüler in Halle
Leonhard macht sich Gedanken um den Klimawandel und Müll in den Meeren. Bildrechte: MDR/Maria Hendrischke

Das Anliegen der Schüler ist dringend: "Die UN hat gesagt, dass nur noch 12 Jahre bleiben, um das Klima zu retten", so Julia. Auch Leonhard, 15, sagt: "Irgendwann kann es zu spät sein. Dann haben wir ein Problem." Er macht sich nicht nur Sorgen ums Klima, sondern auch um Plastikmüll in den Meeren. In Deutschland bekomme man vielleicht gar nicht so mit, wie sich die Umwelt verändere. "Aber wenn man in die Meere schaut, über die Grenzen hinaus, dann sind das meiner Meinung nach erschreckende Bilder."  

Schüler sammeln Spenden und pflanzen Bäume

Samira, 12, und ihre Mitschüler werden zur Klimademo von einer Lehrerin begleitet. "Meine Eltern finden es cool, dass ich heute dabei bin", sagt Samira. Für ihre Eltern sei es okay, dass sie dafür Schulstunden verpasse. Die Schülerin war zuvor schon auf einer Demo gegen Atomkraft.

Samira engagiert sich nicht nur bei Fridays for Future für die Umwelt. Sie hat außerdem Spendenboxen aufgestellt, um Geld für Klimaschutzprojekte zu sammeln. Eine ihrer Mitschülerinnen erzählt von der Umwelt-AG, mit der sie auch Geld gesammelt und Bäume gepflanzt habe.

Streik-Idee von schwedischer Schülerin Greta

Peter von Lampe, Initiator der Klimademo Fridays for Future in Halle
Peter von Lampe hat den "Fridays for Future"-Streik in Halle organisiert. Bildrechte: MDR/Maria Hendrischke

Den Klimastreik in Halle hat Schüler Peter von Lampe organisiert. Er fasst die Ziele der Aktion zusammen: "Wir wollen den schnellstmöglichen und sozialverträglichen Kohleausstieg Deutschlands." Außerdem wollten sie generell auf die Probleme des Klimawandels aufmerksam machen und Politiker daran erinnern, dass sie endlich handeln müssten. Es könne nicht sein, dass weiterhin Dörfer und Wälder der Braunkohleförderung zum Opfer fielen. Mit Sonne, Wind und Wasserkraft gebe es gute Energiealternativen.

Vorbild für die Aktion sei die 16-jährige Schülerin Greta Thunberg aus Schweden, erklärt von Lampe. Thunberg hielt bei der Klimakonferenz im vergangenen Jahr im polnischen Katowice eine Rede. Seit Sommer 2018 gehe sie freitags nicht zur Schule, sondern sitze vor dem Parlament.

Aus Gretas Protest ist eine internationale Bewegung von Schülern, Auszubildenden und Studenten entstanden: Fridays for Future. In Deutschland haben erstmals im September 2018 Schüler in Berlin gestreikt. Am Freitag haben Kinder und Jugendliche in mehr als 50 Städten in ganz Deutschland protestiert. Etwa 25.000 junge Menschen sind nach Angaben von Fridays for Future bundesweit auf die Straßen gegangen. Halle war die einzige Stadt in Sachsen-Anhalt, die sich an der Demo beteiligt hat.

Nächste Demo in Berlin

Liz, 15, Schülerin in Halle
Schülerin Liz hat auch schon in Dresden für den Klimaschutz demonstriert. Bildrechte: MDR/Maria Hendrischke

Am kommenden Freitag, 25. Januar, findet die Klimademo vor dem Bundeswirtschaftsministerium in Berlin statt. Dort trifft sich an dem Tag die Kohlekommission, die beschließen soll, wann genau und wie Deutschland aus der Braunkohle aussteigt.

Von den befragten Schülern, die an der Demo in Halle teilgenommen haben, plant keiner, nach Berlin zu fahren. "Das ist zu weit weg", meint Liz. Wenn es aber wieder eine Freitagsdemo in Halle gibt, wollen die Schüler daran auch teilnehmen.

Maria Hendrischke
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über die Autorin Maria Hendrischke arbeitet seit Mai 2017 als Online-Redakteurin für MDR SACHSEN-ANHALT - in Halle und in Magdeburg. Ihre Schwerpunkte sind Nachrichten aus dem Süden Sachsen-Anhalts, Politik sowie Erklärstücke und Datenprojekte. Ihre erste Station in Sachsen-Anhalt war Magdeburg, wo sie ihren Journalistik-Bachelor machte. Darauf folgten Auslandssemester in Auckland und Lissabon sowie ein Masterstudium der Kommunikationsforschung mit Schwerpunkt Politik in Erfurt und Austin, Texas. Nach einem Volontariat in einer Online-Redaktion in Berlin ging es schließlich zurück nach Sachsen-Anhalt, dieses Mal aber in die Landeshauptstadt der Herzen – nach Halle. Ihr Lieblingsort in Sachsen-Anhalt sind die Klausberge an der Saale. Aber der Harz ist auch ein Traum, findet sie.

Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 18. Januar 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Januar 2019, 16:12 Uhr

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42 Kommentare

21.01.2019 11:27 klaus 42

Hat man im Mittelalter, wo es doch 2 Grad wärmer war als jetzt, die Pferdewagen stehen lassen müssen um das Klima zu senken?
Sollten die Kids bei dem momentanen Bildungsniveau nicht eher länger in der Schule sein?
Das liegt wohl im ermessen von Lehrern und Eltern.

21.01.2019 10:36 Dieter 41

Gestern war es ziemlich kalt und Wind ging auch nicht. Nur 17% unseres Energieaufwands kommt aus erneuerbaren. Ich nehme an, die jungen Demonstranten sind einverstanden, dass sie jetzt keine Energie bekommen können, und für das Klima in kalten Zimmern und ohne Elektroenergie sitzen. Das wäre ein guter Test für die Enrsthaftigkeit ihres Anliegens und er hilft vielleicht dem einen oder anderen auch beim Nachdenken.

21.01.2019 10:30 franz 40

"Hurra... schwänzen" das ist wohl eher der Antrieb dieser Schüler gewesen :-) Natürlich ginge dies nicht am Nachmittag, denn dieser Zeitraum ist für die Playstation reserviert. Ich möchte auch bezweifeln, dass sich die meisten der Kids ausführlich über das Thema informiert haben.

Anmerkung MDR SACHSEN-ANHALT
Wieso die Kinder "bewusst" sich dafür entschieden haben, während der Schulzeit zu demonstrieren, steht im Artikel. Zu Ihrer zweiten Meinung: Sprechen Sie da aus eigener Erfahrung, haben mit den Kindern gesprochen oder woher nehmen Sie den "Zweifel" über die Ausführlichkeit der Beschäftigung?

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