Attacke in Halle Schüsse auf Bürgerbüro des SPD-Abgeordneten Karamba Diaby

Das Bürgerbüro des SPD-Bundestagsabgeordneten Karamba Diaby in Halle ist angegriffen worden. Eine Fensterscheibe weist mehrere Einschusslöcher auf. Polizei und Staatsschutz ermitteln.

Einschusslöcher an der Fensterscheibe eines Politikerbüros.
Verletzt wurde durch den Angriff niemand. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Bürgerbüro des SPD-Bundestagsabgeordneten Karamba Diaby in Halles Innenstadt ist angegriffen worden. Die Polizei und der Staatsschutz ermitteln. Das bestätigte Ralf Karlstedt von der Polizeiinspektion Halle MDR SACHSEN-ANHALT. Projektile habe man aber bei der Spurensicherung nicht gefunden. Diaby sagte, die Fensterscheiben wiesen fünf Einschusslöcher auf.

Die Polizei teilte weiter mit, man habe auch an zwei weiteren Gebäuden in der Kleinen Ulrichstraße Rückstände eines möglichen Beschusses festgestellt. Wodurch die Sachbeschädigungen verursacht wurden, könne die Polizei zurzeit nicht sagen.

Büro-Mitarbeiter sind schockiert

Diaby veröffentlichte auf Twitter ein Foto der Einschusslöcher in der Scheibe seines Bügerbüros. Er sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Ich verurteile diese Gewalt. Ich weiß, dass die Polizei und der Staatsschutz ermitteln. Die Hintergründe sind noch nicht klar. Deshalb kann ich mich dazu noch nicht näher äußern."

Ich mache mir natürlich Sorgen, dass es Menschen gibt, die mit Gewalt gegen Politiker vorgehen, das verurteile ich aufs Schärfste.

SPD-Politiker Karamba Diaby

Die Bürgerbüro-Mitarbeiter reagierten im Gespräch mit einem MDR-Reporter schockiert – vor allem weil sich direkt hinter der Scheibe ein Schreibtisch befindet und die Einschusslöcher auf Kopfhöhe sind. Die Attacke sei zwischen 16:30 Uhr am Dienstag und 9:00 Uhr am Mittwoch passiert. In der Zeit sei das Büro nicht besetzt gewesen, so die Mitarbeiter.

Reaktionen: "widerlich und feige"

Der Vorsitzende des SPD-Landesverbandes Sachsen-Anhalt, Burkhard Lischka, verurteilte den Angriff. "Mit Gewalt gegen Andersdenkende vorzugehen, ist immer zu verurteilen. Der Versuch, mit einer solchen Tat einen frei gewählten Abgeordneten und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzuschüchtern, ist ein Angriff auf das Herz der Demokratie", teilte Lischka am Nachmittag mit. "Aber ich weiß: Karamba Diaby lässt sich nicht einschüchtern." Die SPD Sachsen-Anhalt stehe an Diabys Seite.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) bezeichnete den Vorfall auf Twitter als "widerlich und feige". Er werde weiter an der Seite der Mitarbeiter für eine freie, tolerante und vielfältige Demokratie eintreten. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) teilte mit, er verurteile jegliche Form von Gewalt und Angriffen auf Mandatsträger.

Fensterscheibe des Bürgerbüros von Karamba Diaby mit Einschusslöchern
Die Fensterscheibe des Bürgerbüros in der Kleinen Ulrichstraße in Halle weist mehrere Einschusslöcher auf. Bildrechte: Karamba Diaby

Mehrfach Attacken und Angriffe

Der Angriff ist nicht die erste Attacke auf das Abgeordnetenbüro des Politikers. Im Juni 2015 hatten Unbekannte die Fensterscheibe des Büros eingeworfen. Auch das Wahlkreisbüro des CDU-Bundestagsabgeordneten und ehemaligen Ministerpräsidenten Christoph Bergner war damals attackiert worden. Dort wurde die Fassade mit blauer Farbe beworfen.

Im April 2016 hatte Diaby eine rassistische Postkarte der rechtsextremen Partei "Der dritte Weg" erhalten. Die Postkarte war in der Art eines vermeintlichen Gutscheins gestaltet und empfahl mit den Worten "Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen" dem Empfänger die Ausreise nach Afrika. Bundesweit hatten damals mehrere Politiker die rechte Propaganda per Post erhalten.

Zur Person Karamba Diaby

Karamba Diaby ist SPD-Bundestagsabgeordneter für Halle, Kabelsketal, Landsberg und Petersberg. Er hat zwei Büros in Halle, einmal ein Wahlkreisbüro in der Großen Märkerstraße und das Bürgerbüro in der Kleinen Ulrichstraße. Er ist Mitglied im Fraktionsvorstand der SPD und Integrationsbeauftragter der Partei.

Diaby wurde 1961 im Senegal geboren. Mitte der 1980er Jahre kam er mit einem Stipendium in die DDR, wo er an der Universität Halle Chemie studierte und anschließend auch promovierte. Seit Mitte der 1990er Jahre arbeitete Diaby in verschiedenen sozialen Projekten mit den Schwerpunkten Bildung und Integration. Von 2011 bis 2013 war er Referent bei der Integrationsbeauftragten des Landes Sachsen-Anhalt. Diaby saß von 2009 bis 2015 im Stadtrat von Halle. Er wurde 2013 und 2017 in den Deutschen Bundestag gewählt.

Karamba Diaby
Bildrechte: Karamba Diaby

Quelle: afp,dpa,MDR/mp,kb

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 15. Januar 2020 | 16:30 Uhr

92 Kommentare

MDR-Team vor 28 Wochen

Laut unseren Informationen wurden am Tatort keine Projektile gefunden. Wenn sich Neuigkeiten in den polizeilichen Ermittlungen ergeben, werden wir darüber berichten.

MDR-Team vor 28 Wochen

Wir wünschen uns hier eine sachliche, themenbezogene Diskussion. Weitere Kommentare, die sich mehr mit den Mit-Kommentatoren als mit dem Thema beschäftigen, werden nicht mehr zugelassen.

Denkschnecke vor 28 Wochen

Herr Kohfeld, Sie verstehen es einfach nicht. Ich versuche es ein letzes Mal mit einem Edit:
"Wen ICH als Hobby-Kriminologen bezeichnet HABE, war nicht die Polizei ... sondern die, die daraus den Schluss ziehen, dass sich Herr Diaby nicht so haben soll wegen einer kaputten Fensterscheibe."
Ich wede Ihnen nicht mehr so etwas wie Nachdenken und Verstehen vorschlagen. Und mir vorzuwerfen, ich würde mich verdummen lassen (von wem und worauf bezogen eigentlich in diesem Fall?), nehme ich persönlich. Von Ihnen jedenfalls nicht.

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