Vorsichtsmaßnahme Wegen Coronavirus: Stadt Halle schließt Schulen, Kitas und die Uni

Um die Ausbreitung des Coronavirus in Sachsen-Anhalt zu verlangsamen, schließt die Stadt Halle als erste Großstadt in Deutschland ab Freitag alle Kitas, Schulen und die Universität. Außerdem sind alle öffentlchen Veranstaltungen abgesagt. Diese Regelung gilt vorerst bis zum 27. März. In Magdeburg schließt bislang eine Grundschule wegen eines Corona-Verdachtsfalls. Landesweit wurde der Start des Sommersemesters auf den 20. April verschoben.

Bernd Wiegand
Halles OB Bernd Wiegand bittet alle Menschen in diesen Tagen um Besonnenheit. Bildrechte: imago/VIADATA

Um die weitere Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, schließt die Stadt Halle ab Freitag alle Kindertagesstätten und Schulen. Das hat Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) am Donnerstag bekanntgegeben. Demnach gilt die Schließung vorerst bis zum 27. März. Dann soll über eine mögliche Verlängerung entschieden werden.

In der Stadt Halle gibt es laut Wiegand aktuell sieben Infektionsfälle, die sich alle in häuslicher Quarantäne befinden. Wiegand begründete die einschneidenden Maßnahmen damit, dass die Ermittlung der Kontaktwege nicht mehr sicher und vollumfänglich gewährleistet werden könne. Deshalb sehe der Stab die Schließungen "im Rahmen der Gefahrenabwehr für verhältnismäßig an".

Ich bitte Sie alle, bleiben Sie weiter besonnen. Mit der Einhaltung der angeordneten Maßnahmen zeigen Bürgerinnen und Bürger eine hohe Verantwortung für sich, ihre Familien und die Gesundheit der Allgemeinheit.

Bernd Wiegand, Oberbürgermeister von Halle

GEW fordert Klarheit über Abschlussprüfungen nach Schulschließungen

Mit Blick auf die angekündigte Schließung aller Schulen in Halle fordert die Bildungsgewerkschaft GEW unterdessen klare Ansagen des Bildungsministeriums. Es müsse schnell geklärt werden, welche Folgen die Entscheidung für die Prüfungen zum Realschulabschluss und zum Abitur habe, sagte GEW-Landeschefin Eva Gerth. Derzeit sei offen, ob die Prüfungen verschoben würden oder wie die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit bekämen, sich weiter vorzubereiten.

Zudem bräuchten auch die Lehrkräfte schnell Klarheit, dass angeordnete Schulschließungen nicht zu Lohnkürzungen oder Minusstunden bei der Arbeitszeit führten. Diese Frage sei derzeit nicht geklärt und sorge für Unsicherheit, so Gerth.

Keine Notbetreuung für Kinder

Die Selbstverantwortung der Eltern sei nun wesentlich, sagte der Oberbürgermeister. Als mögliche Lösung für die Betreuung der Kinder könnten Kleingruppen gebildet werden. Einen Notfallbetrieb der Schulen und Kitas werde es jedoch nicht geben, um mögliche Infektionswege zu unterbrechen.

Die Beigeordnete für Bildung und Soziales in Halle, Katharina Brederlow, plädierte im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT an alle Eltern, die nicht betroffen sind, sich untereinander zu helfen und in der Familie zu organisieren. Sobald allerdings ein Corona-Fall vorliege, solle man in Quarantäne bleiben.

Alle öffentlichen Veranstaltungen gestrichen

Neben Kitas, Schulen und Uni sind in Halle laut Wiegand auch alle öffentlichen Veranstaltungen unabhängig von der Teilnehmerzahl abgesagt. Auch die Räume der Theater, der Oper und der Orchester GmbH Halle würden geschlossen. 

Auf die Frage nach möglichen Entschädigungen für Veranstalter verwies Wiegand auf das Infektionsschutzgesetz. Dort seien entsprechende Zahlungen geregelt. Gastronomiebetriebe und Einzelhandel blieben vorerst geöffnet. Auch der öffentliche Nahverkehr fahre weiter. Das Stadtoberhaupt betonte aber auch, dass sich die Lage fortlaufend ändern könne.

Semesterstart an Hochschulen verschoben

Der Lehrbetrieb der Universität, der teils auch in den Semesterferien stattfindet, werde ebenfalls von Freitag an eingestellt, so Wiegand. In ganz Sachsen-Anhalt wird zudem der Semesterbeginn in Unis und Hochschulen auf den 20. April verschoben. Das gab Wissenschaftsminister Armin Willingmann (SPD) nach einer Telefonkonferenz mit den Rektoren der Universitäten und Hochschulen des Landes bekannt.

Willingmann erklärte dazu, die Sicherheit und Gesundheit der gut 20.000 Beschäftigten und der rund 53.300 Studierenden an den Hochschulen hätten oberste Priorität. Die Hochschulen hätten zudem zugesagt, dass den Studierenden dadurch keine Nachteile etwa bei Prüfungen entstehen.

Grundschulschließung auch in Magdeburg

Ein leeres Klassenzimmer mit hochgestellten Stühlen.
Ab Freitag sind hierzulande die ersten Schulen wegen des Coronavirus geschlossen. Bildrechte: Colourbox.de

Auch in Magdeburg hat das Gesundheits- und Veterinäramt eine Schule wegen des Coronavirus geschlossen. Betroffen ist die Grundschule St. Mechthild im Stadtteil Neue Neustadt. Dort ist eine Mitarbeiterin positiv auf den gefährlichen Erreger "Corona SARS-CoV-2" getestet worden. Amtsarzt Dr. Eike Hennig sagte, man beginne jetzt mit der schrittweisen Schließung dieser Grundschule, was dann ab morgen für knapp 14 Tage gelten werde. Mit etwas organisatorischem Aufwand könnten die Eltern der Kinder aber weiterhin arbeiten. Der Arzt bat um Verständnis für diese Anordnung.

Sachsen-Anhalt lange ohne Infektion

Sachsen-Anhalt war lange das einzige Bundesland ohne nachgewiesene Sars-CoV-2-Infektion. Die ersten Fälle waren am Dienstag bekanntgeworden. Den jüngsten Zahlen des Sozialministeriums zufolge gibt es im Land mittlerweile 24 nachgewiesene Infektionen (Stand: Donnerstag, 11 Uhr). Seit Mittwochabend seien zehn Fälle hinzugekommen. Inzwischen seien damit nachweislich Menschen in acht Landkreisen sowie in Halle und Magdeburg mit dem Erreger Sars-CoV-2 infiziert. Auch die kreisfreie Stadt Dessau Roßlau meldete am Donnerstagmittag einen ersten Corona-Fall.

Quelle: MDR/agz, dpa, AFP

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 12. März 2020 | 12:00 Uhr

12 Kommentare

Alexander vor 28 Wochen

Können Sie Informationen geben oder einholen wie es sich mit den Kita- und Schulgebühren verhält. Müssen diese dann noch gezahlt werden? Schließlich ist das Kind nicht krank.

peterhau vor 28 Wochen

Der OB schließt Schulen, Kita etc. und empfiehlt gleichzeitig die Notbetreuung in kleinen Gruppen. Soviel Blödsinn habe ich schon lange nicht mehr gehört. Reiner Aktionismus und es zeigt die völlige Überforderung des OB. Man kann nur noch mit dem Kopf schütteln.

Petra Stein vor 28 Wochen

@Marko Sie schreiben: "Was ist mit dem öffentlichen Nahverkehr. In den stoßzeiten stapeln sich die Leute in den Bussen und Bahnen. Da klatscht jedes Virus vor Begeisterung in die Hände."

Ganz einfach: wer kann, geht halt mal 20-30 Minuten zu Fuß oder fährt mit dem Rad. Damit werden die Busse leerer und diejenigen, die darauf angewiesen sind, können mehr Abstand halten.

Ein praktischer Tipp für soziales Verhalten aus Thüringen. Geht bestimmt auch in Sachsen-Anhalt.

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