Collage: Kandidaten Hendrik Lange und Bernd Wiegand vor hallescher Skyline.
Zur Stichwahl treten Hendrik Lange (links) und Bernd Wiegand an. Bildrechte: MDR/imago/VIADATA, Exakt,dpa

Oberbürgermeister-Wahl in Halle So unterschiedlich sind die Spitzenkandidaten

Heute wählt Halle einen neuen Oberbürgermeister in einer Stichwahl. Die beiden Kandidaten könnten unterschiedlicher nicht sein – der eine schafft Fakten, der andere gilt als Vermittler.

von Theo M. Lies, MDR SACHSEN-ANHALT

Collage: Kandidaten Hendrik Lange und Bernd Wiegand vor hallescher Skyline.
Zur Stichwahl treten Hendrik Lange (links) und Bernd Wiegand an. Bildrechte: MDR/imago/VIADATA, Exakt,dpa

Sie könnten unterschiedlicher nicht sein. Der eine, Bernd Wiegand, hält sich nicht lange mit der Vorrede auf und ist ohne sein Tablet kaum denkbar. Der andere, Hendrik Lange, gilt als Vermittler und lacht auch mal gern. Beide kennen sich schon einige Jahre aus dem Stadtrat. Freundschaft aber ist das nicht.

Bernd Wiegand – Oberbürgermeister seit 2012

Halles OB Bernd Wiegand
Bernd Wiegand ist seit 2012 Oberbürgermeister. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wiegand kam 2008 als Beigeordneter für Inneres nach Halle. Da war er noch Sozialdemokrat, wie auch seine damalige Verwaltungschefin Dagmar Szabados. Doch das Verhältnis kühlte merklich ab, die inhaltlichen und wohl auch persönlichen Konflikte schienen unversöhnlich. Der promovierte Verwaltungsrechtler quittierte die SPD-Mitgliedschaft. Dann stellte er sich zur Oberbürgermeister-Wahl 2012, ohne Unterstützung einer politischen Partei, als krasser Außenseiterkandidat. Er kam in die Stichwahl und überholte schließlich den CDU-Mann Bernhard Bönisch.

Ohne viel Dialog und Federlesen

Seitdem sitzt Bernd Wiegand im Chefsessel der Verwaltung. Die hat er, wie im Wahlkampf versprochen, umgehend umstrukturiert und Führungsstellen neu besetzt. Allerdings ohne viel Dialog und Federlesens. Das sorgte für Unmut in der Belegschaft, der sich bis heute nicht gelegt hat. Aber eben auch für vollendete Tatsachen. Damit konfrontiert er auch immer wieder den Stadtrat, in dem der parteilose Oberbürgermeister bislang keine Rückendeckung hatte. Ob nun Haushaltsvorlagen oder Immobilienentscheidungen, Stadtentwicklungspläne oder Sparvorschläge – selten wurden solche sensiblen kommunalpolitischen Entscheidungen vorab inhaltlich mit den Fraktionen diskutiert.

Das lässt sich ein Stadtrat nur ungern bieten und lag deshalb im Dauerclinch mit dem Verwaltungschef. Und der Vorsitzende dieses Gremiums hieß lange Jahre Hendrik Lange. Der musste in diesem Amt so manche Auseinandersetzung glätten. Erst seit der letzten Kommunalwahl hat Bernd Wiegand mit der Fraktion Hauptsache Halle eine, wenn auch kleine, Unterstützergruppe gefunden.

Wiegands Erfolg: die wirtschaftliche Entwicklung Halles

Was er bei den Stadträten nicht erst versuchte, gelingt Wiegand aber bei den Bürgergesprächen und Foren. Die werden regelmäßig in den Quartieren angeboten, auf denen aktuelle Stadtentwicklung erörtert und Bürgerkritik aufgenommen wird.

Auf der Erfolgsliste des gebürtigen Braunschweigers steht vor allem die wirtschaftliche Entwicklung der Saalestadt der letzten Jahre. Die reklamiert der 62-Jährige für sich, vor allem die Ansiedlungen im Starpark, einem  großen Gewerbegebiet direkt an der A14. Auch das war eines seiner großen Wahlversprechen.

In seine Amtszeit fällt auch das große Hochwasser von 2013, die er als Chef des Katastrophenstabes mit kühlem Kopf bewältigt, sich aber anschließend als "Deichgraf" vergaloppiert hatte.

Hendrik Lange – auf dem Weg zum Oberbürgermeister

Ein stets präsentes Stadtoberhaupt ist in der Bekanntheitsskala natürlich im Vorteil. Dennoch kann auch sein Herausforderer Hendrik Lange punkten.

Hendrik Lange, Die Linke
Hendrik Lange will neuer Oberbürgermeister werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der 42-Jährige stammt aus Quedlinburg und engagiert sich seit seinem Biologiestudium in Halle. Dort sammelte er politische Erfahrung im Studentenrat und saß als dessen Vertreter im Universitätssenat. Seit 2004 sitzt er im Stadtrat, seit 2006 im Landtag für die Linken. In beiden Vertretungen arbeitete er in den Bildungsausschüssen mit.

Er profilierte sich vor allem als kritische Stimme bei sozialen Verwerfungen wie Kinderarmut – auch in Halle wirft dieses Thema seinen Schatten. Eine klimafreundliche Innenstadt passt zu seinen ökologischen Überzeugungen, die auch von seinem Sachverstand als Biologe geprägt sind. Darin sieht er für eine zukunftsfähige Stadtgesellschaft Halle große Chancen.

Und er ist auch leidenschaftlicher Halle-Neustädter. Dort wohnt er seit 20 Jahren, und ausgerechnet dort konnte Lange zur ersten Wahlrunde nicht punkten. Seine Prozente holte er in der Innenstadt, im studentischen Umfeld.

Wer sammelt mehr CDU/FDP-Stimmen?

Mit 42 Prozent Wahlbeteiligung – nach 34 Prozent vor sieben Jahren – war den halleschen Bürgern die Entscheidung um ein neues Stadtoberhaupt offenbar wichtig genug. Und das, obwohl alle Kandidaten ihren Wahlkampf wegen des Anschlags von Halle sofort abgebrochen hatten. Nun wollen aber sowohl Bernd Wiegand als auch Hendrik Lange elanvoll  in den Schlussspurt gehen. Denn entschieden ist noch nichts. Das Zünglein an der Waage werden wohl jene Wähler sein, die zunächst für den FDP/CDU-Kandidaten Andreas Silbersack votierten. Sollen die nun einen Linken wählen? Oder doch in den vermeintlich sauren Apfel beißen, und ihre Idee "Halle braucht den Wechsel" beerdigen?

Es bleiben also viele Fragen vor dieser Stichwahl am 27. Oktober. 

Quelle: MDR/mx

Zuletzt aktualisiert: 27. Oktober 2019, 09:02 Uhr

3 Kommentare

lokalpatriot vor 3 Wochen

Lieber Herr Unger, wenn Sie mit Ihrer Aussage Herrn Wiegand demokratisches Verhalten zusichern wollen, dann darf man getrost auf dessen Amtszeit verweisen, in der sich leider nicht viel von Demokratie finden lässt! Er herrscht in Halle als Diktator, schüchtert ein, bevorzugt Intimusfreunde, besetzt Schnittstellen mit ihm ergebenen Personen etc.. Der Stadtrat wird notorisch übergangen. Das ist nicht länger hinnehmbar. Leider sind die Alternativen eigentlich keine! Dennoch muss dem Treiben von Wiegand zum Wohle dieser Stadt ein Ende bereitet werden, deshalb Lange wählen, hier ist zumindest ein demokratischer Umgang mit dem Stadtparlament garantiert, was Halle schneller vorranbringen sollte. Was Wiegand frech als seine Erfolge verbucht, sind ja Dinge, die teilweise lange vor seiner Amtszeit in die Wege geleitet worden sind (z.B. Europachaussee etc.). Im Übrigen kann ein Westdeutscher tatsächlich die Gegebenheiten in der damaligen DDR schwer einschätzen.

lokalpatriot vor 3 Wochen

Herrn Lange undemokratisches Verhalten vorzuwerfen udn ungenannte Herrn Wiegand zu glorifizieren kennzeichnet eine große Unkenntnis der lokalen Verhältnisse in Halle. Wiegand hat vom ersten Tag seiner Inthronisierung seine persönlichen Machtgelüste in Halle ausgespielt, ihm willfährige Mitarbeiter eingestellt, anderee unter Druck gesetzt, sich mehrfach gesetzeswidrig verhalten (z.B. unerlaubt hunderte Bäume fällen lassen, jeder normale Bürger wäre dafür belangt worden!). Sein Nichterscheinen am Wahlabend im Stadthaus udn seine Absage an ein Streitgespräch mit Herrn Lange disqualifiziert ihn weiter, solch ein Mann hat noch nie etwas von Demokratie gehört und den Sinn verstanden. Wiegand ist einfach arrogant udn in seiner Dummheit gefährlich! Herr Lange hat als Stadtparlamentsvorsitzender bewiesen, dass er vermitteln kann. Halle sollte endlich einen demokratischen OB wählen!

Dieter Unger vor 3 Wochen

Ich erinnere mich an die Kommentare von Herrn Lange zur IM-Tätigkeit des Dr. Schädlich, damals Präsident des HFC. Neue, unglaubliche Spitzeldienste kamen zum Vorschein, die dem OB Wiegand keine Wahl ließen und er Schädlich zum Rücktritt aufforderte. Neben Herrn Silbersack, ebenfalls OB-Kandidat, warf Herr Lange dem Oberbürgermeister perfides Verhalten, durchschaubare Machtpolitik und Intrigen vor. Und dann setzte er noch einen drauf und sprach dem aus Westdeutschland stammenden Wiegand die Kompetenz ab, über ostdeutsche Stasispitzel zu urteilen. Unerhört! Dieser Griff in die unterste Schublade einer unglaublichen Propaganda ist undemokratisch und schadet dem notwendigen Zusammenwachsen der Deutschen in Ost und West. Wie können verantwortliche Politiker solch einen Kandidaten unterstützen, sollten sie ihn nicht lieber aus dem Rennen, ja ganz aus der Politik nehmen? Jetzt ist nur noch zu hoffen, dass der Wähler eine bessere, eine demokratischere Entscheidung trifft!

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