Integrierte Gesamtschule Schulstreit in Halle geht in die Verlängerung

Viele Eltern in Halle wollen ihre Kinder nach den Sommerferien am liebsten auf eine Integrierte Gesamtschule schicken. Doch dort gibt es nicht genug Plätze. Die Stadt hat deswegen andere Pläne. Das sorgt für Ärger.

Integrierte Gesamtschule IGS Halle
An den Gesamtschulen in Halle, hier die IGS am Steintor, gibt es nicht genug Plätze für alle Interessenten. Bildrechte: MDR/ Oliver Leiste

Der Plan der Stadtverwaltung in Halle, nach den Sommerferien zwei zusätzliche fünfte Klassen am Südstadt-Gymnasium zu eröffnen, sorgt für Wirbel. Denn eigentlich bevorzugen immer mehr Schüler und deren Eltern eine Gesamtschule. Doch davon gibt es in Halle bislang nur zwei und die stoßen längst an ihre Grenzen. So bewarben sich in Halle etwa 360 Kinder auf 200 Plätze. Damit können 160 Schülerinnen und Schüler nicht auf die Integrierte Gesamtschule (IGS). Die Stadt will einige von ihnen stattdessen auf das Südstadt-Gymnasium lotsen.

Doch dabei gibt es mehrere Probleme. Zum einen hätte die Schule derzeit gar nicht genug Lehrerinnen und Lehrer, um die Erweiterung zu bewältigen. Auch reichen die beiden geplanten Klassen längst nicht aus, um alle betroffenen Kinder unterzubringen. Zu guter Letzt droht der Stadt eine Klagewelle, wenn Kinder nicht an der gewünschten Schulform – sprich der IGS – angenommen werden. Denn es gibt einen Rechtsanspruch, dass die Schulform frei gewählt werden kann. 

Keine Entscheidung im Bildungsausschuss

Vergangene Woche sollte der Stadtrat über die Regelung entscheiden. Doch es gab Zweifel, ob das Vorhaben der Stadt rechtens ist. Etwa, weil der Stadtelternrat im Vorfeld nicht einbezogen wurde und auch die freie Schulwahl, die in Sachsen-Anhalt gilt, dadurch nicht möglich ist. Deshalb entschied der hallesche Stadtrat, dass sich zunächst der Bildungsausschuss mit dem Thema beschäftigen soll.

Dort fiel der Plan der Verwaltung am Dienstagabend durch. Stattdessen soll erst mit dem Landesschulamt geklärt werden, wie viele Lehrerinnen und Lehrer an welchen Schulen tatsächlich zur Verfügung stehen, sagt Hendrik Lange von den Linken. Neben zwei zusätzlichen Klassen am Südstadt-Gymnasium wurde auch die Verteilung der Kinder auf mehrere Schulen diskutiert. Lange und seine Partei machen sich derweil für die Gründung einer neuen IGS im Stadtgebiet stark. Die ist für das Schuljahr 2021/22 ohnehin vorgesehen und könnte aus Sicht des Bildungspolitikers vorgezogen werden. Selbst die Einrichtung einer vierten Gesamtschule wird bereits diskutiert.

Integrierte Gesamtschule:

In einer Gesamtschule werden Schülerinnen und Schüler von der fünften bis zur zwölften oder 13. Klasse unterrichtet und können dort entweder einen Realschulabschluss oder das Abitur erlangen. Die Schuljahrgänge 10 bis 12 oder 11 bis 13 werden als gymnasiale Oberstufe geführt. Durch das parallele Angebot von Abschlüssen der Sekundarbereiche I und II müssen Eltern nicht schon nach der Grundschule entscheiden, welche schulische Laufbahn ihr Kind einschlägt. Auch deshalb erfreuen sich die elf Gesamtschulen in Sachsen-Anhalt zunehmender Beliebtheit.

Beigeordnete: "Neugründung ist nicht möglich"

Doch ganz so einfach, wie von Lange vorgeschlagen, ist die Lösung des Problems offenbar nicht, erklärt Halles Beigeordnete für Bildung, Katharina Brederlow. Schon vergangene Woche sagte sie: "Wir können die Kapazitäten nur im Rahmen der Schulentwicklungsplanung festlegen. Das heißt bei bestehenden Schulen." Eine Neugründung sei rechtlich nicht ohne weiteres möglich.

Die Stadt muss nun schnellstmöglich eine Lösung finden. Wie die dann tatsächlich aussieht, soll in den kommenden Tagen geklärt werden. Auf der Stadtratssitzung Ende Juni muss eine Entscheidung gefällt werden, denn nur wenige Wochen später beginnen die Sommerferien. Und spätestens dann sollten Kinder und ihre Eltern wissen, wie es für sie Ende August weitergeht.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 03. Juni 2020 | 09:30 Uhr

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