"Das Wunder – und die Wunde von Halle" Die Synagogentür in Halle soll Erinnerungsort werden

Sie hatte dem Angriff des Mörders standgehalten – die Tür der Synagoge in der Humboldtstraße in Halle. Einschusslöcher zeugen von dem Terroranschlag. Zwei Menschen hat der rechtsextremistische Täter getötet, zwei weitere verletzt. Aber die eher unscheinbare Holztür ist Lebensretter für mehr als 50 Menschen geworden.

Nach dem Angriff eines rechtsextremen Täters sind noch die Einschusslöcher auf einer Tür zur Synagoge zu sehen
Die Tür der Synagoge in Halle muss ausgetauscht werden – und soll als Mahnmal erhalten werden. Bildrechte: dpa

Als am 9. Oktober ein rechtsextremer Attentäter zwei Menschen in Halle tötete, hatte er eigentlich in die Synagoge eindringen wollen. Dort beteten gerade mehr als 50 Juden am höchsten jüdischen Feiertag. Doch die Tür zum Eingang der Synagoge in der Humboldtstraße hielt stand.

Der Gemeindevorsteher Max Privorozki berichtete danach: "Wir haben in der Sicherheitskamera gesehen, dass ein Mann versucht hat, sich Zugang zu der Synagoge mit Hilfe von Waffen zu verschaffen. Er hatte ein Gewehr, hat Granaten geworfen, Molotow-Cocktails. Aber Gott sei Dank hat er es nicht geschafft, reinzukommen."

Synagogentür als Mahnmal

Die Tür zur Synagoge soll nun nach Beratungen mit Sicherheitsexperten ausgetauscht werden. Die jüdische Gemeinde will aber an das "Wunder" erinnern und die Tür als Mahnmal bewahren. Privorozki sagte, es gebe verschiedene Ideen, wo die Tür künftig sein solle. "Möglicherweise werden wir sie außerhalb der Synagoge in den Hof stellen, damit man – wenn man in die Synagoge kommt – sieht, wie uns diese Tür gerettet hat ", sagte er.

Tür der Synagoge in Halle Ein Mahnmal und Ort des Gedenkens

Blumen und Kerzen stehen neben der Tür zur Synagoge, vier Tage nach dem rechtsextremistischen Anschlag auf die Gemeinde
Hier in der Humboldtstraße in Halle, direkt neben dem jüdischen Friedhof, ist einer der Eingänge zu der Synagoge in Halle. Bildrechte: dpa
Blumen und Kerzen stehen neben der Tür zur Synagoge, vier Tage nach dem rechtsextremistischen Anschlag auf die Gemeinde
Hier in der Humboldtstraße in Halle, direkt neben dem jüdischen Friedhof, ist einer der Eingänge zu der Synagoge in Halle. Bildrechte: dpa
Die Tür der Synagoge in Halle weist Spuren von Beschuss auf
Die eher unscheinbare Holztür hat bei dem antisemitischen Mordanschlag eines Rechtsextremisten vielen Menschen das Leben gerettet. Bildrechte: dpa
Nach dem Angriff eines rechtsextremen Täters sind noch die Einschusslöcher auf einer Tür zur Synagoge zu sehen
Am 9. Oktober gegen 12 Uhr hatte der 27-jährige Attentäter versucht, in die Synagoge einzudringen und mit seinen selbstzusammengebauten Waffen die Tür aufzuschießen. Bildrechte: dpa
Blumen und Kerzen an der Synagoge in Halle.
Gemeindevorsteher Max Privorozki berichtete danach: "Wir haben in der Sicherheitskamera gesehen, dass ein Mann versucht hat, sich Zugang zu der Synagoge mit Hilfe von Waffen zu verschaffen. Er hatte ein Gewehr, hat Granaten geworfen, Molotow-Cocktails. Aber Gott sei Dank hat er es nicht geschafft, reinzukommen." Bildrechte: imago images / epd
Menschen versammeln sich vor der Sabbat-Feier vor der Synagoge in Halle
Zu dem Zeitpunkt des Angriffs hatten sich etwas 50 Gläubige in der Synagoge aufgehalten, um den höchsten jüdischen Feiertag, Jom Kippur, zur feiern. Bildrechte: dpa
Menschen legen an der Mauer der Synagoge Blumen und Kerzen nieder.
Als der Attentäter es nicht geschafft hatte, in die Synagoge einzudringen, erschoss er auf der Straße eine Passantin und in der nahe gelegenen Ludwig-Wucherer-Straße in einem Döner-Imbiss einen Gast. Auf seiner Flucht verletzte der Schütze später auch ein Ehepaar schwer. Bildrechte: dpa
Reiner Haseloff (CDU), Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, treffen sich mit Vertretern der jüdischen Gemeinde an der Synagoge.
Die Tür zur Synagoge soll nach Beratungen mit Sicherheitsexperten ausgetauscht werden. Die jüdische Gemeinde will aber die Holztür erhalten, jedoch nicht an derselben Stelle wie bisher. Bildrechte: dpa
Horst Seehofer (CSU), Bundesinnenminister, und Holger Stahlknecht (CDU), Innenminister von Sachsen-Anhalt, besuchen den Tatort an der Synagoge und treffen sich mit Vertretern der jüdischen Gemeinde.
Es gebe verschiedene Ideen, wo die Tür künftig stehen könnte, sagte der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Max Privorozki. "Möglicherweise werden wir sie außerhalb der Synagoge in den Hof stellen, damit man, wenn man in die Synagoge kommt, sieht, wie uns diese Tür gerettet hat." Bildrechte: dpa
Die Synagoge der Jüdischen Gemeinde Halle/Saale (Sachsen-Anhalt)
Möglicherweise könnte die Tür auch in der Stadt stehen, so Privorozki weiter. "Wir haben das noch nicht entschieden", sagte Privorozki. Dies werde voraussichtlich im Dezember auf der ordentlichen Repräsentantenversammlung der Gemeinde geschehen. "Die Tür wird nicht weggeschmissen", betonte der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde. Bildrechte: dpa
Der Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Friedrich Kramer, zündet nach dem Gottesdienst in der Kirche eine Kerze an.
Bei einem Gedenkgottesdienst für die Opfer des Anschlags am Montag, den 14. Oktober, sagte der Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland Friedrich Kramer... Bildrechte: imago images / epd
Flyer
... "Die Tür hat gehalten - das ist das Wunder von Halle. Doch zwei Menschen mussten sterben – das ist die Wunde von Halle." Bildrechte: imago images / epd
Torbogen der Synagoge in Halle, 2000
In Halle gibt es schon ein ähnliches Mahnmal am Jerusalemer Platz. Ein Torbogen erinnert an die ehemalige jüdische Synagoge in der Großen Brauhausstraße. Bei den Novemberpogromen, in der sogenannten "Reichskristallnacht" in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938, wurde die Synagoge niedergebrannt. Bildrechte: imago images / Rolf Zöllner
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Möglicherweise werde die Tür auch in der Stadt stehen. "Wir haben das noch nicht entschieden." Dies werde voraussichtlich im Dezember auf der Repräsentantenversammlung der Gemeinde geschehen.

"Das Wunder und die Wunde von Halle"

Eins steht aber für ihn fest: "Die Tür wird nicht weggeschmissen", betonte der Vorsitzende. "Für mich ist die Tür wirklich heilig, weil sie uns wirklich gerettet hat", so Privorozki weiter. "Das ist wirklich ein Wunder." Auch aus Sicht des Landesbischofs der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Friedrich Kramer, hat die Tür am 9. Oktober Schlimmeres verhindert. Bei einem Gedenkgottesdienst für die Opfer des Anschlags am vergangenen Montag sagte er: "Die Tür hat gehalten – das ist das Wunder von Halle. Doch zwei Menschen mussten sterben – das ist die Wunde von Halle."

Zwei Menschen erschossen und zwei verletzt

Als der Angreifer daran scheiterte, in die Synagoge einzudringen, erschoss er eine 40-jährige Passantin und kurz darauf einen 20 Jahre alten Mann in einem nahe gelegenen Döner-Imbiss. Auf der Flucht verletzte er ein Ehepaar schwer. Der 27-jährige Deutsche hat die Tat aus antisemitischen und rechtsextremen Motiven gestanden. Er sitzt in Untersuchungshaft.

Nach Angaben von Max Privorozki gibt die jüdische Gemeinde für die Sicherheit zwischen 7.000 und 10.000 Euro jährlich aus. Vor einigen Jahren sei für etwa 30.000 Euro mit der Tür zur Synagoge ein System mit Videoanlage installiert worden. Dafür habe es Unterstützung aus Israel gegeben.

Quelle: MDR,dpa/mp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 17. Oktober 2019 | 10:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Oktober 2019, 12:40 Uhr

11 Kommentare

Bernd L. vor 4 Wochen

Faklt, ihr Beitrag enthält einen (Freudschen) Schreibfehler: Es war kein rechter Täter, sondern ein rechtsextrmer Täter, ein Nazi. Ich hoffe, Sie erkennen den feinen, aber wichtigen Unterschied.

Eulenspiegel vor 4 Wochen

Also ich denke sie können frei darüber entscheiden wo sie ihre Blumen hinlegen oder hinlegen würden. Und genau so frei kann jeder andere Bürger darüber entscheiden wo er seine Blumen hinlegt. Vielteich haben ja auch die meisten ihre Blumen an beiden Orten abgelegt. An beiden Orten wurden jedenfalls sehr viele Blumen abgelegt.

L.E. vor 4 Wochen

Im Jahre 2019 muss man leider wieder konstatieren, dass das menschenverachtende Nazi-Gedankengut immer wieder aufkeimt. 2 unbeteiligte Menschen, die gerade in der Nähe waren , wurde das Leben ausgelöscht und nur der Stabilität einer Tür ist es zu verdanken, dass der Mörder von Halle seinen grausamen Massaker- Plan nicht in die Tat umsetzen konnte. Ist es nicht schlimm, dass man nach fast einem dreiviertel Jahrhundert nach Ende der Nazi-Diktatur jüdische Glaubenseinrichtungen unter Polizeischutz stellen muss???!!!
Ein wichtiger Schlüssel, Nazi-Gedankengut in der Jugend nicht erst aufkeimen zu lassen, liegt i. d. frühen Bildung. Die Aufarbeitung d. Verbrechen der Nazidiktatur gegen jüdische Menschen muss mehr als bisher in den Unterricht einfließen. Frühe Auseinandersetzung mit dieser Diktatur und der begleitete Besuch der Massenvernichtungslager der Nazis müssten m.E. obligatorischer Unterricht in den Schulen sein. Antisemitismus muss so früh wie möglich bekämpft werden.

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