#miteinanderstark Sorge wegen Coronavirus: Mehr Anrufer bei Telefonseelsorge

Das Coronavirus und die aktuelle Lage sorgen für Unsicherheit, die eingeschränkten sozialen Kontakte machen manche Menschen einsam. Die Telefonseelsorge in Halle bekommt mehr Anrufe als sonst. Welche Fragen aufkommen und wie die Mitarbeiter helfen.

Eine Frau steht vor einem Fenster und telefoniert.
Wegen des Coronavirus wenden sich mehr Menschen an die Telefonseelsorge. (Symbolbild) Bildrechte: MDR/imago/Pressedienst Nord

24 Stunden am Tag betreuen bei der Telefonseelsorge geschulte Mitarbeiter anonym und kostenfrei Anrufer mit Sorgen. Das Coronavirus verunsichert viele Menschen – das macht sich auch durch gestiegene Anrufzahlen bei der Telefonseelsorge bemerkbar.

Bei der Telefonseelsorge in Halle gehen derzeit etwa 50 Anrufe pro Tag ein. Das ist ein Drittel mehr als in den beiden Vormonaten Januar und Februar. Oft drehten sich die Anrufe um das Coronavirus, sagt die Stellenleiterin der Telefonseelsorge Halle, Dorothee Herfurth-Rogge.

Ehemalige Telefonseelsorge-Mitarbeiter wieder eingestiegen

Seit Anfang März sei das Virus vermehrt Thema bei Anrufern, erzählt Herfurth-Rogge MDR SACHSEN-ANHALT. Seither gebe es sowohl mehr Anrufe zum Virus als auch allgemein mehr Anrufer bei der Telefonseelsorge. Bisher sei das von den Mitarbeitern der Telefonseelsorge Halle aber gut zu stemmen. Nur wenige Mitarbeiter seien in Quarantäne und einige ehemalige Mitarbeiter seien wieder dazugestoßen. "Ich erlebe eine große Solidarität", sagt Herfurth-Rogge.

Alle Telefonseelsorger arbeiten ehrenamtlich – allerdings nicht im Home Office. "Von Zuhause arbeiten geht bei der Telefonseelsorge nicht. Wir brauchen einen geschützten Raum für die Beratung." Das funktioniere nicht zwischen Kochtöpfen und dem eigenen Hund. Auch technisch sei die Umleitung der Anrufe auf private Telefone nicht möglich.

Einsamkeit und Angst – und eingeschränkte soziale Kontakte

Wenn es bei den Anrufen um Corona geht, kommen laut Herfurth-Rogge zwei Dinge immer wieder vor: das Erleben von Einsamkeit, die sich plötzlich sehr bemerkbar mache, da man wegen des Virus nicht mehr rausgehen könne. Und Ängste: Angst, dass sich die Eltern anstecken könnten, Angst, sich selbst anzustecken oder Angst davor, wie es nun weitergehen solle.

Das Schwierige im Moment: "Bei Angst und Einsamkeit helfen eigentlich soziale Kontakte", erklärt Herfurth-Rogge. "Aber gerade persönliche soziale Kontakte müssen jetzt eingeschränkt werden." Denn durch Social Distancing, also körperliches Auf-Abstand-Gehen, soll die Ausbreitung des Virus verlangsamt werden.

Zuhören hilft

Welche Tipps geben Telefonseelsorger den Anrufern, die sich einsam fühlen oder Angst haben? "Was eigentlich immer hilft, ist Zuhören", sagt Herfurth-Rogge. Denn wer erzählt, könne den Druck im Kopf, im Körper ablassen und sich dadurch entlasten.

Wer ins Reden komme, entwickele dabei außerdem oft selbst Ideen, was ihm oder ihr helfen könnte. Das können laut Herfurth-Rogge wiederentdeckte Interessen oder Hobbies sein oder Pläne, wie man mit anderen in Kontakt kommen kann, ohne sich gegenüber zu sitzen. Auch Tagebuchschreiben sei eine Möglichkeit.

Besondere Sorgen macht sich Herfurth-Rogge derzeit um Menschen, die psychisch erkrankt sind. Denn Begegnungsstätten in Halle hätten nun geschlossen, einige Gruppentherapiesitzungen seien abgesagt worden. Krisenzeiten seien für jeden eine besondere Belastung für das Seelenleben. "Wer schon vorher sehr angespannt war, bei dem könnte nun etwas aufbrechen."

Keine körperliche Nähe, aber trotzdem in Kontakt

Ein junger Mann sitzt vor einem Laptop und telefoniert dabei.
Auch im Home Office können Mittagspausen gemeinsam verbracht werden – per Telefon. (Symbolbild) Bildrechte: imago images / Westend61

Nicht nur Anrufer der Telefonseelsorge, sondern jeder solle in unsicheren Zeiten für sich selbst sorgen und achtsam sein, meint Herfurth-Rogge. Grundsätzlich gelte es, Normalität ohne körperlichen Kontakt aufrecht zu erhalten. Auch auf digitalem Weg könne man sich austauschen, etwa durch Telefonieren, Skypen, Chatten. Im Home Office könne man sich beispielsweise mit Kollegen zu einer gemeinsam am Telefon verbrachten Mittagspause verabreden. "Vielleicht lernen wir aus dieser Krise ja, wieder mehr Nähe zueinander herzustellen", sagt Herfurth-Rogge.

Kontakt zur Telefonseelsorge

Unter den Nummern 0800/1110 111 oder 0800/1110 222 ist die Telefonseelsorge in ganz Deutschland rund um die Uhr und kostenlos zu erreichen, auch an Wochenenden.

Hier ist die Mail- und Chatberatung zu erreichen.

Newsletter: Das Corona-Daten-Update

Wir starten am Montag, 23. März mit einem neuen Newsletter: Ihr Update zur Corona-Lage in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen: Was am Tag wichtig war, was für Sie morgen wichtig wird – täglich 20 Uhr. Hier geht es zur Anmeldung.

Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 20. März 2020 | 08:30 Uhr

1 Kommentar

1.Petrus3.15 vor 16 Wochen

Ich bin gestolpert über einige Sätze, die nicht ganz zutreffend sind:
>Alle ..- arbeiten ehrenamtlich - allerdings nicht im Home Office. "Von Zuause arbeiten geht bei TS nicht. Wir brauchen einen geschützten Raum für die Beratung. .. technisch sei die Umleitung der Anrufe auf private Telefone nicht möglich.
<
Es gibt sicher eine ganze Reihe ehrenamtlicher Telefonseelsorger, die Zuhause über einen vergleichbar geschützten Raum verfügen, wie sie die Dienststellen bieten, und die bereit wären, in Ausnahmefällen wie z.B. der Corona-Krise, Dienst von Zuhause zu machen, um das Angebot aufrecht zu erhalten oder um das Angebot dem gestiegenen Bedarf anzupassen - bei gleichzeitigem Selbstschutz. Eine Umleitung der Anrufe auf private Telefone ist nicht sinnvoll und auch gar nicht nötig. Es reicht, solchen Mitarbeitern (preiswerte) Mobiltelefone mit entsprechenden Simkarten auszuhändigen, mit denen sie sich wie aus dem Dienstzimmer bei den ACD-Servern anmelden. Siehe Flächenländer wie Schweden!

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