Kunstrasen für Turbine Halle Ein Fußballplatz mit ganz vielen Paten

Während die ganze Welt die Fußball-Weltmeisterschaft feiert, hat Turbine Halle einen anderen Grund zum Jubeln. Nach vier Jahren engagierter Vereinsarbeit weihen die Turbine-Fußballer einen neuen Kunstrasenplatz ein.

von Annett Krake, MDR SACHSEN-ANHALT

Kunstrasenplatz des Fußballvereins Turbine Halle
Der neue Fußballplatz mit Kunstrasen von Turbine Halle gehört ganz vielen Paten, die gemeinschaftlich das Startkapital gesammelt haben. Bildrechte: MDR/Annett Krake

In Stadtviertel Giebichenstein in Halle, hoch oben auf dem Lehmannsfelsen, sitzt der Fußballverein Turbine Halle. Die Vereinssportler haben ein Kunstrasenprojekt realisiert, das vor Kreativität strotzt, an den Nerven zerrte und Durchhaltevermögen abverlangte.

Der Fußballverein Turbine Halle wurde 1950 gegründet und sorgte gleich zwei Jahre später für Erstaunen. Die Jungs in blau-weißen Trikots gewannen damals die DDR-Oberliga-Meisterschaft in Erfurt. Von tausenden Fans umjubelt, brachten sie den Meistertitel 1952 an die Saale. In der Vereinschronik ist zu lesen, dass die vor Erfolg taumelnde Mannschaft, mit drei Wochen Ostseeurlaub und einem neuen Anzug belohnt wurde.

Geniale Idee von Giebichenstein

Burg Giebichenstein in Halle an der Saale
Wo die Burg Giebichenstein hervorragt, ist auch der neue Kunstrasenplatz des Fußballvereins Turbine Halle Zuhause. Bildrechte: IMAGO

Und genau das wäre auch am 20. Juni 2018 angebracht. Sich im guten Jackett zur Turbine-Spielstätte aufzumachen, um den Fußballern Sven Ziegler, Daniel Wurbs, Detlef Thürkow und Peter Reinke allergrößten Respekt zu erweisen. Sie sind die Strippenzieher des Projekts "Kunstrasenpatenschaft". Sie haben an einem Abend in 2014 zusammen gesessen bei einem Kasten Bier und die Idee entwickelt, den über sechzig Jahre alten Schotterplatz in einen Kunstrasenplatz zu verwandeln. Von da an haben sie das Projekt ehrenamtlich in die Hand genommen.

Die Vorleistung von knapp 100.000 Euro sammelte Turbine innerhalb von zwei Jahren zusammen. Diese Summe muss jeder Verein erbringen, wenn die Gesamtsumme eines Bauprojekts so hoch ist, wie die des Kunstrasens – circa 630.000 Euro.

Um das Geld zu sammeln, kamen die Fußballer auf eine Idee, die sich als genial erwies. Den zukünftigen Kunstrasenplatz haben sie virtuell zerteilt und digital veräußert. Und so griffen 846 Privatpersonen und Firmen ins Portemonnaie und erwarben Pixel für Pixel die Fläche des neuen Kunstrasens.

Unterstützung vom Land

Holger Stahlknecht
Holger Stahlknecht, Minister für Inneres und Sport Bildrechte: IMAGO

Stadt und Land unterstützten das Projekt. Minister für Inneres und Sport, Holger Stahlknecht, hat im Juli 2017 persönlich den Fördermittelbescheid auf dem Lehmannsfelsen überreicht. Zügig gingen Ausschreibungen an Baufirmen raus – die Felsenkicker hatten einen straffen Zeitplan im Blick. Der Weg, von der Idee bis zur Eröffnung, glich einem imposanten Spiel, bei dem die Macher zwischendurch auch schon mal mit gesenktem Kopf vom Spielfeld gingen.

Von Steinwüste zu modernem Kunstrasen

Zwei Monate nach der Übergabe des Fördermittelbescheids befuhr die erste Planierraupe im September 2017 die veraltete Steinwüste. Drainagerohre wurden verlegt, die Rigole angelegt, neue Wege gepflastert. Auch die Flutlichtanlage wurde saniert.

Erst mit der Frühlingssonne fuhren die Baufahrzeuge wieder am Lehmanssfelsen. Im April 2018 konnte endlich der Kunstrasen verlegt werden. Mit dem Einsetzen der Linien, dem Besanden des Platzes und der Auffüllung des Granulats ist der älteste Schotterplatz der Kommune endgültig unter dem modernsten Kunstrasen der Händelstadt begraben worden.

Eröffnung nach vier langen Jahren

Vier Jahre lang, haben eine handvoll Sportler Kraft und Zeit in ein Projekt investiert, das wie wie 1952 für Freudenjubel und anerkennendes Schulterklopfen sorgt. Der Kunstrasenplatz geht als weiterer Meilenstein in die Geschichte des Vereins vom Lehmannsfelsen. Von nun an können fußballbegeisterte Kinder und Jugendliche bei Wind und Wetter kicken.

Am 20. Juni ist der Kunstrasenplatz feierlich eröffnet worden. Mit einem Kleinfeldturnier, der dazugehörigen Bratwurst und dem einen oder anderen Kaltgetränk. Die hallesche Band "Venus in Furs" gab ein exklusives Konzert.

Der Baumarathon wird schnell vergessen sein. Was bleibt ist ein Verein, der sich nicht nur durch seine exquisite Lage auszeichnet, sondern bei dem auch Fußballer zu finden sind, die in vielerlei Hinsicht in der Oberliga spielen.

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Quelle: MDR/pat

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 20. Juni 2018 | 07:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Juni 2018, 21:03 Uhr

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