Wegen Reise-Rückkehrern und dem Infektionsgeschehen an Schulen Ungewöhnlich viele neue Corona-Fälle in Halle und Dessau-Roßlau

In Halle und Dessau-Roßlau gibt es für Sachsen-Anhalt ungewöhnlich viele Neu-Infizierte mit dem Coronavirus. Ein großer Teil des Infektionsgeschehens steht im Zusammenhang mit Reisen und Schulen. 15 Infizierte in Halle gehen allein auf eine Busreise zurück. In Dessau-Roßlau sind zwei Schulen geschlossen.

Ein Reisebus auf der Straße.
In Halle stehen allein 15 Infizierte der letzten Woche im Zusammenhang mit einer Busreise. (Symbolbild) Bildrechte: imago images / Arnulf Hettrich

Die Corona-Infektionszahlen sind überall in Sachsen-Anhalt verhältnismäßig gering. Nur in Halle und Dessau-Roßlau sind sie ungewöhnlich hoch. Während in ganz Sachsen-Anhalt die 7-Tages-Inzidenz unter 10 liegt, hat Halle laut Robert Koch-Institut (RKI) aktuell einen Wert von 24,3 und Dessau-Roßlau einen Wert von 21,2 – eine klare Differenz. Nach den Zahlen der Stadt Halle, in dem Fall aktueller als die des RKI, beträgt die 7-Tages-Inzidenz von Halle aktuell sogar 27,03.

Was ist die 7-Tages-Inzidenz?

Der Wert der 7-Tages-Inzidenz gibt an, wie viele neue Corona-Infizierte je 100.000 Einwohner es in sieben Tagen gibt. So lässt sich nachvollziehen, wie sich das Infektionsgeschehen entwickelt. Für die 7-Tages-Inzidenz gibt es zwei Schwellenwerte. Der erste liegt bei 35, der zweite bei 50. Was passiert, wenn eine Region die Werte erreicht, entscheiden das Robert Koch-Institut und Politikerinnen und Politiker. Während der Schwellenwert von 35 eher eine Art Warnwert ist, können ab dem Wert von 50 Politikerinnen und Politiker Maßnahmen ergreifen.

Aber warum gibt es in Halle und Dessau-Roßlau für Sachsen-Anhalt so ungewöhnlich viele Corona-Infektionen? Täglich veröffentlicht die Stadt Halle Informationen zu den Neuinfizierten und erklärt, in welchen Zusammenhängen sie stehen. Dabei fällt auf, dass viele der Infizierten auf Reisen waren. Ein anderer großer Teil hat sich offenbar in der Schule oder bei Schulfreundinnen und Schulfreunden infiziert.

Fünfzehn Neuinfektionen in Halle im Zusammenhang mit Busreise

So gehen allein fünfzehn Neu-Infektionen der letzten Woche auf eine einzelne Busreisegruppe zurück, die im Schwarzwald war. Andere infizierte Reisende waren zum Beispiel in Polen, Usbekistan und der Türkei unterwegs.

Mehrere Infektionsketten in Halle reichen auch in unterschiedliche Schulen hinein. Das betrifft zum Beispiel die Kooperative Gesamtschule Wilhelm von Humboldt, in der die Jahrgangsstufe 10 und eine neunte Klasse unter Quarantäne stehen. Auch in der Sekundarschule August Herrmann Francke und dem Christian Wolff Gymnasium sind einzelne Klassen unter Quarantäne.

Mehrere Infizierte stehen auch im Zusammenhang mit der Albertinen-Wohnanlage und dem Eltern-Kind-Zentrum Tabaluga in Halle.

Zwei Schulen in Roßlau geschlossen

Auch die Stadt Dessau-Roßlau informiert regelmäßig über das Infektionsgeschehen und darüber, wie die neuen Fälle einzuordnen sind. Ähnlich wie in Halle stehen auch in Dessau-Roßlau viele Infizierte im Zusammenhang mit dem Infektionsgeschehen an Schulen.

Zwei Roßlauer Schulen mussten am Montag geschlossen werden: die Grundschule Waldstraße und die Sekundarschule "An der Biethe". Weil auch Teile des Lehrpersonals in Quarantäne musste, hätten nicht alle Schüler unterrichtet werden können. Sollte das Lehrpersonal negative Testergebnisse haben, kann am Mittwoch wieder Unterricht stattfinden.

Halle und Dessau-Roßlau noch weit entfernt vom Grenzwert

Der Grenzwert, ab der ein Gebiet als Corona-Hotspot gilt, sind 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in sieben Tagen. Wenn diese sogenannte 7-Tages-Inzidenz über 50 liegt, müssen Politikerinnen und Politiker sich überlegen, ob sie weitere Einschränkungen wie zum Beispiel eine Ausgangssperre geltend machen.

In Deutschland überschreiten vor allem Großstädte diesen Wert. So liegt die 7-Tages-Inzidenz in Bremen aktuell bei 79,5, in Köln bei 66,3 und in Berlin-Neukölln sogar bei 142,3. Die Kreise und kreisfreien Städte in Sachsen-Anhalt, selbst Halle und Dessau-Roßlau, sind von 7-Tages-Inzidenzen wie in Bremen oder Berlin-Neukölln meilenweit entfernt.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff sagt am Dienstag, Sachsen-Anhalt habe die Zahlen im Griff. Es gebe quasi keine neuen Infektionsketten und viele der Neu-Infizierten seien aufgrund der Nachverfolgung von Infektionsketten schon in Quarantäne gewesen.

Quelle: MDR/aso

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 13. Oktober 2020 | 17:00 Uhr

4 Kommentare

Grosser Klaus vor 1 Wochen

Die Menschen werden nun schon seit Monaten unter subtilem Dauerstress gehalten. Die Möglichkeiten, eine Auszeit zu nehmen und Abwechslung zu erleben werden Schritt für Schritt beschnitten. Im Sommer waren Auslandsurlaube unerwünscht, nun werden sogar die innerdeutschen Reisen eingeschränkt. Warum erkennen die Politiker nicht, dass sie mit diesen Maßnahmen der psychischen Gesundheit breitester Bevölkerungsschichten nachhaltig schaden? Zu all den Maßnahmen kommen dann noch pessimistische und vollkommen perspektivlose Aussagen und Androhungen von weiteren Maßnahmen. Wenn die Politiker Gesundheitsvorsorge ernst nehmen würden, sollten sie auch dafür sorgen, dass die Stimmung und Befindlichkeit der Bevölkerung nicht vollkommen kippt. Denn eine erschöpfte Bevölkerung wird auch weniger widerstandsfähig gegen den Virus sein.

Grosser Klaus vor 1 Wochen

Bei der Diskussion um Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen muss beachtet werden, dass wir in Deutschland ungefähr 9 000 Tote zu beklagen haben bei deren Todesursache auch eine Coronainfektion festgestellt wurde, bei einer Bevölkerung von 83 000 000 Menschen.
Die Angst blockiert aber und mir fällt da nur der Titel des Fassbinderfilmes ein: Angst essen Seele auf.
Wir müssen aufpassen, nicht in eine Spirale von Angst, Maßnahmen, Verbote und gegenseitiger Angriffe zu verfallen.

Arbeitende Rentnerin vor 1 Wochen

Dann sollte man doch endlich die Auslandsreisen verbieten, auch den Grenzverkehr zu Tschechien, stattdessen opfert man lieber die Bildung der Kinder, das ist ein Schaden, der nur schwer wieder gutzumachen ist, wahrscheinlich gar nicht, ist die Vergnügungssucht einiger das wirklich wert?

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