Die Angeklagten mit ihren Verteidigern
Die angeklagte Apothekerin und ihr Sohn wurden am Donnerstag am Langdericht in Halle verurteilt. (Archivbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Betrugsprozess in Halle Ex-Apothekerin muss wegen manipulierter Rezepte hinter Gitter

Weil sie Rezepte gefälscht und bei den Krankenkassen abgerechnet hatte, muss eine frühere Apothekerin aus dem Burgenlandkreis ins Gefängnis. Ihr mitangeklagter Sohn – ebenfalls Ex-Apotheker – bekam eine Bewährungsstrafe. Zusammen hatten sie die Krankenkassen um 650.000 Euro geprellt.

Die Angeklagten mit ihren Verteidigern
Die angeklagte Apothekerin und ihr Sohn wurden am Donnerstag am Langdericht in Halle verurteilt. (Archivbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wegen Rezeptbetrugs im großen Stil muss eine ehemalige Apothekerin aus Hohenmölsen im Burgenlandkreis für zwei Jahren und zehn Monate ins Gefängnis. Zu dieser Strafe ist die 64-Jährige am Donnerstag am Landgericht Halle verurteilt worden. Die Frau wurde schuldig gesprochen, Rezepte manipuliert und dadurch von Krankenkassen 650.000 Euro erschlichen zu haben.

Ihr mitangeklagter Sohn, der ebenfalls Apotheker war, wurde zu einem Jahr und acht Monaten auf Bewährung verurteilt. Der Richter sah es aber als erwiesen an, dass die Mutter die Initiatorin des Betrugs war. Sie habe mit hoher krimineller Energie ein System etabliert, in das ihr 37-Jähriger Sohn verstrickt worden sei.

Vorwürfe zum Prozessauftakt gestanden

Das Urteil fiel am dritten Tag der Verhandlung. Bereits beim Auftakt am vergangenen Freitag hatten beide Angeklagten die Vorwürfe gestanden, wodurch der Prozess erheblich verkürzt wurde.

Wie ein Reporter von MDR SACHSEN-ANHALT berichtete, gaben die Angeklagten zu, zwischen 2008 und 2012 in mindesten 171 Fällen Rezepte gefälscht zu haben. Hierfür hätten sie zusätzliche nicht verschriebene Medikamente auf die Rezepte geschrieben und bei den Krankenkassen abgerechnet. Als Grund gaben sie vor Gericht finanzielle Probleme der Apotheke an.

Angeklagte in Privatinsolvenz

Die Angeklagte war dem Gericht zufolge bis 2010 Inhaberin des Geschäfts. Ihr Sohn habe die Manipulation der Rezepte nach der Übernahme fortgesetzt. Die Täter seien mittlerweile keine Apotheker mehr und befänden sich beide in einer Privatinsolvenz. Das Verhältnis zwischen Mutter und Sohn sei zerrüttet.

Auf den Betrug aufmerksam geworden war eine der geschädigten Krankenkassen bei einer Routinekontrolle. Danach hatten auch weitere Krankenkassen Anzeige erstattet.

Quelle: MDR/cw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 30. August 2018 | 12:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. August 2018, 15:00 Uhr

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2 Kommentare

30.08.2018 23:26 Beobachter 2

Wenn ich richtig zugehört habe, wurde Berufsunfähigkeitsrente gezahlt und keine Erwerbsminderungsrente. Vermutlich wird oder wurde vom Versorgungswerk der Apotheker gezahlt. Voraussetzung ist die Unfähigkeit, den Beruf des Apothekers aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben zu können. Nicht der mögliche Entzug der Apothekerzulassung und nicht Insolvenz.

30.08.2018 16:14 Leser 1

Und nun bekommen beide Erwerbsminderungsrente. Das ist doch zum Heulen.