Eventlocation "Schorre" in Halle wird vorerst nicht abgerissen

Sind die Partys in der "Schorre" bald Geschichte? Geht es nach dem neuen Investor, soll das Gebäude abgerissen werden. Wie es zuletzt aus dem Stadtrat in Halle hieß, gibt es dafür aber vorerst keine Genehmigung.

Ein beiges Gebäude mit tanzenden Figuren auf dem Dach.
Nirvana, Rammstein, die Toten Hosen – in der Schorre traten die Größen der Musikwelt auf. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla

Die "Schorre" in Halle bleibt vorerst von der Abrissbirne verschont. Nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT wurde in der letzten Stadtratssitzung bekannt, dass es für einen möglichen Abriss des Veranstaltungshauses vorerst keine Genehmigung geben wird. Der Grund: Die Unterlagen dafür sind nicht vollständig. Ein Investor will das Gebäude abreißen, um auf dem Grundstück Wohnungen für betreutes Wohnen zu bauen.

Schicksal vieler Diskotheken

Für Schorre-Eventplaner Denny Schmidt ist klar: Wohnungen bringen heutzutage mehr Geld ein als Großraumdiskotheken. Deshalb sei es für den Investor lukrativer, altersgerechtes Wohnen zu schaffen. Darin und in dem veränderten Ausgehverhalten der Leute sieht Schmidt eine Problematik, die viele Veranstalter betrifft.

Denny Schmidt, Eventplaner in der Schorre in Halle
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Weggehverhalten ist einfach anders geworden. Mittlerweile sitzen die Leute lieber in Cafés oder treffen sich auf Privatpartys.

Denny Schmidt, Eventplaner in der Schorre

Das war früher anders: In den Neunzigern galt die Schorre als Kult-Partylocation. Künstler wie Nirvana, Rammstein und die Toten Hosen traten hier auf. Schmidt hat damals als 15-jähriger Kellner in der Schorre angefangen. Die Partystimmung nach der Wende beschreibt er als unvergleichlich.

Die Leute hatten Geld zum Weggehen. Es war unbeschwert trotz Wende. Es waren einfach Riesen-Partys hier.

Denny Schmidt, Eventplaner in der Schorre

Nun darf Schmidt noch bis Mai 2019 Partys in der Schorre organisieren. Wie es dann weiter geht, ist noch offen.

Kein Denkmalschutz

Zuletzt hatte sich die SPD für das traditionsreiche Tanz- und Konzerthaus stark gemacht. Sie sieht darin ein Ereignisdenkmal, nicht nur für Halle und die SPD, sondern für ganz Deutschland und die Demokratieentwicklung. Schließlich fand dort 1890 der Gründungsparteitag der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands statt. Allerdings steht das Haus nicht unter Denkmalschutz – dafür wurde es zu oft umgebaut.

Quelle: MDR/agz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 20. Dezember 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Dezember 2018, 20:53 Uhr

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2 Kommentare

21.12.2018 09:09 Dazu kann ich nur sagen... 2

...Gier frisst Hirn!
Für den Erhalt der Schorre!

20.12.2018 21:54 Ulrike Wendland 1

Doch, das Haus steht unter Denkmalschutz. Es ist konstituierender Bestandteil des Denkmalbereiches "Südliche Innenstadt". Für eine Zerstörung musse eine denkmalrechtliche Genehmigung bei der Unteren Denkmalschutzbehörde eingeholt werden. Da der Bauherr das Haus mit Denkmalschutz sehenden Auges erworben hat, kann er die Unzumutbarkeit des Erhaltes nicht geltend machen. Es können allerdings öffentliche Belange anderer Art ggf. stärker sein als der Denkmalschutz.
Dr. Ulrike Wendland, Landeskonservatorin

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