Abgasskandal "Wir nehmen Ihren Diesel zurück, Sie müssen aber 6.000 Euro zahlen"

Vor dem Landgericht Halle hat ein Mann aus Zörbig gegen Volkswagen geklagt und Recht bekommen. Er bekommt – sollte VW nicht in Berufung gehen – einen Großteil des Kaufpreises seines Autos zurückerstattet. Doch darüber, wie er von seinem Autohaus und VW behandelt wurde, ist er noch immer empört.

Ein Mann schaut in den Motorraum seines Autos
Jörg-Michael Meyer mit seinem 4. und letzten VW. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Wir nehmen das Auto zurück, Sie müssen aber noch 6.000 Euro dazu bezahlen" – das war die Aussage, die Jörg-Michael Meyer auf die Palme brachte. Er war treuer Volkswagen-Kunde, fuhr bereits seinen vierten VW. Dann kam der Dieselskandal. Sein Auto hatte er für vier Jahre finanziert, am Ende der vier Jahre wollte er es zurückgeben und nicht kaufen, weil er sich von der Schummel-Software betrogen fühlte. Sein Autohaus verlangte für die Rücknahme aber 6.000 Euro. "Das ist eine Frechheit", war Meyers Reaktion.

Ein Mann mit grauem Haar gibt ein Interview
Jörg-Michael Meyer kann kaum glauben, wie er und andere VW-Fahrer behandelt wurden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zu dem Zeitpunkt hatte er schon Klage beim Landgericht Halle gegen VW erhoben. Er kaufte jetzt seinen VW, "denn sonst wäre die Klage automatisch hinfällig gewesen, weil der Gegenstand nicht mehr da ist", erklärte Jörg-Michael Meyer MDR SACHSEN-ANHALT. Seine Freunde hielten ihn für verrückt – "du hast keine Chance, der Konzern ist zu groß", sagten sie zu ihm. Doch Meyer wollte den Kaufpreis zurück.

24.000 Euro für den Kläger

Nummernschilder und viele Dokumente liegen auf einem Tisch
Gutachten, Briefe vom Anwalt – eine monatelange Odyssee liegt hinter ihm. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das hallesche Landgericht, bei dem laut Gerichtssprecher hunderte Diesel-Klagen eingegangen sind, entschied für Meyer und gegen VW. Er soll den Kaufpreis wiederbekommen, eine Nutzungsentschädigung aber abgezogen werden. "Das kann ich nachvollziehen, ich habe das Auto auch vier Jahre gefahren mit 110.000 Kilometern. Das wird also vom Kaufpreis gegengerechnet." In Zahlen bedeutet das für ihn: Das Auto hatte einst 38.000 Euro gekostet. Abzüglich der Nutzungsentschädigung ist er nun bei ungefähr 24.000 Euro, die er theoretisch von VW zurückbekommt.

Wichtig für Betroffene Es kann nur noch bis Ende Dezember gegen Volkswagen geklagt werden, dann ist die Frist verjährt.

Bei den Urteilen vom Landgericht Halle gibt es laut Richter und Sprecher Wolfgang Ehm bisher keine einheitliche Linie. Einige Klagen wurden abgewiesen, anderen stattgegeben. Es gehe aber immer um den Vorwurf der "sittenwidrigen Schädigung".

Eine Frau gibt ein Interview
Diana Rocke von der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt mit Sitz in Halle berät betroffene Kunden und hat keine guten Erfahrungen mit Volkswagen gemacht. "In der Regel war es in der Vergangenheit so, dass VW keine Urteile gegen sich auf dem Papier haben wollte und dass VW in den meisten Fällen in Berufung gegangen ist", sagte Diana Rocke MDR SACHSEN-ANHALT. Oft sei es dann zu einem Vergleich gekommen, den VW den Klägern nach dem Urteil angeboten hat. "VW verhindert im Prinzip, dass Rechtsprechung gegen den Konzern auf dem Papier steht und rechtskräftig ist."

Der Prozess von Jörg-Michael Meyer, der in Zörbig lebt und in Halle arbeitet, lief etwa ein Jahr. Mit dem für ihn positiven Urteil sei sein Vertrauen in den Rechtsstaat wieder gestiegen, sagt er. "Die Diskussion ist ja weltweit. Man kann sich doch nicht so verschließen und sagen, wir in Europa werden anders behandelt vom Recht her als der Rest der Welt." Noch ist das Urteil aber nicht rechtskräftig, VW kann noch in Berufung gehen. Sollte das passieren, wollen Meyer und sein Anwalt zum Oberlandesgericht. Sein nächstes Auto ist auf jeden Fall kein VW.

"Dieselgate" Als VW im September 2015 in den USA mit seinem Diesel-Betrug aufflog, war das der Ausgangspunkt für "Dieselgate". Vor den Behörden in den USA gestand VW Betrug ein.

Mit einem "Cheat Device", einer Abschaltvorrichtung für die Abgasreinigung, hat man Behörden und Verbraucher an der Nase herumgeführt. Die Vorrichtung erkennt, wenn ein Auto auf einem Prüfstand auf Schadstoff-Emissionen getestet wird, und schaltet dann auf einen schadstoffarmen, aber den Motor stärker belastenden, Labormodus um.

Quelle: MDR/lk

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 12. Dezember 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Dezember 2018, 17:59 Uhr

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9 Kommentare

13.12.2018 20:05 Opelfahrer 9

@albi
Also echt, fast 30 Jahre nach der Wende würde ich nun gerade bei VW nicht mehr von einer Westfirma reden. Stelle dich ins Wolfsburger Werk und brülle „ Ossis raus“ und dann ist das Werk zur Hälfte leer.
Diese kriminelle Energie sitzt auch in den „ Ossis“.
Und zu diesem Zeitpunkt der Schummelsoftware und des Betruges kamen die höchsten Politiker bzw. Staatsämter aus dem Osten!!! Merkel und Gauck!
Und ich bin Ossi! Aber ich kenne beide Seiten,Osten und Westen. Und ich muss sagen, es gibt hier und dort A...Löcher.
Also bitte 30 Jahre nach der Wende nicht mehr pauschalisieren.
Einfach diese Betrügermarke nicht mehr kaufen und schon wird sich alles regeln.
Aber es gibt ja leider genug Trottel die weiterhin von diesem Konzern kaufen......

13.12.2018 18:09 Luftikus 8

@6 Jochen Schulze/ Wie definieren Sie denn den Unterschied zwischen Schmiergeld und Parteispenden? Die jeweiligen Zahler erwarten vom Empfänger eine Gegenleistung in Form von ihnen genehmen Handlungen(Gesetzen). Oder glauben Sie, die Millionen an die CDU wurden auf Grund der schicken Hosenanzüge von Mutti gezahlt? Eine Quelle unter vielen ist z.B. Lobby Control.

13.12.2018 11:24 Magdeburger 7

Nr.6,der Luftikus kann vielleicht 1 plus 1 zusammen zählen in unserer "heilen" Welt des globalisierten Kapitalismus...