Nach "Querdenken"-Demo in Leipzig Vorwurf wegen Handgreiflichkeiten: Kita-Erzieherin in Halle beurlaubt

Im Zusammenhang mit Ausschreitungen auf der Corona-Gegner-Demonstration "Querdenken" in Leipzig, ist eine Kita-Erzieherin aus Halle beurlaubt wurden. Sie war auf der Demo in Handgreiflichkeiten verwickelt, die in einem Video auf Twitter veröffentlicht worden waren. Die Volkssolidarität Saale-Kyffhäuser, der Arbeitgeber der Frau, lässt den Vorfall nun prüfen.

Nach der Demonstration der Stuttgarter Initiative „Querdenken“ stehen Teilnehmer Polizisten gegenüber.
Auf der "Querdenken"-Demo kam es am Sonnabend vermehrt zu gewaltsamen Ausschreitungen. Bildrechte: dpa

In Halle ist eine Kita-Erzieherin beurlaubt worden, weil sie in Handgreiflichkeiten am Rande der Querdenken-Demo in Leipzig verwickelt war. Das hat die Volkssolidarität Saale-Kyffhäuser, der Träger der Einrichtung, MDR SACHSEN-ANHALT bestätigt.  

Ein viel diskutiertes Video des Social-Media-Dienst Twitter zeigt die Kita-Erzieherin bei einer gewaltsamen Auseinandersetzung während der Anti-Corona-Maßnahmen-Demo am vergangenen Wochenende in Leipzig. Nach Angaben ihres Arbeitgebers schlug sie auf einen Fotografen ein. In einem weiteren Video sei zu sehen, dass dieser Fotograf zuvor körperlich den Lebenspartner der Erzieherin attackiert habe. Auf der Demonstration in Leipzig war es am Samstag vermehrt zu gewalttätigen Protesten gekommen. Dabei wurden Polizisten und auch zahlreiche Medienvertreter verletzt.

Eltern ergreifen Initiative und fordern Entlassung der Erzieherin

Eltern hatten den Kita-Träger, die Volkssolidarität Saale-Kyffhäuser, über das Video und den Vorfall informiert. Da die Erzieherin auf der Demo keine Maske trug, sehen die Eltern nun eine potenzielle Ansteckungsgefahr. Die betreffenden Eltern fordern die Entlassung der Frau, weil sie gegenüber den Kindern als schlechtes Vorbild diene.

Die Erzieherin wurde mittlerweile beurlaubt und eine Anwaltskanzlei mit der Klärung des Vorfalls beauftragt. Man werde die Vorwürfe gründlich prüfen, heißt es von der Volkssolidarität Saale-Kyffhäuser.

Im Falle des Fehlverhaltens der Frau wird arbeitsrechtlich gehandelt. Andererseits müssen wir der Fürsorgepflicht gegenüber unserer Mitarbeiterin gerecht werden und den Sachverhalt aufklären. Andernfalls laufen wir Gefahr in die Auseinandersetzung zwischen der extremen Rechten und extremen Linken hineingezogen werden.

Volkssolidarität Saale-Kyffhäuser

Die Erzieherin ist die Partnerin des Rechtsextremisten Sven Liebich. Dieser stand im Sommer vor Gericht, wegen Beleidigung, Verleumdung und Volksverhetzung in mehren Fällen. Dabei wurde er zu elf Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

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Quelle: MDR/mf

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 09. November 2020 | 10:00 Uhr

91 Kommentare

Gohrisch vor 2 Wochen

„ mit ihrer Teilnahme an der Demo jede fachliche Kompetenz zum Schutz der von ihr betreuten Kinder vermissen lässt„ Dürfen Erzieherinnen nicht zu einer angemeldeten Demo gehen???? Sind sie Menschen ohne demokratische Grundrechte? Entscheiden anders gläubige Eltern über die Neigungen der Erzieherinnen???? Das nenne ich Diktatur der fehlgeleiteten Eltern!!!

Stefan Der vor 2 Wochen

@Ines W.: Da sprechen Sie genau das Richtige an. Nicht die möglich Straftat ist hier ausschlaggebend, sondern die Teilnahme an so einem Event. Ich würde dem Arbeitgeber hier empfehlen einen Coronatest von der Mitarbeiterin zu verlangen. Sollte Sie ablehnen, ist kann eine ordentlich Kündigung ausgesprochen werden. Sie hat immerhin mit Ihrer Teilnahme und des Nichteinhaltens der vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen aktiv zur Verbreitung des Virus beigetragen und auch bei sich eine Ansteckung ermöglicht.

Stefan Der vor 2 Wochen

@emlo: Da muss ich Ihnen leider widersprechen. Selbst bei einer Verurteilung ist es für den Arbeitgeber nicht zulässig, dass er aus dem privaten Handeln der Mitarbeiterin Konsequenzen zieht. Die Hürden hierfür liegen sehr hoch. Und das ist gut so. Lediglich bei hoheitlichen Aufgaben hat der Dienstherr die Möglichkeit, bei privaten Verfehlungen, Disziplinarverfahren zu eröffnen, die auch zur Entlassung führen können. Rechtsstaat kann auch manchmal weh tun.

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