Neue Produktions-Anlage in Leuna Sachsen-Anhalt produziert Cannabis für ganz Deutschland

Derzeit wird Cannabis für medizinische Zwecke noch komplett aus dem Ausland importiert. Doch das ändert sich jetzt: Im Saalekreis entsteht eine Produktionsanlage. Dort sollen mehrere Tonnen Cannabis angebaut werden. Neue Arbeitsplätze entstehen.

In Sachsen-Anhalt wird demnächst Cannabis zu medizinischen Zwecken angebaut. In Leuna im Saalekreis entsteht eine entsprechende Produktionsanlage. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat der Firma Aurora Deutschland am Mittwoch den Zuschlag erteilt.

Wie die Firma mitteilte, beginnen die Bauarbeiten auf dem knapp 10.000 Quadratmeter großen Areal im Biochemiepark bereits Anfang Mai. Insgesamt wird Aurora nach eigenen Angaben einen etwa zweistelligen Millionenbetrag investieren und etwa 50 Arbeitsplätze schaffen.

Im Oktober 2020 soll die Versorgung von Patienten mit medizinischen Cannabis-Blüten und -Vollextrakten möglich sein. Derzeit wird Cannabis zu medizinischen Zwecken komplett aus dem Ausland importiert.

So viel Cannabis darf in Leuna angebaut werden

Aurora darf pro Jahr eine Tonne Cannabis anbauen – und zwar für einen Zeitraum von vier Jahren, insgesamt also vier Tonnen. Außerdem darf eine Firma aus Bad Bramstedt in Schleswig-Holstein im gleichen Zeitraum 0,8 Tonnen jährlich anbauen.

Karl Broich
Bildrechte: dpa

Die Zuschlagserteilung ist ein wichtiger Schritt für die Versorgung schwer kranker Patientinnen und Patienten mit in Deutschland angebautem Cannabis in pharmazeutischer Qualität.

Karl Broich, Präsident des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte

Seit März 2017 können sich Patienten in Deutschland medizinisches Cannabis regulär beim Arzt verschreiben lassen. Seither erlebt das Mittel einen Boom.

Mittel gegen Spastiken und chronische Schmerzen

Als Nutzpflanze wurde Cannabis, was nur ein anderer Name für Hanf ist, lange Zeit für Seile, Stoffe und als Heilpflanze genutzt, da es schmerzlindernde Wirkung hat. In der Moderne geriet dies in Vergessenheit.

Erst vor einigen Jahren entdeckte man, dass der Mensch körpereigene Cannabinoide besitzt, die ähnliche chemische Strukturen aufweisen wie Cannabinoide pflanzlicher Herkunft. Dadurch ist der Körper in der Lage, das CBD der Hanfpflanze aufzunehmen.

Dieser Wirkstoff kann nachweislich schmerzlindernd, beruhigend und entzündungshemmend wirken. Cannabis wird so etwa gegen Spastiken bei Multipler Sklerose oder chronischen Schmerzen eingesetzt.

Quelle: MDR/dg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Dsa Radio wie wir | 17. April 2019 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. April 2019, 18:36 Uhr

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4 Kommentare

18.04.2019 16:46 Johann 4

@2 Das wird ganz bestimmt dreifach und vierfach abgesichert.
Aber die "Bedürftigen" werden ganz sicher nicht bis Herbst 2020 warten. Cannabis lässt sich relativ einfach selbst anbauen. Im Keller, im Garten, auf dem Dachboden oder in einem kleinen Schrank im Schlafzimmer ...
... und genauso wird das schon immer und auch in Zukunft gemacht. Warum auch nicht?!
Der Ertrag der "Homegrower", das dürfen Sie gerne glauben, ist bereits jetzt um ein vielfaches höher als die knapp 8.000 kg, die man in Deutschland offiziell anbauen will.
Irgendwo müssen die ein bis zwei Tonnen, die am Tag in Deutschland ver(b)raucht werden ja herkommen ...

18.04.2019 12:51 Alexander Müller 3

Bundesregierung plante von Anfang an nur 2,5% der Patienten zu versorgen und damit den medizinischen Notstand der Patienten:
Israel hatte 2016 bereits 25000 kranke
Menschen mit Hanf behandelt bei einer Bevölkerung von 8.3Millionen
Einwohner .

Deutschland will 2022 laut Zahlen der
Bundesregierung im Jahr 2022 gerade mal 5500 Patienten versorgen bei
9,8mal höherer Bevölkerung. Somit wird die Bundesregierung nach
Israel Patienten Zahlen auf Deutschland umgerechnet, gerade mal 2,5%
der Patienten in Deutschland versorgen.

Zahlen der Bundesregierung dem Spiegel:
http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/cannabis-auf-rezept-grosse-erwartungen-viele-offene-fragen-a-1150237.html

Quelle Patienten zahl Israel
Deutschlandfunk:
http://www.deutschlandfunkkultur.de/marihuana-cannabis-fuer-kranke-israel-ist-der-vorreiter.1079.de.html?dram:article_id=356092)

18.04.2019 12:43 Leser 2

Oh, da muss das Gelände zum Hochsicherheitstrakt werden. Die "Bedürftigen" werden jetzt schon Pläne schmieden, wie sie an das Zeug kommen.