Mutmaßliche Ausreise nach Syrien Hat sich ein Mädchen aus Sangerhausen dem IS angeschlossen?

Mehrere hundert fanatisierte junge Deutsche kämpfen nach offiziellen Angaben derzeit in Syrien für die islamistische Terrorgruppe IS. In einigen deutschen Städten gibt es eine Szene gewaltbereiter Muslime, die diesen Kampf unterstützen und sogar bereit sind, dafür zu sterben. Auch ein junges Mädchen aus Sangerhausen im Süden Sachsen-Anhalts soll sich jetzt dem IS angeschlossen haben.

Ein 15-jähriges Mädchen aus Sangerhausen ist offenbar auf dem Weg nach Syrien zur Terrorgruppe "Islamischer Staat". Das bestätigte am Dienstagmorgen der Sprecher des Landeskriminalamtes, Andreas von Koß, MDR SACHSEN-ANHALT. Gemeinsam mit einer 18-Jährigen aus Erfurt sei das Mädchen am 6. März von Frankfurt (Main) aus in die Türkei geflogen. Von Koß sagte, dass es seit vergangenem Freitag Kontakte zu den Eltern des Sangerhäuser Mädchens, zu ihren Mitschülern und Lehrern gebe. Es gehe darum, soviel Hilfe wie möglich anzubieten.

Ihre 18-jährige Begleiterin aus Thüringen hatte das Mädchen offensichtlich im Internet kennengelernt.

Salafistische Mode hat sich als Jugendkultur etabliert. Ein junger Mann mit Bart trägt eine mit Schriftzeichen bestickte Basecap.
Sterben für Allah - Salafistische Mode als Jugendkultur Bildrechte: PHOENIX/HR

Nach Angaben des LKA-Sprechers bekommen die Jugendlichen viel mit, weil sie sich im Internet damit auseinandersetzen. Sie fänden Kontakte zu Gleichgesinnten über die sozialen Netzwerke. Dann würden sie weitervermittelt an sogenannte "Förderer". Das passiere alles so, dass Eltern nichts davon mitbekämen. Laut Koß habe sich auch die Minderjährige aus Sangerhausen in sozialen Netzwerken und geschlossenen Whats-App-Gruppen bewegt und radikalisiert.

In die Türkei könne man zum Beispiel mit dem Personalausweis reisen. Die Umstände, wie das Mädchen aus Sangerhausen gereist ist, sind laut von Koß noch unklar. Er befürchtet, dass deutsche Behörden nur wenig Einfluss darauf hätten, das Mädchen aus Syrien rauszuholen. Dazu komme, dass Frauen dort Burka tragen würden, man könne sie deshalb schwer identifizieren. Er gehe aber davon aus, dass die Bundesrepublik alles versuchen werde, die 15-Jährige zurückzuholen.

Nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT besucht das Mädchen die Thomas Müntzer-Sekundarschule in Sangerhausen. Die Schule erklärt sich das Verschwinden der Neuntklässlerin mit Familienproblemen. Die 15-Jährige ist an der Schule als "normales Mädchen" bekannt. Sie sei fleißig, beliebt und engagiert. Sie ist im Mansfelder Land geboren und aufgewachsen. Auch ihre Eltern kommen von dort.

Wir wissen, dass es in Sachsen-Anhalt kein klassisches Netzwerk von Dschihadisten gibt, die aktiv auf Werbung gehen. Das passiert im überwiegenden Fall tatsächlich über das Internet. Wie diese Kontakte zustande kommen, ist momentan noch Gegenstand der Ermittlungen.

Andreas von Koß, Sprecher des Landeskriminalamtes Sachsen-Anhalt

Ausreise von Minderjährigen

Erst am Montagnachmittag hatte das LKA Sachsen-Anhalt über die Ausreise junger Mädchen und Frauen aus Deutschland in Richtung Syrien und den Irak informiert. Ziel dieser Ausreise sei entweder die Heirat mit einem islamistischen Kämpfer oder aber selbst als Kämpferin aktiv zu werden.

650 Personen, darunter eine nicht unerhebliche Anzahl von Minderjährigen, sind nach Angaben des Landeskriminalamtes Sachsen-Anhalt bereits aus Deutschland ausgereist und haben sich den Islamisten in Syrien und im Irak angeschlossen.

Sachse stellt sich der Polizei

Es gibt immer wieder Jugendliche, die sich auf den Weg in den Irak oder nach Syrien machen, um sich terroristischen Organisationen anzuschließen. Ende Dezember 2014 hatte sich ein 21-Jähriger aus Dippoldiswalde in Sachsen der Polizei gestellt. Er war in die Türkei ausgereist und steht unter Verdacht, sich der Terrormiliz IS angeschlossen zu haben. Medienberichten zufolge hatten der Vater und der Bruder ihn zur Rückkehr nach Deutschland überredet. Mittlerweile ist der Jugendliche aus der Untersuchungshaft entlassen worden.

Mitte Januar verabschiedete die Bundesregierung einen Gesetzesentwurf, der gewaltbereiten Islamisten die Ausreise in Kampfgebiete etwa nach Syrien und den Irak erschweren soll. Am 6. März hat der Bundesrat darüber beraten. In Kraft getreten ist das Gesetz aber noch nicht.

Woran erkennt man eine beginnende Radikalisierung? • Veränderung des äußeren Erscheinungsbildes
• intensive Nutzung sozialer Netzwerke
• Änderung der Lebensweise; Ess- und Schlafgewohnheiten, bisherige Hobbys werden aufgegeben
• Aufbau eines neuen sozialen Umfeldes, beispielsweise werden alte Freunde als Ungläubige bezeichnet, Andersdenke kommen in die Hölle
• größere Bedeutung der Religion für das eigene Leben
• Beschäftigung mit islamistischen Inhalten
• Kritik anderer an der eigenen, neuen religiösen Überzeugung wird zunehmend aggressiv abgelehnt
• Aberkennung der Gleichberechtigung von Mann und Frau
• Antisemitismus wird propagiert
• das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung wird negiert
• Informationen zu Reisemöglichkeiten in die Türkei oder angrenzende Gebiete (z.B. Alleinreisen aber auch Pauschalreiseangebote für Minderjährige) werden im Internet gesucht Quelle: LKA Sachsen-Anhalt

Dschihadismus Die Anhänger des Dschihadismus, einer militanten extremistischen Strömung des Islamismus, propagieren den Aufbau und die Ausdehnung des Machtbereichs eines islamischen Staates mit dem Mittel der Gewalt. Das Konzept des Dschihad sieht es als eine religiöse Verpflichtung jedes Muslims an, den Islam im gewaltsamen Kampf gegen Ungläubige, also Anhänger anderer Religionen und Muslime abweichender Überzeugungen, zu verteidigen. Zu den Dschihadistischen Gruppierungen zählen neben der Terror-Organisation Islamischer Staat auch Gruppen wie al-Qaida oder Boko Haram.

Zuletzt aktualisiert: 18. März 2015, 12:35 Uhr

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40 Kommentare

20.03.2015 23:40 Was für ein Durcheinander... 40

36. Gerda: Sie haben mein volles Mitleid. Wer soviel so zusammenhanglos kompensieren muß, hat das verdient. Aber wirklich nur dafür.

20.03.2015 23:36 Oh Gott... 39

@38. horst: "nur die eltern die sowas betrifft die stehen weiterhin mit dem problem allein da" Sie haben tatsächlich und buchstäblich NICHTS verstanden. Die "Eltern stehen nicht mit dem Problem da" - sind sind daran beteiligt. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Das ist diesen Menschen möglicherweise nicht bewußt, aber das ändert am Wirkungsgefüge rein gar nichts. Es ist aber interessant, daß reflexartig alle Zusammenhänge mit der unzweifelhaft sehr "speziellen" und sozialwissenschaftlich sehr gut aufbereiteten DDR-Sozialisierung sofort und ohne weiteres Erwägen abgestritten und für absurd erklärt werden.
Das ist Menschen wie ihnen offenbar wichtiger als alles andere. Und am Ende ihres Kommentars kommt dann, was aus dieser Weltsicht mit tödlicher Gewissheit immer kommt: Das ungefähre Moralisieren.

19.03.2015 15:26 horst 38

so ein schwachsinn der fall ist jetzt in sah geschehen und schon wird die ddr in den raum geworfen wenn es jetzt in bayern oder niedersachsen passiert ist dann auch die ddr schuld
meines erachtens wird nirgentswo diskutiert nicht in ost oder west,der deutsche ist ein gewohnheitstier,es wird sich 5 bis 10min über etwas aufgeregt und dann gehts im normalen trott weiter und das thema hier ist auch bald wieder vergessen nur die eltern die sowas betrifft die stehen weiterhin mit dem problem allein da