Entenkacke
Enten und andere Vögel verrichten ihr Geschäft auf den "Seeterrassen" am Süßen See. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

#MDRklärt Badeverbot wegen Enten-Kot: Das Problem am Süßen See

An der Badestelle "Seeterrassen" am Süßen See sind Bakterien, sogenannte "Enterokokken" im Wasser nachgewiesen worden. Grund dafür ist der vermehrte Vogel-Kot durch Enten, Gänse und Co. Schuld könnten Besucher haben, die Vögel an dieser Badestelle füttern. Eine Erklärung, wie sich das Füttern auf die Umwelt auswirkt und wieso es deshalb unterlassen werden sollte.

Johanna Daher
Bildrechte: MDR/Marieke Polnik

von Johanna Daher, MDR SACHSEN-ANHALT

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Enten und andere Vögel verrichten ihr Geschäft auf den "Seeterrassen" am Süßen See. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Das ist ein menschengemachtes Problem", sagt Uwe Gajowski, während er an der Badestelle "Seeterrassen" am Süßen See steht. Neben ihm: einige Enten und dementsprechend auch ihr Kot, der am steinernen Ufer klebt. "Die Tiere halten sich hier auf, weil sie regelmäßig gefüttert werden", fügt der Pressesprecher des Landkreises Mansfeld-Südharz hinzu.

Die Folgen des Fütterns durch die Besucher: In einer Routine-Untersuchung wurden Bakterien, sogenannte "Enterokokken", im Wasser gefunden. Das Gesundheitsamt hat daraufhin das Baden an dieser Stelle des Süßen Sees mit sofortiger Wirkung verboten. "Diese Bakterien können Magen-Darm-Erkrankungen und schwere Harnwegs- und Wundinfektionen verursachen. Weiterhin können starke Übelkeit und Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfälle sowie Hautreizungen auftreten", heißt es seitens des Amtes auf einem Plakat, das am See hängt.

Was sind "Enterokokken"?

Das Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt hat die Bakterien-Art genauer betrachtet: Bei den "Enterokokken" handelt es sich demnach um Darmbakterien des Menschen und der Tiere. Durch fäkale Ausscheidungen gelangen sie in die Umwelt. Gerade bei Menschen mit geschwächter Immunabwehr können die Enterokokken schwere Wund- und Harnwegsinfektionen verursachen. Deshalb muss das Gesundheitsamt beim Nachweis des Erregers die Situation prüfen und Maßnahmen anordnen. Diese reichen vom Abkochen bis zu Nutzungsbeschränkungen und Desinfektionsmaßnahmen.

Erst Füttern und Kot, dann umgeschlagenes Gewässer

Dabei wäre es gar nicht nötig, dass diese Tiere gefüttert werden. "Wenn Tierhalter ihren Enten Futter geben, ist das ganz normal. Aber Wildente, wie diese am Süßen See – die können sich selbst ernähren und brauchen diese Unterstützung nicht", sagt Ingrid Brehm, Tierärztin aus dem Landkreis Mansfeld-Südharz. "Letztendlich schlingen die Tiere das trockene Brot runter und es quillt in ihrem Magen auf", kritisiert Daniel Rolke vom Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt.

Und er erweitert das Problem um die Komponente "Veränderung des Gewässers". So ist der Süße See ein Organismus, der aus verschiedenen Mikroorganismen, wie Algen und dementsprechend Nährstoffen besteht. Die funktionieren für sich. Wenn jetzt Enten Brot fressen, das sie normalerweise in der Natur nicht finden, wird dem ganzen System ein neuer Nährstoff hinzugefügt. Entweder, weil die Enten das verdaute Brot als Kot ausscheiden oder weil es im Wasser liegen bleibt. "Wenn viele dieser Nährstoffe ins Gewässer gelangen, kann es umschlagen. Das ist auch eine Wachstumsgrundlage für Bakterien und Algen", erklärt Daniel Rolke.

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MDR um 2 Mi 14.08.2019 14:00Uhr 03:02 min

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Probleme für Tiere und Natur

Diesen Ablauf bis hin zum umgeschlagenen Gewässer, bestätigt auch Stefan Fischer, Dezernent bei der staatlichen Vogelschutzwarte Steckby. Sobald Tiere an einem Ort regelmäßig gefüttert werden, bleiben sie oft dort. Deshalb kommt es auch gezielt an der einen Badestelle am Süßen See zu dem Problem. "Zusätzlich zu den vielen Nährstoffen im Wasser, leidet auch die Vegetation darunter. Die Tiere latschen alles flach und fressen mehr von den Pflanzen an dieser Stelle. Da ist auch problematisch für andere Tiere, zum Beispiel Libellen", erklärt Fischer.

Gleichzeitig sieht Stefan Fischer einen umweltpädagogischen Aspekt im Füttern der Tiere. So könnten Kinder beispielsweise an die Enten herangeführt werden. Wer also auf die Fütterung nicht verzichten will, für den hat die Naturschutzorganisation WWF Deutschland Tipps formuliert.

WWF-Tipps fürs richtige Füttern

Die Naturschutzorganisation WWF Deutschland spricht sich generell gegen das Füttern von Enten aus. Wer es trotzdem machen will, für den hat ihre Autorin Jenny Schulz folgende Tipps formuliert:

  • Kein Brot füttern, sondern spezielles Wasservogelfutter kaufen
  • Nur so viel füttern, bis die Tiere satt sind
  • Futter am Ufer platzieren, um das Gewässer nicht zu verschmutzen
  • Nach der Fütterung: Reste wieder einsammeln
  • Qualität des Futters: Verschimmeltes schadet den Tieren und gehört in den Bio-Müll

Stelle "Seeterrassen": Kein Baden mehr in dieser Saison

Pressesprecher Uwe Gajowski und das Gesundheitsamt gehen davon aus, dass das Badeverbot an den "Seeterrassen" die gesamte aktuelle Badesaison anhalten wird. "Die Werte sind weiterhin zu hoch", so Gajowski. Dabei verweist er auf die drei weiteren Badestellen des Süßen Sees: Der Campingplatz bei Seeburg, Arseleben und 'Am Schiff' seien nicht von den Bakterien betroffen. "Hier ist das Schwimmen auch beliebter, da hier Sandstrände sind. Die gibt es an den 'Seeterrassen' nicht", sagt Gajowski und erinnert: "Solange die Besucher die Tiere hier weiter füttern, bleibt das Problem."

Johanna Daher
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Über die Autorin Seit Februar 2018 ist Johanna Daher Teil der Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT. Ihr typischer Satz in den sozialen Medien beschreibt sie ihrer Meinung nach ziemlich gut: "Christin, Journalistin und Optimistin mit einer Liebe zum Multimedialen, Interaktiven und Programmieren." Johanna Daher kommt gebürtig aus Nordhessen, hat in Dortmund Journalistik und in Wernigerode an der Hochschule Harz "Medien- und Spielekonzeption" studiert.

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Quelle: MDR/jd

Dieses Thema im Programm: MDR um 4 | 14. August 2019 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. August 2019, 20:06 Uhr

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