Mansfeld-Südharz Mifa-Nachfolger Sachsenring Bike in Sangerhausen meldet Insolvenz an

Obwohl Fahrradfahren wieder mehr in Mode gekommen ist – auf die Fahrradbauer aus Sangerhausen scheint sich das nicht positiv auszuwirken. Auch der Mifa Nachfolger, die Sachsenring Bike Manufaktur, hat Insolvenz angemeldet. Produktion und Werksverkauf laufen aber weiter.

Matthias Herold (l) und Stefan Zubcic, Geschäftsführer der Sachsenring Bike Manufaktur GmbH, stehen mit zwei nagelneuen Rädern aus der Steppenwolf-Kollektion in der Werkhalle in Sangerhausen
2018: Matthias Herold (l) und Stefan Zubcic, Geschäftsführer der Sachsenring Bike Manufaktur zeigen neue Räder aus der Steppenwolf-Kollektion in der Werkhalle in Sangerhausen. Zubcic hatte den Betrieb des insolventen Fahrradherstellers Mifa übernommen. Bildrechte: dpa

Der finanziell angeschlagene Fahrradhersteller Sachsenring Bike aus Sangerhausen hat beim Amtsgericht Halle Insolvenz angemeldet. Das hat der Insolvenzverwalter, Philipp Hackländer von der Kanzlei White und Case in Leipzig, mitgeteilt.

Er wolle zunächst dafür sorgen, dass Löhne und Gehälter weiter gezahlt werden und spätestens zum Jahresende 2020 eine Sanierungslösung präsentieren. Wie die Kanzlei weiter mitteilt, sollen Produktion und Montage trotz des Insolvenzantrags ebenso fortgesetzt werden wie der Onlineshop und der Werksverkauf.

Wir werden die Möglichkeiten für einen Fortbestand schnellstmöglich prüfen und umsetzen. Gleichzeitig sprechen wir bereits mit Hochdruck mit potentiellen Investoren, im Wesentlichen Interessenten aus der Branche.

Philipp Hackländer, Insolvenzverwalter

Hohe Nachfrage nach Fahrrädern und E-Bikes

Das Unternehmen soll auch langfristig weiterbetrieben werden, hieß es vom Insolvenzverwalter, auch um die hohe Nachfrage nach Fahrrädern und E-Bikes "Made in Germany" zu befriedigen.

Gemeinsam mit den Mitarbeitern, der Geschäftsleitung, den Lieferanten und den Auftraggebern werden parallel zur Fortführung des Unternehmens die rechtlichen und wirtschaftlichen Sanierungskonzepte entwickelt.

Philipp Hackländer, Insolvenzverwalter
Mitarbeiter des Fahrradherstellers Sachsenring Bike Manufaktur GmbH montieren Fahhräder
Immer wieder kommt das Fahradwerk in Sangerhausen in finanzielle Schwierigkeiten. Bildrechte: dpa

Die Sachsenring Bike Manufaktur ist aus der MIFA Mitteldeutsche Fahrradwerke hervorgegangen und blickt auf eine über 100-jährige Unternehmensgeschichte zurück. In Sangerhausen sind aktuell rund 130 Mitarbeiter beschäftigt, die Fahrräder und E-Bikes produzieren und montieren.

Nach der Wende hatte es bei Mifa drei Insolvenzen gegeben, zuletzt im Jahr 2017. Anfang November 2020 waren erneute Zahlungsschwierigkeiten bekannt geworden. Der Fahrradbauer soll Mietschulden in Höhe von knapp 100.000 Euro haben.

Der Landkreis Mansfeld-Südharz hatte Sachsenring Bike Manufaktur deshalb ein Ultimatum gestellt. Landrätin Angelika Klein hatte MDR SACHSEN-ANHALT gesagt, sollte das Unternehmen nicht bis zum 1. Dezember seine Mietrückstände begleichen und beim Brandschutz nachbessern, werde man den Mietvertrag kündigen.

Die Sachsenring Bike Manufaktur hatte vor drei Jahren den insolventen Fahrradhersteller Mifa in Sangerhausen übernommen und Flächen und Hallen vom Landkreis gemietet.

Quelle: MDR/jw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 19. November 2020 | 15:00 Uhr

5 Kommentare

part vor 1 Wochen

Wenn ich etwas produzieren möchte muß ich mich zuerst um den Absatz und die Zielgruppe kümmern. Edel-Bikes produzieren schon zu viele Hersteller und die Zielgruppe hält sich Grenzen. Leichte Räder für den Alltagsgebrauch wurden in der DDR produziert, klobige schwere Ramen oder Mondpreise schrecken viele Händler und Käufer ab, wobei die Händler zuerst auch mal an die Provision denken. Oder es bleibt beim Werksverkauf oder Online- Handel. Einmal angeschlagen, ist dies wie ein Aktienabsturz, bei dem die Finanz- Geier schon über dem Werksgelände ihre Kreise ziehen.

Kritiker vor 1 Wochen

+...Das Unternehmen soll auch langfristig weiterbetrieben werden, hieß es vom Insolvenzverwalter, auch um die hohe Nachfrage nach Fahrrädern und E-Bikes "Made in Germany" zu befriedigen....+
Ohne Mietvertrag wird das wohl nicht gehen? Wer soll denn die Mietschulden begleichen? Wieder einmal das Land? Da sollte man die Geschäftsführer entsprechend finanziell zur Verantwortung ziehen! Das sie hohe Nachfragen jetzt wohl erst sein soll kann man Bürgern als einzigen Grund nicht mehr "verkaufen". Wohl eher der Verbleib von Einnahmen war im eigenem Interesse wichtiger als Miete zu zahlen.

Kritiker vor 1 Wochen

+...Obwohl Fahrradfahren wieder mehr in Mode gekommen ist – auf die Fahrradbauer aus Sangerhausen scheint sich das nicht positiv auszuwirken....+
Ist der Absatz von Fahrrädern nicht erst entsprechend gestiegen, so das auch Einnahmen mit gestiegen sind? Da kann man sich die Fragen stellen: Wo ist dann das Geld aus den Verkäufen = also aus den Einnahmen hingegangen? In welche Taschen ist es geflossen?

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