Lager in Syrien wird angerechnet Frühere IS-Anhängerin Leonora M. könnte bald freikommen

Der früheren IS-Anhängerin Leonora M. aus Sangerhausen soll ab Sommer der Prozess gemacht werden. Möglicherweise kommt sie schon vorher aus der Untersuchungshaft frei.

Die frühere IS-Anhängerin Leonora M. aus Sangerhausen kann darauf hoffen, schon bald aus der Untersuchungshaft in Halle freizukommen. Nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT wird eine vorzeitige Entlassung geprüft.

Die junge Frau aus Sangerhausen befindet sich seit ihrem Rückflug nach Deutschland in Untersuchungshaft in Halle. Zuletzt hatte sie sich mit ihren Kindern zwei Jahre in Syrien in einem Lager aufgehalten. In Deutschland wird nun geprüft, ob diese Zeit auf die Dauer der möglichen Haft angerechnet wird.

Syrische Haftumstände werden mit deutschen verglichen

Hintergrund ist das sogenannte Doppel-Bestrafungsverbot. Das deutsche Recht vergleicht dabei die Haftumstände im Ausland mit denen hierzulande. Das Ergebnis könnte sein, dass ein Haftjahr in Syrien wie zwei in einem deutschen Gefängnis gewertet wird.

Der Generalbundesanwalt wirft ihr unter anderem Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Beihilfe zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor. So soll sie unter anderem gemeinsam mit ihrem Ehemann eine Jesidin und zwei Kinder der Frau als Sklaven erworben haben, um sie später zu verkaufen. Ziel von Leonora M. sei gewesen, die drei Gefangenen zunächst aufzupäppeln, da sie sich in schlechtem Allgemeinzustand befunden haben sollen.

Der Leipziger Jurist Jan Siebenhüner schätzt ein, dass bei einem Prozess gegen Leonore M. Jugendstrafrecht zur Anwendung kommen müsste, da sie zur Tatzeit 15 Jahre war. Er rechnet sogar damit, dass Leonore M. ein Haftjahr in Syrien mit drei Jahren deutscher Haft angerechnet werden könnten.

Voraussetzungen für Anrechnung der Haftzeit

Eine Anrechnung der Haftzeit würde aber voraussetzen, dass die deutschen Behörden bereits vor der Rückführung tätig waren und beispielsweise über einen internationalen Haftbefehl und ein Auslieferungsgesuch nach ihr gefahndet haben. Siebenhüner sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Wurde der Haftbefehl in Deutschland erst nach ihrer Rückführung erlassen, findet das keine Anwendung. Voraussetzung ist auch immer, dass die syrischen bzw. kurdischen Behörden sie wegen der gleichen Tat festgehalten haben." Sollte sich die Beschuldigte aber an anderen Verbrechen beteiligt haben, müsste sie eine Reststrafe in Deutschland absitzen.

Laut MDR-Recherche wird mit einem Prozessbeginn nicht vor Sommer 2021 gerechnet. Sollte die zu erwartende Höchststrafe für die Anklage unter der angerechneten Haftzeit liegen, könnte Leonora somit auch schon vor Prozessbeginn wieder frei sein.

Mit 15 Jahren nach Syrien gereist

Leonora M. war im März 2015 als 15-Jährige nach Syrien gereist, hatte dort einen IS-Kämpfer geheiratet und zwei Kinder bekommen. In einer Geheimoperation hatte die Bundesregierung  sie und zwei weitere deutsche Frauen sowie zwölf Kinder aus Syrien zurückgeholt.

Bei ihrer Ankunft in Frankfurt am Main wurde Leonora M. festgenommen und sitzt seitdem in Halle in Untersuchungshaft. Wie MDR SACHSEN-ANHALT erfuhr, darf die junge Frau in der JVA Halle bis mindestens Mitte Januar keinen Besuch empfangen und hat seit ihrer Rückkehr auch ihre Familie nicht gesehen.

Quelle: MDR/ru,pat,cw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 23. Dezember 2020 | 08:00 Uhr

120 Kommentare

Anita L. vor 9 Wochen

Ach Sonnenseite, nicht jeder kann eine Glaskugel sein eigen nennen. Haben Sie eine? Und nicht jeder verfügt über Trelawneys Fähigkeiten. Wir wären zugegeben irre neidisch, wenn es so wäre.

Also, nein, die wenigstens Straftaten können vorhergesehen werden.

Harka2 vor 9 Wochen

Resozialisierung spielt beim Urteil keine Rolle, das ist die Aufgabe des Strafvollzuges. Dieser sollte in einer Form stattfinden, dass ein Täter gute Chancen zur Resozialisierung erhält. Dem kommt der deutsche Strafvollzug auch nach, insbesondere bei jugendlichen Tätern, denen im Vollzug Ausbildungen angeboten werden.

Ich hatte da mal für ein Projekt ein Straftäterin zugeteilt bekommen, die gerade einen Schnupperkurs im Knast absolvierte. Sie durfte den Jugendknast für ihre Ausbildung täglich verlassen und schwor heiligste Eide, dass sie dankbar für diese Chance war, wäre sie doch sonst von ihrem Ausbildungsbetrieb gefeuert worden. Sie saß auch nur eine Woche ein, aber das reichte, um die Sprayerin zu bekehren. Die 38.000 € Schulden für die Säuberung der von ihr "verziehrten" Wände waren Strafe genug. Auch jetzt, fast 20 Jahre später, wurde sie nicht mehr straffällig.

Harka2 vor 9 Wochen

@Matthi
Würden wir das mit dem "Auge um Auge, Zahn um Zahn" wörtlich nehmen, hätten wir eine Welt von Zahnlosen und Blinden.

Und wenn wir all die anderen veralteten Regeln der Bücher Moses beachten würden, wäre das ein sehr einsame Welt.

5. Moses 22 Vers 5 "Eine Frau soll nicht Mannesgewandt tragen .. wer solches tut, ist Gott dem Herrn ein Grauen." Gott ein Grauen bedeutet, alle Bewohner der Stadt vor der Stadtmauer zusammentrommeln und die Schuldige steinigen. Mich würde das gerade nicht treffen, aber beim letzten Einkauf sah ich sehr viele Frauen in Hosen ...

5. Moses 22 Vers 8 "Wenn du ein neues Haus baust , dann sollst du ein Geländer um das Dach des Hauses bauen, damit nieman runter fällt." (gekürzt) Das mag bei den Lehmhütten Vorderasiens mit ihren Flachdächern noch Sinn gemacht haben ... (ich: Mietwohnung)

5. Moses 22 Vers 11 "Du sollst nicht Kleidung aus zweierlei Stoffen tragen." Das wars dann auch für mich, trage ich doch gerade Kunstfaser und Baumwolle und Mischgewebe.

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