Leonora steht mit schwarzem Kopftuch an einer Autotür in der Wüste
Die 19-jährige Leonora aus Sangerhausen, aufgenommen in der syrischen Wüste Bildrechte: AFP

IS-Anhängerin aus Sachsen-Anhalt 19-Jährige ist zu Hause willkommen

Ein Mädchen aus Sangerhausen hat sich der Terrorgruppe IS in Syrien angeschlossen. Viele hielten das für nicht wahrscheinlich, doch es bewahrheitete sich. Jetzt, nach vier Jahren, will Leonora offenbar wieder zurück nach Hause. Wie das in ihrem Heimatort ankommt und was sie in Deutschland erwartet.

Leonora steht mit schwarzem Kopftuch an einer Autotür in der Wüste
Die 19-jährige Leonora aus Sangerhausen, aufgenommen in der syrischen Wüste Bildrechte: AFP

Die junge Frau aus Sangerhausen, die im März 2015 zum Islamischen Staat nach Syrien verschwunden war, ist in ihrem Heimatort Sangerhausen willkommen. Leonora, heute 19 Jahre alt, stammt aus dem 200-Seelen-Dorf Breitenbach, einem Ortsteil der Stadt Sangerhausen. Ortsbürgermeisterin Cornelia Liebau sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Ich denke, sie hat eine zweite Chance verdient. Sie ist erst 19 und hat zwei kleine Kinder."

Erleichterung über Lebenszeichen

Liebau zeigte sich sichtlich bewegt und erleichtert, dass das Mädchen lebt. Leonora hatte sich im März 2015 der Terrorgruppe IS in Syrien angeschlossen. Ihr Vater hatte sie damals als vermisst gemeldet. Nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP will das Mädchen jetzt, vier Jahre später, wieder zurück nach Hause. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP sagt sie: "Ich will nach Deutschland zu meiner Familie, zurück zu meinem alten Leben. Ich weiß nun, dass es ein Fehler war."

Laut Liebau teilen die meisten im Ort ihre Erleichterung, dass Leonora überhaupt noch am Leben ist. Die Nachricht sei vermehrt positiv aufgenommen worden, weil das Mädchen lebt und gesund zu sein scheint, so die Bürgermeisterin. "Und ich denke, die Eltern freuen sich sehr."

Nach AFP-Informationen wurde Leonora vergangene Woche an der irakischen Grenze von den Syrischen Demokratischen Kräften gefangen genommen. Ihren eigenen Angaben zufolge befand sie sich auf der Flucht aus dem Dorf Baghus – gemeinsam mit ihrem Mann, einem Dschihadisten, und dessen Zweitfrau.

Was ist mit Leonora passiert?

Die damals 15-jährige Leonora aus Sangerhausen reiste im Jahr 2015 nach Syrien, vermutlich gemeinsam mit einer jungen Frau aus Thüringen. Sie schlossen sich der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) an, heirateten und lebten beide zunächst in Rakka. Leonoras Mann, der Dschihadist Martin L., soll laut einem Bericht der "Zeit" ein nun 28-jähriger gelernter Schweißer sein, der in Zeitz geboren wurde. Er soll an Hinrichtungen beteiligt gewesen sein und Gefangene enthauptet haben.

Die heute 19-jährige Leonora versicherte jedoch der Nachrichtenagentur AFP, der sie jetzt ein Interview gab, dass ihr Mann nur als Techniker tätig gewesen sei und Computer und Handys repariert habe. Er hat eine weitere Frau, eine 34-jährige Deutsche, die Sabina heißt. Alle drei seien vergangene Woche laut Leonora aus dem Dorf Baghus geflohen, woraufhin sie nahe der letzten IS-Bastion an der irakischen Grenze von den Syrischen Demokratischen Kräften gefangen genommen worden. Leonora hat laut Nachrichtenagentur AFP zwei kleine Kinder.

Auswärtigem Amt ist Inhaftierung nicht bekannt

Das Auswärtige Amt ist nach der Inhaftierung noch nicht tätig geworden. Wie MDR SACHSEN-ANHALT erfuhr, liegen über eine Inhaftierung Leonoras in Syrien keine eigenen Erkenntnisse vor. Man wisse aber von derartigen Fällen.

Nach der Schließung der Botschaft in Damaskus sei eine konsularische Betreuung von deutschen Staatsbürgern nicht möglich. Allerdings prüfe die Bundesregierung in humanitären Fällen verschiedene Möglichkeiten, um deutschen Staatsangehörigen eine Ausreise aus Syrien zu ermöglichen.

Sechs Monate bis zehn Jahre Haft möglich

Die zuständige Staatsanwaltschaft in Halle führt ein Verfahren gegen die junge Frau. Sprecher Klaus Wiechmann sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Der Vorwurf ist die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Das heißt, sie hat Deutschland verlassen, um sich einer terroristischen Organisation, sprich dem IS, anzuschließen."

Das Verfahren sei aber vorläufig eingestellt, da man nicht wisse, wo sie sich aufhalte. "Es gibt keine polizeiliche Zusammenarbeit, keine Rechtshilfe mit Syrien. Sodass die Sache hier erst fortgesetzt werden kann, wenn sich die junge Frau wieder in Deutschland aufhält", erklärt Wiechmann weiter. Sobald Leonora nach Deutschland einreise, würde die Staatsanwaltschaft aber darüber informiert. "Dann ist sie für uns greifbar. Dann werden die Ermittlungen fortgeführt. Und dann muss sie sich diesem Verfahren stellen."

Im Falle einer Verurteilung, droht der jungen Frau laut Staatsanwaltschaft ein Freiheitsstrafe zwischen sechs Monaten und zehn Jahren. Doch soweit sei man längst noch nicht, sagte Wiechmann. "Die Ermittlungen müssen erst geführt werden und die Beschuldigte muss da sein."

Quelle: MDR/lk,cw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 04. Februar 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Februar 2019, 20:11 Uhr

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56 Kommentare

26.02.2019 19:47 diese Personen 56

haben sich schließlich nicht von selbst oder aus eigener Überzeugung vom IS gelöst. Der IS wurde durch Kurden u. int. Kräfte zerschlagen. Die Ideologie der Anhängerschaft ist verfestigt, so dass man kaum von aufrichtiger Reue sprechen kann.
Es hat sie niemand gezwungen, sich dieser Terrormiliz anzuschließen.
Von wegen "willkommen"....

06.02.2019 18:55 Benutzer 55

die kann bleiben wo sie ist

06.02.2019 16:22 Leepzscher 54

51: Es gibt den Koran, in dem steht, dass ein Moslem nach den Buchstaben dieses vor mittelalterlichen Buches zu leben habe.
Die Frau braucht vor Gericht einen Bürgen.
Ungläubig sind zu töten. Der Moham. hat das persönlich so gehalten.
ME muss der politische Islam grundsätzlich reformiert werden.