IS-Frau aus Sangerhausen "Ich will zurück in mein altes Leben"

Mit 15 Jahren hat sich Leonora aus Sangerhausen der Terrormiliz Islamischer Staat angeschlossen. Sie reiste nach Syrien und heiratete den Dschihadisten Martin L. Nun gibt es ein Lebenszeichen von der jungen Frau. Wie mehrere Medien melden, wurde die inzwischen 19-Jährige festgenommen – gemeinsam mit ihrem Mann und der zweiten Ehefrau. Im Interview mit der Nachrichtenagentur AFP sagte Leonora, sie wolle nur noch nach Hause.

Leonora steht mit schwarzem Kopftuch an einer Autotür in der Wüste
Leonora wurden von Journalisten nahe dem Dorf Baghus in Syrien interviewt. Bildrechte: AFP

Eine junge Frau aus Sangerhausen, die sich 2015 dem Islamischen Staat angeschlossen hat, lebt offenbar. Nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP wurde die inzwischen 19-Jährige zusammen mit ihrem Mann und dessen anderer Frau nahe der letzten IS-Bastion an der irakischen Grenze von den Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) festgenommen. Die drei waren nach eigener Aussage zuvor aus dem Dorf Baghus geflohen.

Die Deutsche Leonora war 15 Jahre alt, als sie nach Syrien reiste, um sich der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) anzuschließen. Offenbar war sie in Begleitung einer 18-Jährigen aus Thüringen in die Türkei gereist. Die junge Frau aus Thüringen heiratete kurz nach der Ankunft und hielt sich damals im syrischen Rakka auf, das damals als Hauptstadt des IS galt. Kennengelernt haben sich die beiden Mädchen wahrscheinlich über soziale Netzwerke. Auch die Frau aus Sangerhausen heiratete wenige Tage nach ihrer Ankunft in Syrien den Dschihadisten Martin L., mit dem sie zunächst in der IS-Hochburg Rakka lebte.

Ich war ein wenig naiv. Ich war gerade erst zwei Monate zum Islam konvertiert.

Leonora aus Sangerhausen

Heute fühlt sich Leonora durch soziale Medien getäuscht

Bei einem Interview mit Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichtet Leonora jetzt von ihrem Leben unter der IS-Miliz. In einen schwarzen Nikab gehüllt, einen zwei Wochen alten Säugling auf dem Arm, erzählt die blasse junge Frau: "Ich blieb im Haus, um zu kochen und zu putzen". Die 19-jährige Mutter zweier Kinder spricht in gebrochenem Englisch.

Am Anfang, als sie die großen Städte kontrollierten und viel Geld hatten, war alles gut. Als sie Rakka verloren haben, wechselten wir jede Woche das Haus. Jede Woche verloren sie eine Stadt.

Leonora aus Sangerhausen

Das berichtet Leonora inmitten einer staubigen Ebene nahe dem Dorf Baghus, in dem die Dschihadisten noch immer erbitterten Widerstand leisten. Heute fühlt sie sich durch die Propaganda der IS-Miliz in den sozialen Medien getäuscht.

In der vergangenen Woche floh Leonora nach eigener Aussage mit L. und dessen zweiter Frau Sabina aus Baghus, woraufhin sie von den Syrischen Demokratischen Kräften gefangen genommen worden seien. Während sie erzählt, sitzt die 34-jährige Deutsche Sabina neben ihr. Um sie herum warten noch dutzende weitere Frauen im schwarzen Nikab darauf, in Lager der SDF gebracht zu werden. Die meisten von ihnen sind Irakerinnen.

Ehemalige IS-Kämpfer sollen in Heimatländer

Flagge Islamischer Staat
Hunderte ausländische Dschihadisten und ihre Frauen wurden festgenommen. Bildrechte: imago/United Archives International

Das kurdisch-arabische Bündnis hat bereits hunderte ausländische Dschihadisten und ihre Frauen und Kinder festgenommen. Nach ihrer Festnahme werden sie zunächst genau durchsucht und verhört, bevor die Männer in Gefängnisse und die Frauen und Kinder in Lager im Norden gebracht werden. Die SDF würde die Ausländer gerne an ihre Heimatländer übergeben, damit ihnen dort der Prozess gemacht wird, doch diese zieren sich bisher.

Sie haben die Frauen ganz alleine gelassen, ohne Essen. Wir waren ihnen egal.

Leonora aus Sangerhausen

Seit Anfang Dezember sind nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte 36.000 Menschen aus den letzten IS-Gebieten geflohen, darunter 3.200 IS-Kämpfer. In den wenigen Quadratkilometern um Baghus werden aber noch zahlreiche Ausländer vermutet, darunter viele Franzosen. Aus den Gräben und Tunneln, in denen sie sich in dem Dorf am Euphrat verschanzt haben, leisten sie weiterhin erbitterte Gegenwehr.

Mann aus Zeitz soll nur Techniker gewesen sein 

Rauch steigt in Al-Rakka (Syrien) während Gefechten zwischen Soldaten der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) und der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auf.
Leonora heiratete kurz nach ihrer Ankunft in Syrien den Dschihadisten Martin L. und hielt sich zunächst in Rakka auf. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Leonora und Sabina versichern, dass ihr Ehemann L. für die IS-Miliz nur als Techniker tätig gewesen sei und Computer und Handys repariert habe. Laut einem Bericht der Zeit gehörte der 28-jährige gelernte Schweißer, der in Zeitz geboren wurde, jedoch in Rakka zur Religionspolizei Hisbah und zum gefürchteten IS-Geheimdienst Amnijat. Demnach soll er selbst an Hinrichtungen beteiligt gewesen sein und Gefangene enthauptet haben.

Leonora sagt, sie habe mehrfach zu fliehen versucht, doch sei sie das erste Mal von der IS-Miliz gefasst und inhaftiert worden. Das zweite Mal habe ihr Mann sie erwischt, sagt sie. Über die Dschihadisten hat sie heute wenig Illusionen.

Heute will Leonora nur noch nach Hause. "Ich will nach Deutschland zu meiner Familie, zurück zu meinem alten Leben. Ich weiß nun, dass es ein Fehler war."

 

Quelle: afp/MDR/jw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 04. Februar 2019 | 09:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Februar 2019, 14:01 Uhr

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88 Kommentare

26.02.2019 19:29 Denis644 88

Sie hat mit 15. Einen grossen Fehler gemacht, sie will nur noch nachhause zu ihrer Familie.
Wäre super wenn sie bald alle wieder zusammen sein dürfen.

06.02.2019 18:56 Benutzer 87

die soll bleiben wo sie ist

06.02.2019 17:23 Elvira Portugall 86

ich lebe seit 2007 in Syrien, in dieser Kluft wollte ich nicht leben. Ich konvertierte auch zum Islam, lebe aber bei Tartus und geniesse das westliche Leben. Regelmäßig fliege ich mehrmals im Jahr nach Deutschland und unternehme Fahrten und Wanderungen/Mountain Bike Touren in ganz Europa. Ich verstehe die Frauen nicht, wie sie sich so von einer Ideologie vereinnahmen lassen, die gegensätzlich jeder europäischen Norm ist. Religion ist Privatsache. Ob man Alkohol trinkt oder Schweinefleisch isst, geht niemanden etwas an. Alleine schon die traditionelle Kleidung ist eine persönliche Einschränkung. Sie soll in Rakka bleiben, wenn sie in die Hände der syrischen Regierung fällt, dann muss sich wenigstens nicht mehr Deutschland die Hände schmutzig machen. Ich lebe im Christen/Alawitengebiet an der syrischen Küste. Hier ist Disco, Alkohol etc. normal für Alle, ohne Rücksicht auf Traditionszugehörigkeit. Die syrische Regierung bekämpft IHR AUCH, MDR. Wir stehen dem Westen näher als ihr glaubt.

Anmerkung von MDR SACHSEN-ANHALT:
Wir als MDR nehmen die Rolle als Berichterstatter ein.

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