Mädchen von Polizei geholt Grundschule Helbra: Polizeieinsatz wird aufgearbeitet

Der Fall der am Montag von der Polizei regelrecht abgeführten 8-Jährigen beschäftigt die Ministerien. Das Kind wurde rechtmäßig per Gerichtsurteil an seine Mutter übergeben. Doch wie das Mädchen von der Grundschule in Helbra abgeholt wurde, wirft Fragen auf.

Der Polizeieinsatz an einer Schule in Helbra im Landkreis Mansfeld-Südharz soll sorgsam aufgearbeitet werden. Das teilte das Innenministerium MDR SACHSEN-ANHALT auf Nachfrage schriftlich mit. Erst danach könnten die Ereignisse bewertet werden. Da die Aufarbeitung erst begonnen habe und gegen einen der eingesetzten Polizeivollzugsbeamten zudem Strafanzeige erstattet worden sei, verbiete sich eine öffentliche Bewertung zum jetzigen Zeitpunkt. Das Innenmisterium wies zudem darauf hin, dass die Polizei lediglich zur Amtshilfe eines Gerichtsvollziehers eingesetzt worden sei. Daher sei das Justizministerium zuständig.

Anne-Marie Keding
Sachsen-Anhalts Justizministerin Anne-Marie Keding Bildrechte: IMAGO

Justizministerin Anne-Marie Keding (CDU) sagte MDR SACHSEN-ANHALT, sie könne aus der Ferne nicht beurteilen, ob das Verfahren verhältnismäßig gewesen sei. Dem Einsatz lägen nach ihrem Wissen jedoch Gerichtsurteile zugrunde. "Und Gerichtsurteile müssen auch umgesetzt und vollstreckt werden", so Keding. Die Ministerin berichtete außerdem, dass Bildungsminister Marco Tullner (CDU) ihr zu dem Fall ein Gespräch zusammen mit dem Innenministerium vorgeschlagen habe.

Grundschule Helbra nun "ein belasteter Ort"

Tullner selbst erneuerte im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT seine Kritik an dem Einsatz. Er nannte ihn unsensibel. Solche Aktionen sollten im Interesse der Kinder nicht in der Öffentlichkeit an einer Schule stattfinden. Tullner sprach in Zusammenhang mit dem Vorfall von Helbra jedoch von einem Einzelfall. In dem Gespräch mit den anderen beiden Ministern geht es nach den Worten Tullners darum, abzustimmen, was juristisch notwendig und aus Sicht einer Schule verantwortbar sei: "So ein Fall sollte sich aus meiner Sicht auf keinen Fall wiederholen." Die Grundschule in Helbra sei nun ein belasteter Ort.

Ein Mann gibt ein Interview.
Der Vater des 8-jährigen Mädchens Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Am Montag war in Helbra eine Achtjährige von der Polizei aus ihrer Grundschule geholt worden, um sie dem Vater wegzunehmen und zur Mutter zu bringen. Sie hatte sich in einem Sorgerechtsstreit gerichtlich durchgesetzt. Ein Polizist hatte das schreiende und sich heftig wehrende Mädchen im Beisein eines Jugendamtsverteters und eines Gerichtsvollziehers und gegen seinen Willen in ein Auto gezwungen. Der Vater hatte ein Video von der Aktion in sozialen Netzwerken verbreitet.

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Quelle: MDR/lk

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 10. März 2018 | 07:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. März 2018, 10:00 Uhr

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25 Kommentare

12.03.2018 09:09 Matze 25

Es liegt ein Gerichtsbeschluss vor. Es interessiert keinen Menschen, was ein 8 jähriges Mädchen will.
Damit muss man sich abfinden.
Das man das Mädchen mit Gewalt aus der Schulklasse holt, ist extrem unprofessionell und unsensibel, das ist klar.
Wenn die Entscheidung des Gerichts falsch war, lässt sie sich sicherlich korrigieren. Wir hier im Kommentarbereich, kennen keine Hintergründe, keine Familiengeschichte und keine Beweggründe des Gerichts.

12.03.2018 08:50 Karlo 24

@Anja Kommentar 22
Genau so sehe ich es auch. Die Kleine hat bei jedem Gutachter gesagt, dass sie bei Vater leben möchte. Sie hat es bei dieser Entführung auch der Staatsmacht gesagt, dass sie nicht zur Mama will, Sondern lieber noch ins Heim geht. Sie hat geweint, gejammert und nach ihrem Vater geschrien, nur hat das die Polizei und vor allem ihrer Mutter nicht interessiert.
Hier wurde ein Urteil gegen den Willen des Kindes gefällt und ein unschuldiges Kind wurde durch die Polizei traumatisiert.
Urteile kann man wieder aufheben und ich hoffe, für die Kleine, dass dies auch getan wird.

12.03.2018 03:22 Ralf 23

Ich kann nicht nachvollziehen, warum einige Politiker von einer Straftat und aufpauschen des Vaters spricht. Nur weil er es filmte und seine Meinung vertrat? Viele wissen doch nicht, wie oft solche Entscheidungen ausgeführt werden. So was gibt es doch nicht in Deutschland, nach den Meinungen. Und doch gibt es Sie!! Nur viele bilden sich ein ungerechten Urteil. Ein Vater wußte nicht weiter und nahm dies auf. Oft hat man keinen Beweis und er wusste nicht mehr weiter. Ich möchte ihn nicht in Schutz nehmen, da ich die Umstände in der Familie nicht kenne,aber wer kämpft heute nicht! Das Politiker mit ihren Aussagen voreilig gegen den Vater sprechen finde ich unerhört. Nur um anderen die Schuld zu geben. Sie gehen heute genauso Blind durch die Gegend wie damals in den DDR ZEITEN. Es wird vorher alles ins rechte Licht gesetzt, aber wie es wirklich bei uns aussieht wollen sie nicht wahrhaben. Die Umstände kennen sie nicht von der Familie, warum? Weil die Wahrheit verschwiegen wird.