Vogelschutz Stausee bei Kelbra soll trockengelegt werden

Die Helme-Talsperre Kelbra im Landkreis Mansfeld-Südharz soll trockengelegt werden. Der Grund: Seltene Vögeln sollen so bessere Rückzugsmöglichkeiten bekommen. Angler sind gegen die Trockenlegung. Sie befürchten den Tod tausender Fische.

Kraniche am Stausee Kelbra
Zum Schutz von seltenen Vögeln soll der Stausee Kelbra trockengelegt werden. (Archivbild) Bildrechte: imago/Bild13

Zum Hochwasserschutz wird aus dem Stausee bei Kelbra im Landkreis Mansfeld-Südharz Wasser abgelassen. Das Ufer gleicht deshalb derzeit einer Schlammpfütze. Nun soll der See komplett trockengelegt werden: Der Betreiber plant zusammen mit dem Umweltministerium, für seltene Vögel am See einen besseren Rückzugsort zu schaffen. Das Wasser soll bereits am kommenden Samstag abgelassen werden.

Angler und Camper reagierten empört auf das Vorhaben. Sie befürchten unter anderem ein Problem für den örtlichen Tourismus. Denn der Segelverein verzeichnet nach den trockenen Sommern kaum noch genug Wasser.

Angler haben einstweilige Verfügung gegen Trockenlegung eingereicht

Angler geben zu bedenken, dass ein Ablassen des Sees zudem tausende Fische töten würde. Diese könnten nicht alle geborgen werden, erklärt ein Angler. Er verweist in dem Zusammenhang auf das Tierschutzgesetz – und fragt, ob dieses denn in Sachsen-Anhalt überhaupt nicht gelte. Wenn das Wasser fischfrei sei, habe sich das Angeln am Stausee praktisch erledigt. Der Kreisangelverein Sangerhausen hat beim Verwaltungsgericht eine einstweilige Verfügung gegen die Trockenlegung des Sees eingereicht.

Die Helme-Talsperre Kelbra an der Landesgrenze von Sachsen-Anhalt und Thüringen ist vor 50 Jahren als Rückhaltebecken für den Hochwasserschutz angelegt worden. Seitdem haben sich dort seltene Vogelarten angesiedelt. Der Helmestausee Berga-Kelbra ist ein Vogelschutzgebiet. Im Herbst rasten auf ihrem Weg Richtung Süden bis zu 40.000 geschützte Kraniche am Stausee. Einige Kraniche überwintern auch in Kelbra.

Nachtrag vom 20. Februar: Missverständliche Berichterstattung Ein massives Fischsterben für den Schutz von Zugvögeln am Stausee Kelbra?! Diese Formulierung hat auch MDR SACHSEN-ANHALT in den vergangenen Tagen in seiner Berichterstattung Online, im Hörfunk und im Fernsehen genutzt. Die Formulierung ist allerdings missverständlich. Dass Wasser aus der Talsperre abgelassen wird, ist nämlich keine Seltenheit, sondern geschieht aus Gründen des Hochwasser- und Umweltschutzes mindestens einmal jährlich. Darauf hat nun das Umweltministerium des Landes verwiesen.

MDR SACHSEN-ANHALT bittet, die missverständliche Formulierung zu entschuldigen.

Mehr zum Thema

Rastende Kraniche im Landkreis Nordhausen
Bildrechte: MDR/Landkreis Nordhausen/Untere Naturschutzbehörde

Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 15. Februar 2020 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Februar 2020, 15:49 Uhr

3 Kommentare

Flieger321 vor 7 Wochen

ich verstehe nicht das bei der Beurteilung der Situation am Kelbrastausee so viel Schwerpunkt auf die Bedürfnisse des Anglerverbandes konzentriert wird, es sterben nicht nur Fische sondern auch die Vögel. In 50 Jahren hat sich ein Biotop gebildet, was jetzt innerhalb eines Jahres vernichtet wird. Viele Vogelarten fangen bei solchen Wetter, wie wir es die letzten Jahre hatten, bereits Ende Februar Anfang März an Brutstätten zu suchen, finden nichts, da kein Wasser. Wasser kommt auch nicht nach, da kein Schnee im Harz ist. Ich finde das Verhalten der sogenannten Vogelschützer katastrophal. Auch Wasservögel fressen Fisch, wie soll dann ein so großer See Fisch frei sein, sollen sich dann Silberreiher und Kormorane den Fisch aus der Fischzucht Auleben holen. Ich finde den ganzen Zwist zwischen Anglern und Vogelschützer als ökologische Katastrophe. Einer will den Anderen verjagen und alle machen mit und alles wird dabei vernichtet.

Harald R. vor 7 Wochen

Die Helme - Flusslandschaft des Jahres 2012/2013

Die damalige Herausforderung, die ökologische Durchgängigkeit wiederherzustellen wurde seinerzeit mit Abschluss des Projektes erreicht.
Mit neugeschaffenen Laichhabitaten und strukturreichen Gewässerabschnitten konnte so auf Dauer wieder ein stabiler, wenn auch limitierter Fischbestand erreicht werden.
Würde der Stausees abgelassen werden, sterben nicht nur zigtausend Fische im See, sondern auch Muscheln, Äschen und Kleinstlebewesen, die mit dem "Dreckwasser des Ablaufs" nicht klarkommen - kann das das Ziel "Grüner Politik" sein?

Harald R.

ElBuffo vor 7 Wochen

Wieso rasten die denn da? Weil es eine feuchte Ecke ist? Und welche zusätzlichen Rückzugsmöglichkeiten bietet ein trockengelegter See? Sowas sollte auch in den Artikel rein.

Mehr aus Mansfeld-Südharz, Saalekreis und Harz

Mehr aus Sachsen-Anhalt