Braunkohleabbau MIBRAG macht erstmals Verluste

Die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft hat im Jahr 2016 ein Minus von vielen Millionen Euro angehäuft. Durch Projekte zur Kostensenkung hätte man 2017 aber wieder Gewinn erwirtschaftet. Der Landrat des Burgenlandkreises fordert lange Übergangszeiten für den Ausstieg aus der Braunkohle.

Die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft (MIBRAG) schreibt erstmals rote Zahlen. Wie das Unternehmen MDR SACHSEN-ANHALT bestätigte, machte der Konzern im Jahr 2016 fast 44 Millionen Euro Verlust. Im Jahr zuvor hatte das Unternehmen noch einen Gewinn im niedrigen zweistelligen Bereich erwirtschaftet. Die MIBRAG baut in den Tagebauen Profen im Burgendlandkreis sowie Vereinigtes Schleenhain in Sachsen jährlich bis zu 20 Millionen Tonnen Rohbraunkohle ab. Rund 1.900 Menschen sind dort beschäftigt.

2016 habe es sich um eine ernste Situation gehandelt. Laut MIBRAG lagen die Gründe für den Verlust "unter anderem im dramatischen Preisverfall bei Großhandelspreisen für Strom in Folge der Energiewende, der erhebliche Umsatzausfälle nach sich gezogen hat". Die Geschäftsführung hätte jedoch ein "umfangreiches Kostensenkungsprogramm" aufgelegt. Im Jahr 2017 sei das Unternehmen in die Gewinnzone zurückgekehrt, hieß es.

Kohleausstieg: Übergangszeiten bis 2040 notwendig

Der Landrat des Burgenlandkreises, Götz Ulrich, teilte zu den nun bekanntgewordenen negativen Zahlen aus dem Jahr 2016 mit: "Die Zahlen der MIBRAG belegen: Ein abrupter Ausstieg aus der Braunkohleverstromung hätte schwerwiegende Folgen." Der Betrieb eines Tagebaus oder eines Braunkohlekraftwerks werde für Jahrzehnte geplant. Erst am Ende des Zeitraums seien die Gelder angespart, die für die Gestaltung der Bergbaufolgelandschaft notwendig seien. "Für das Mitteldeutsche Revier brauchen wir daher Übergangszeiten bis 2040, in denen Tagebaue und Kraftwerke weiterarbeiten können", so Ulrich. Ansonsten würde der Steuerzahler zur Kasse gebeten werden.

Über den notwendigen Strukturwandel in der Region wird seit Langem nachgedacht. So war erst im Dezember ein Windpark auf rekultivierter Tagebaufläche eingeweiht worden. Anfang März wird es einen nächsten Schritt hin zum Strukturwandel im Mitteldeutschen Braunkohlerevier geben: Dann soll in Leipzig eine Zweckvereinbarung zwischen dem Burgenlandkreis, sechs weiteren Landkreisen sowie den Städten Halle und Leipzig unterschrieben werden. "Das ist die Rechtsgrundlage, um die Zusammenarbeit zu regeln", erklärte der Geschäftsführer der zuständigen Metropolregion Mitteldeutschland Jörn-Heinrich Tobaben.

Weil Kohle zu den klimaschädlichsten Energieträgern gehört, hat die Politik den Kohleausstieg beschlossen. Union und SPD haben sich bei ihren Koalitionsverhandlungen in Berlin bisher aber auf keinen Termin dafür geeinigt.

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Quelle: MDR/lk

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN ANHALT – Das Radio wie wir | 06. Februar 2018 | 13:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Februar 2018, 16:16 Uhr

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5 Kommentare

06.02.2018 20:31 Horst 5

Betriebsende von TB Profen ist 2035, von Schleenhain 2040. Das hat also nix mit einem Kohleausstieg zu tun, wovon Herr Ulrich spricht.

06.02.2018 20:21 Susan 4

Tja, der Mensch erfindet allerlei Technologie, um sich von der Arbeit zu befreien. Längst kämen wir hier ohne Braunkohle (und ohne viele andere Industrien) super und umweltfreundlicher klar. Bloß der verdammte Kapitalismus steht dem im Weg. Denn dummerweise gibt´s da ja Privateigentümer von Produktionsmitteln, die uuunbedingt aus allem noch Profit schlagen müssen, um oben zu bleiben. Und lohnabhängige Arbeiter, die auf Teufel komm raus ihre Arbeitskraft an sie verkaufen müssen. Nee, der Kapitalismus hat für das Dilemma keine Lösung. Blöder Mist aber auch. Was soll´s, hören wir lieber auf unsere Politiker: Unsere frrreiheitlich-demokrrratische Grrrundordnung ist alternativlos! Komme was da wolle! Amen.

06.02.2018 19:52 Wo ist das Konzept? 3

Windräder auf den Bergbauhalden freut mich zwar und sichert Arbeitsplätze auch in Sachsen-Anhalt, ist aber kein Strukturwandel.

Strukturwandel heißt Umstellung der Wirtschaft und Schaffung neuer Arbeitsplätze in zukunftsträchtigen Branchen. Das das notwendig ist, ist seit sehr vielen Jahren bekannt. Das Ende der Braunkohle ist schließlich eines der Ziele der Energiewende. Was ist dazu bisher passiert? Wie sieht der weitere Plan aus?

Ich habe bisher noch keine Antworten zu den beiden Fragen gehört.

Wer kein Konzept für die Zukunft hat braucht nicht rumheulen und nach Geld und Zeit betteln, sondern gehört abgewählt, meine lieben Politiker.

Sie blockieren nur denen die Ressourcen, die in die Zukunft investieren wollen.