Ein Mann gibt ein Interview.
Staatsanwalt Klaus Wiechmann Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Interview mit Staatsanwalt Ermittlungen nach Rentnertod angelaufen

In einem Pflegeheim im Süden von Sachsen-Anhalt wurde ein Rentner beim Baden so schwer verletzt, dass er einige Tage später starb. Klaus Wiechmann, Staatsanwalt und Sprecher der Staatsanwaltschaft Halle, zum Stand der Ermittlungen.

Ein Mann gibt ein Interview.
Staatsanwalt Klaus Wiechmann Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR SACHSEN-ANHALT: Was ist bisher über den Vorfall im Pflegeheim bekannt?

Klaus Wiechmann: Nach den bisherigen Erkenntnissen wurde der Mann am 21. Februar dieses Jahres in den Vormittagsstunden gebadet, also mit einem Lift in die Badewanne gehoben in einem Spezialraum, in dem die Badewanne steht. Das stand ihm zu, er ist Pflegepatient gewesen, 79 Jahre alt. Er war aufgrund eines Schlaganfalls halbseitig gelähmt und nicht mehr in der Lage, sich zu artikulieren. Nach dem Bad musste man feststellen, dass das Badewasser offensichtlich zu heiß war. Man hat den Mann in sein Bett gebracht, den Notarzt gerufen und der hat dann alles weitere veranlasst.

Letztendlich ist dieser Mann fast eine Woche später, am 27. Februar, im Krankenhaus Bergmannstrost in Halle im Brandverletztenzentrum aufgrund dieser erlittenen Verbrühungen verstorben.

Woran kann man festmachen, dass der 79-Jährige an den Verbrühungen starb?

Klaus Wiechmann: Das vorläufige Ergebnis der gerichtlichen Sektion liegt vor. Es hat also im hiesigen Institut für Rechtsmedizin Halle eine Leichenöffnung stattgefunden, mit dem Ergebnis, dass eine Kausalität zwischen den Verbrühungen und dem Tod bejaht wurde.

Waren die Pflegerinnen während des Bades im Raum und welche Vorschriften gibt es?

Klaus Wiechmann: Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gehen wir davon aus, dass sie nicht im Raum waren. Fakt ist wohl, man darf als Pflegekraft dieses Bad nicht verlassen. Fakt ist auch, dass die Badetemperatur mit einem Thermometer zu messen ist, damit man eben auch sicher geht. Das reicht also nicht, bloß die Hand reinzuhalten. Und die genauen Umstände werden wir sicherlich noch klären.

Haben sich die Pflegerinnen schon geäußert?

Klaus Wiechmann: Es musste erst einmal das Ergebnis der Sektion abgewartet werden. Das liegt jetzt vor, sodass jetzt natürlich auch an die Beschuldigten herangetreten wird. Und dann wird man erfahren, ob sie sich zu den Vorwürfen äußern, ob sie sich anwaltlich vertreten lassen, all diese Fragen. Das ist dann den weiteren Ermittlungen vorbehalten.

Das Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 01.03.17 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Juli 2018, 11:46 Uhr

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1 Kommentar

01.03.2017 17:23 Die Sprache verrät letztlich immer die Verhältnisse 1

"Das stand ihm zu, er ist Pflegepatient gewesen, 79 Jahre alt."

Eine bemerkenswerte Formulierung - man bilde ihre Umkehr. Ganz unabhängig vom Fall selbst...