Untersuchungen zur Unglücksursache Verpuffung in Grube Teutschenthal: Ermittlungen vor Abschluss

Zuerst war von einer Explosion im Bergwerk der Grube Teutschenthal die Rede. Dann war schnell klar: Unter Tage hatte es eine Verpuffung gegeben, zwei Arbeiter wurden verletzt, mehr als 30 Bergarbeiter mussten Schutzräume aufsuchen. Jetzt stehen die Untersuchungen zur Unglücksursache vor dem Abschluss.

Grube Teutschenthal
An der Schachtanlage Angersdorf gab es einen Sicherheitsraum, den die Kumpel aufgesucht haben. (Archiv) Bildrechte: Bavaria Entertainment GmbH

Knapp drei Monate nach der Verpuffung in der Grube Teutschenthal im Saalekreis stehen die Ermittlungen zur Unglücksursache kurz vor dem Abschluss. Ein Sprecher der Polizei teilte mit, dass man "nach dem momentanen Stand" von einem Arbeitsunfall ausgehe. Die Polizeiinspektion Halle hatte unmittelbar nach dem Unglück im November Ermittlungen wegen fahrlässiger oder vorsätzlicher Körperverletzung eingeleitet. Diese seien weitestgehend abgeschlossen.

Es fehlten aber noch die Untersuchungsergebnisse des Landesamts für Geologie und Bergwesen (LAGB). Dessen Bericht werde voraussichtlich im Februar vorgelegt, teilte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums in Magdeburg auf Nachfrage der Deutschen Presseagentur mit. Das Papier enthalte neben dem Ablauf und der Ursache des Unfalls auch Schlussfolgerungen für den weiteren Betrieb der Grube. Details wollte der Sprecher noch nicht nennen.

Ein Verletzter noch in Behandlung

Karte der Explosion in der Grube Teutschenthal
Die Grube Teutschenthal im Saalekreis, westlich von Halle Bildrechte: MDR/Manuel Mohr/OSM

Die Befragungen der beiden Verletzten sei erst kürzlich abgeschlossen worden. Außerdem habe es umfangreiche Nachforschungen und Abstimmungen mit Gutachtern und Experten und der Polizei gegeben, so das Ministerium.

Der Gesundheitszustand der bei der Verpuffung verletzten beiden Bergwerksarbeiter ist laut einer Unternehmenssprecherin sehr unterschiedlich. Ein bei der Verpuffung leicht verletzter Mitarbeiter arbeite seit längerem wieder. Ein schwer verletzter zweiter Mitarbeiter befinde sich noch in ärztlicher Behandlung.

Entzündeter Wasserstoff als Ursache wahrscheinlich

Am Unglückstag war vermutet worden, dass es zu der Verpuffung durch eine Ansammlung von Wasserstoff, der sich entzündete, gekommen sei. Die Grubenwehr hatte die Konzentration nach dem Unglück vor Ort gemessen.

Es seien aber keine giftigen Stoffe ausgetreten oder in die Umwelt gelangt, so ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums unmittelbar nach dem Unglück. Die Verpuffung habe keine größeren Schäden angerichtet.

Verletzte durch Verpuffung

Grube Teutschenthal
Sicherheitsräume sind im Schachtbereich Teutschenthal und Angersdorf bei Halle vorhanden. (Archiv) Bildrechte: imago/Steffen Schellhorn

Die Verpuffung war am Freitagmorgen, dem 8. November 2019 in etwa 700 Metern Tiefe passiert. Ein 44-Jähriger war dabei schwer und ein 24 Jahre alter Mann leicht verletzt worden. Sie wurden unmittelbar nach dem Vorfall von der Grubenwehr gerettet.

Mehr als 30 Männer mussten Schutzräume aufsuchen und konnten nach etwa zwei Stunden die Grube unverletzt verlassen. Mitglieder der Grubenwehr waren während der Verpuffung selbst mit unter Tage.

Hintergründe zur Grube Teutschenthal

Die Grube Teutschenthal ist ein Kali- und Steinsalzbergwerk, das bis 1982 betrieben wurde – in 700 Metern Tiefe, auf 14 Quadratkilometern. Die Grube ist einsturzgefährdet. 1996 gab es einen Gebirgsschlag, der im Umkreis von rund 100 Kilometern zu spüren war. Seit vielen Jahren wird sie deshalb mit Müll verfüllt – auch mit Filterstäuben aus Müllverbrennungsanlagen.

"In dem Filterstaub ist auch Wasserstoff enthalten", sagte Erik Fillinger, technischer Geschäftsführer der Grube. Das Landesbergamt hatte in einer ersten Stellungnahme die Vermutung geäußert, dass Wasserstoff bei der Verpuffung in der Grube in Sachsen-Anhalt eine Rolle gespielt haben könnte.

Laut der Landesanstalt für Altlastenfreistellung Sachsen-Anhalt ist es im Bereich des Teutschenthaler Bergbaus in der Vergangenheit mehrfach zu massiven Gebirgsschlägen gekommen. Dabei seien ganze Grubenfelder zerstört worden. Ohne Vorsorgemaßnahme seien weitere Gebirgsschläge in den noch offen stehenden Grubenhohlräumen nicht auszuschließen, so die Landesanstalt.

Von 1905 bis 1982 wurden bei Teutschenthal Kali- und Steinsalze abgebaut. Die drei Gebirgsschläge seien besonders am Rand von Halle deutlich spürbar gewesen und hätten zu teilweisen Zusammenbrüchen der Hohlräume und zu Schäden an der Erdoberfläche geführt.

Quelle: dpa,MDR/mp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 03. Februar 2020 | 09:00 Uhr

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