Haushalt Bad Dürrenberg stemmt Mehrkosten für Gradierwerk

Bad Dürrenberg ohne Gradierwerk? – Undenkbar. Doch der Wiederaufbau eines Teils der Rekord-Anlage wird deutlich teurer als gedacht. Das zusätzliche Geld hat die Stadt nun freigegeben – auch mit Blick auf die anstehende Landesgartenschau.

Gradierwerk in Bad Dürrenberg
Teures Wahrzeichen: Der Wiederaufbau des Querriegels wird teurer als ursprünglich gedacht. Bildrechte: imago images/Steffen Schellhorn

Das Gradierwerk in Bad Dürrenberg wird bis zur Landesgartenschau im Jahr 2022 wieder komplett sein. Mit absoluter Mehrheit hat der Stadtrat am Donnerstagabend den dafür nötigen Nachtragshaushalt beschlossen. Bürgermeister Christoph Schulze sagte MDR SACHSEN-ANHALT nach der Abstimmung, er sei unheimlich erleichtert. "Ohne den Nachtragshaushalt hätte hinter dem Wiederaufbau des Gradierwerks ein großes Fragezeichen gestanden", so das Stadtoberhaupt.

Was verspricht die Landesgartenschau 2022?

Nach Entscheidung einer Fachjury und Zustimmung durch die Landesregierung erhielt Bad Dürrenberg im März 2017 den Zuschlag für Sachsen-Anhalts fünfte Landesgartenschau im Jahr 2022. Die Stadt setzte sich damit gegen die Mitbewerber Dessau-Roßlau, Blankenburg und Ballenstedt durch.

Das Konzept Bad Dürrenbergs heißt "Salzkristall und Blütenzauber". Ziel ist demnach, eine Verbindung von Alt und Neu, Industrie, Natur sowie Kultur zu schaffen. Bis 2020 sollen unter anderem der historische Kurpark inklusive Gradierwerk saniert werden – um sich als kultureller Mittelpunkt der Stadt neu zu präsentieren. Auch die Saalehänge mit alten Wegen an den Fluss sollen wiederhergestellt werden, dazu Sichtachsen auf die Leunawerke.

Nach Angaben des Landes werden Investitionen in Höhe von rund 10 Millionen Euro nötig sein. Hinzu kommen weitere 3,3 Millionen Euro für Veranstaltungen. Sachsen-Anhalt gibt dazu Fördergeld sowie einen sogenannten Sockelbetrag – laut Ausschreibung von 2015 in Höhe von fünf Millionen Euro.

Wer kriegt die Landesgartenschau 2026?

Für die übernächste Landesgartenschau läuft derzeit noch das Bewerbungsverfahren. Städte und Gemeinden können bis Mitte Juni ihre Konzepte einreichen. Besonderes Augenmerk wird dabei auf Gartenbau-Ideen, touristische Themen sowie ein Finanzierungs-Plan gelegt. Das Landwirtschaftsministerium stellt dem Sieger als Planungssicherheit sechs Millionen Euro als Sockelbetrag zur Verfügung.

Bad Dürrenberg selbst muss 90.000 Euro Eigenanteil für den Wiederaufbau des Querriegels des Gradierwerks stemmen. Der Rest wird durch Fördergelder von Land und Landkreis sowie durch Spenden gestemmt. Hintergrund: Der Abriss und der nun anstehende Wiederaufbau eines maroden Querstücks werden mehr kosten als ursprünglich geplant. Das 100 Meter lange Holzbauwerk wird rund drei Millionen Euro kosten. Das Gradierwerk ist ein Wahrzeichen Bad Dürrenbergs und Bestandteil des Konzepts zur Landesgartenschau 2022.

Gradierwerk Bad Dürrenberg
Von oben läuft die Sole über etliche Schwarzdornreisigäste, wodurch Wasser verdunstet und zugleich salzheitige Luft für die Atemwegstherapie entsteht. Bildrechte: MDR/André Plaul

Das Gradierwerk von Bad Dürrenberg Das technische Denkmal stammt aus dem 18. Jahrhundert und bestand ursprünglich aus fünf einzelnen Gradierwerken mit einer Gesamtlänge von 860 Metern – damit war es einst das Größte in Europa. Heute sind noch drei Gradierwerke mit ihren Verbindungsbauten ganz oder teilweise erhalten. Nach Stadtangaben bilden sie noch immer eine Länge von 636 Metern, womit das Gradierwerk Bad Dürrenberg weiter die längste zusammenhängende Anlage Deutschlands bildet. 2005 ging nach zehn Jahren Arbeit eine Grundsanierung des Gradierwerks zu Ende, wofür zehn Millionen Euro investiert worden waren.

Das Gradieren ist ein Prozess, um Siedekosten bei der Salzgewinnung zu sparen. Es erhöht durch Verdunstung den Salzgehalt der Sole. Ein Gradierwerk besteht aus einem Holzgerüst, das mit Schwarzdornreisigbündeln gefüllt ist. Die Sole läuft dann von oben nach unten über die Reisigbündel – und durch die große Oberfläche der Äste verdunstet viel Wasser. Ganz nebenbei entsteht – ähnlich wie am Meer – salzhaltige Luft, die eine positive Wirkung auf die Atemwege hat.  

In Bad Dürrenberg waren 1763 Bergleute in 223 Metern Tiefe auf eine Soleschicht gestoßen. Sie hatte einen Salzgehalt von sieben bis neun Prozent. Nach dem Gradieren wies sie eine Konzentration von 16 bis 18 Prozent auf, was das Salzsieden in Siedepfannen deutlich verkürzt hat.

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Gradierwerk 9 min
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MDR um 4 Mi 29.05.2019 16:30Uhr 08:37 min

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Quelle: MDR/ap

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 29. November 2019 | 09:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. November 2019, 12:20 Uhr

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