Stillegung eines Freilagers Grube Teutschenthal: Protest vor Landtag

Die Arbeiter der Grube Teutschenthal haben am Dienstag vor dem Landtag in Magdeburg demonstriert. Dem Unternehmen droht Stillegung eines Freilagers. Die Arbeiter sehen dadurch ihre Stellen in Gefahr.

Mitarbeiter der Grube Teutschenthal demonstrieren vor dem Landtag in Magdeburg
"Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt" – rund 70 Mitarbeiter der Grube Teutschenthal sangen am Dienstag vor dem Landtag das Lied der Bergleute. Bildrechte: MDR/Christine Warnecke

Rund 70 Mitarbeiter der Grube Teutschenthal Sicherung (GTS) haben am Dienstagabend vor dem Landtag in Magdeburg demonstriert. Sie protestierten gegen eine geplante Stilllegung eines Freilagers. In der Zeit soll stattdessen eine Halle gebaut werden. Laut Wirtschaftsministerium ist der jetzige Zustand der Anlage rechtswidrig. Die Arbeiter befürchten Stellenstreichungen durch die Stilllegung.

"Existenzgefährdend" und "politisch motiviert"

Die GTS sieht sich nach eigenen Angaben in der Existenz bedroht. Grubenbetriebsführer Erik Fillinger sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Das Freilager kann existenzgefährdend sein, da zwei Drittel unserer Versatzmaterialien über das Lager unter Tage gebracht werden." Fällt das Freilager weg, würde das für die GTS "deutliche Umsatzeinbußen" bedeuten. Das Unternehmen könnte mit diesem Defizit nicht länger am Leben erhalten werden, so Fillinger. Insgesamt seien 180 Arbeitsplätze betroffen.

Wie es in der Ankündigung der Demonstration hieß, sehe die GTS die Stilllegung als "politisch motiviert." Wie Fillinger weiter erläutert, habe die Bergbehörde gemeinsam mit dem Unternehmen festgestellt, dass eine Halle nicht errichtet werden kann. Das Problem sei also bekannt.

Laut Fillinger hängt dieser Umstand mit den dort gelagerten mineralischen Abfällen zusammen. Bei der Versatzproduktion entstehe Wärme, die das Gebirge bestehend aus Kalisalz schädigen würde. Daher müssen die Versatzstoffe erst abkühlen, bevor sie Untertage gebracht werden. Dies geschehe in dem Freilager, weil die Wärme entweichen kann, so Fillinger.

Auflage bereits seit 2004

Nach Angaben des Landesamts für Geologie und Bergwesen Sachsen-Anhalt (LAGB) hat sich die vorgesehene Errichtung der Lagerhalle in der ursprünglich geplanten Form zwar als unrealistisch erwiesen, eine Einhausung des Freilagers nach dem Stand der Technik sei aber erforderlich. In dem Freilager werden mitunter giftige Industrie-Abfälle, die unter Tage verbaut werden, gelagert. Das Landesamt hat bereits 2004 eine Halle gefordert.

Die GTS behauptet in einer Pressemitteilung ein alternatives Konzept mit emissionsmindernden Maßnahmen erarbeitet und eingereicht zu haben.

Wirtschaftsministerium weist die Vorwürfe zurück

Das zuständige Wirtschaftsministerium weist eine politische Motivation zurück. Pressesprecher Matthias Stoffregen erklärte MDR SACHSEN-ANHALT, die Hausleitung sei wegen der vermehrten Beschwerden wegen der Geruchsbelastung durch die Grube involviert. "Im Zuge dessen ist es aufgefallen, dass die Auflage seit vielen Jahren nicht umgesetzt wurde", so Stoffregen. Das Wirtschaftsministerium werde auch beim Landesamt nachfragen, weshalb die tatsächlichen Konsequenzen so lange dauerten, so der Pressesprecher.

Ein alternatives Konzept, von dem GTS spricht, habe nie zur Genehmigung vorgelegen, erläutert der Pressesprecher weiter. Eingereicht seien lediglich Unterlagen für eine Umweltverträglichkeitsvorprüfung.

Lager für Industrieabfälle

Die Grube Teutschenthal war zuletzt wegen starker Geruchsbelästigung in den Schlagzeilen. In der Grube, wo früher Kalisalz gewonnen wurde, werden heute Industrieabfälle eingelagert. Mit ihnen werden die unterirdischen Hohlräume gefüllt, um Erdsenkungen oder erdbebenartige Erscheinungen zu verhindern. Aus Sicht des Landesbergamts – so das Ministerium – könnten auch alternative Stoffe für das Verfüllen genutzt werden.

Quelle: MDR,dpa/pat

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 19. Februar 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Februar 2019, 21:09 Uhr

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5 Kommentare

20.02.2019 18:13 lummox 5

macht euch keine sorgen. eure lieben volksvertreter von links bis rechts werden euch nach der nächsten diätenerhöhung gerne eine finanzielle unterstüzung zukommen lassen. ich glaube fest daran das jedem politiker dann das demokratische herz höher schlagen läßt.

20.02.2019 11:05 maheba 4

Jahrelang kräftig Gewinne gescheffelt und jetzt kein Geld für eine "Wellblechhalle". Kann man nicht verstehen - muss man nicht verstehen.

20.02.2019 10:36 flo 3

@MDR Sorry ein Fauxpas meinerseits das stand wohl in der MZ.

Anmerkung MDR SACHSEN-ANHALT: Kein Problem.