Fast eine halbe Stunde Fahrzeit statt zehn Minuten Bürgerinitiative gegen Umleitung zwischen Ziegelroda und Querfurt

30 Kilometer Umleitung wegen eines Brücken-Neubaus – und das für ein ganzes Jahr. Zwischen Ziegelroda und Querfurt im Saalekreis soll die Hauptstraße ab Mai gesperrt werden. Das bedeutet: Fast eine halbe Stunde Fahrzeit, für eine Strecke, die eigentlich in zehn Minuten zu befahren ist. Die Anwohner finden das unzumutbar. Sie wehren sich mit einer Bürgerinitiative.

Screenshot der Seite Stadt Querfurt, Ortsteil Ziegelroda, mit einer Meldung über den Brückenneubau
Auf der Seite von Querfurt wird über die Bürgerinitiative informiert. Bildrechte: Screenshot querfurt.de

Noch fahren die Autos am Blumenladen von Rita Kalbas in Ziegelroda vorbei. Wenn die Hauptstraße zwischen dem Ort und dem 10 Kilometer entfernten Querfurt wie geplant im Mai gesperrt wird, wäre der Laden vom Kundenverkehr abgeschnitten. Und das würde Umsatzverluste bedeuten, erzählt die Floristin MDR SACHSEN-ANHALT. "Ich weiß nicht, wie wir unsere Angestellten auf diese lange Zeit bezahlen sollen. Und es macht einem Kopfzerbrechen, wie es wirtschaftlich hier weitergehen soll. Uns fehlen natürlich Kunden, wenn der Durchgangsverkehr hier nicht mehr langläuft. Wir haben einfach Angst, dass das Geschäft so nicht weiter bestehen bleiben kann."

Für ein Jahr komplett gesperrt

Wenn es so kommt, wie es geplant ist, soll die Straße zwischen Ziegelroda und Querfurt für ein Jahr komplett gesperrt werden, da ein Brückenneubau über eine alte Eisenbahnstrecke bei Leimbach geplant ist. Zwar soll es zwei Umleitungstrecken über Allstedt oder Roßleben und Nebra geben, doch die sind viel zu lang, meint Bäckermeister Gerhard Koch aus Landgrafroda, der mit seinem mobilen Backauto mehrmals täglich auf der Strecke unterwegs ist.

"Da läppern sich so 100 Kilometer zusätzlich zusammen. Das sind Kosten, nicht nur Sprit – auch Personal muss bezahlt werden. Und das ist eigentlich unzumutbar. Vor allen Dingen, wenn das eine Woche wäre oder 14 Tage, das würden wir ohne Weiteres in Kauf nehmen. Aber ein Jahr ist angegeben und das geht nicht. Das ist nicht akzeptabel", meint Koch.

Hin und zurück eine Stunde mehr Fahrzeit

Der Unmut im Ort ist groß. Die Umleitungstrecke würde für die Autofahrer deutlich mehr Fahrzeit bedeuten. Eine Bürgerinitiative hat bereits mehr als 2.200 Unterschriften gegen die Vollsperrung gesammelt – und sie kommen nicht nur aus Ziegelroda, erklärt Ortsbürgermeister Horst Bernhardt: "Es geht nicht nur um die Ziegelrodaer, sondern das ist eine Hauptverkehrsstrecke. Wir haben Unterschriften von Erfurt bis Leipzig. Das ist hier sogar länderübergreifend."

Auch wenn bisherige Lösungsvorschläge von der Landesstraßenbaubehörde abgelehnt wurden, gibt es weitere Ideen: Man könnte Feldwege ausbauen, einen Waldweg benutzen oder eine Pionierschnellbrücke aufbauen. Das sind die Vorschläge auf der Internetseite von Querfurt.

Außerdem konnte die Bürgerinitiative bereits einen Teilerfolg für sich verbuchen. Anfang April soll es zusammen mit der Landesstraßenbaubehörde eine Vorortbesichtigung in Ziegelroda geben. Dabei soll über die Alternativen für die Vollsperrung und über die extrem lange Umleitungsstrecke diskutiert werden.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 14. März 2019 | 12:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. März 2019, 16:28 Uhr

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1 Kommentar

15.03.2019 16:08 Max W. 1

(Auch wenn bisherige Lösungsvorschläge von der Landesstraßenbaubehörde abgelehnt wurden, gibt es weitere Ideen: Man könnte Feldwege ausbauen, einen Waldweg benutzen oder eine Pionierschnellbrücke aufbauen.)

Aber sicher, am besten durch den Ziegelrodaer Forst brettern. So ist das eben in einem Bundesland mit der finanziellen Lage Guatemalas, einer unterdurchschnittlichen und unterfinanzierten Infrastruktur und einer Landesregierung, die sich für "erfolgreich hält. Das Ergebnis kann ja wohl kaum auf Kosten der Naturressourcen gehen und schon garnicht können aufwändige Umleitungsmaßnahmen vom Rest der Steuerbürger mitbezahlt werden. Wer in der Provinz dieses Bundeslandes wohnt, muss damit leben, dass Instandsetzungsarbeiten oder eben Brückenbauten solche Folgen nach sich ziehen. Zumal es zahllose Siedlungen gibt, die nur über eine einzige Strasse erreichbar sind - und die ist häufig genug auf dem baulichen Stand von 1923.

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