Flughafen Leipzig/Halle Verbraucherschützer kritisieren Condor für geplante Urlaubsflüge

Thomas Tasler
Bildrechte: MDR/Thomas Tasler

Weil die Fluggäste ausbleiben, heben schon seit Anfang Dezember keine Passagierflüge mehr vom Flughafen Leipzig/Halle ab. Nun will die Ferienfluggesellschaft Condor ab Ende Januar wieder Urlaubsflüge vom größten mitteldeutschen Flughafen aus anbieten – das sorgt für Kritik.

Condor-Maschine hebt ab
Die geplanten Flüge der Fluggesellschaft Condor von Leipzig/Halle nach Ägypten und auf die Kanaren sorgen für Kritik. Bildrechte: dpa

Viele Flüge werden es nicht sein, die Condor ab 30. Januar wieder von Leipzig/Halle aus aufnehmen will. Aber es ist zumindest ein Anfang für die von der Coronakrise hart getroffene Ferienfluggesellschaft Condor. Die Airline bewirbt die Flüge mit angenehmen Temperaturen an den Zielorten und garantiert "menschenleere Strände, Sonne und Erholung." Denn fünf Mal pro Woche können Urlaubshungrige dann zu Zielen in Ägypten oder auf den Kanarischen Inseln aufbrechen.

Von anderen deutschen Airports starten Flüge schon seit Wochen wieder zu beliebten Urlaubs-Destinationen. Im Vergleich zum Vorjahr sind das natürlich deutlich weniger. Doch Condor-Chef Ralf Teckentrup zufolge spürt man schon, dass sich die Menschen nach Urlaub sehnen: "Das sehen wir an unseren Flügen auf die Kanarischen Inseln, nach Kuba, in die Dominikanische Republik oder auf die Malediven."

Letzter Passagierflug im Dezember

Die Folgen der Krise hat aber auch der Flughafen Leipzig/Halle zu spüren bekommen. In den vergangenenen Monaten musste der Passagierflugverkehr zeitweise immer wieder komplett eingestellt worden. Allein im ersten Halbjahr brachen die Fluggastzahlen um über 70 Prozent ein.

Swimmingpool mit Palmen, Hotelanlage in Santa Cruz, anfliegendes Condor Flugzeug
Wegen der anhaltenden Corona-Pandemie verspricht Condor menschenleere Strände an den Zielorten. Bildrechte: imago images / imagebroker

Die Mitteldeutsche Flughafen AG, Betreibergesellschaft des Flughafens Leipzig/Halle freut sich deshalb auch über die Wiederaufnahme des Passagierflugverkehrs. Vorstandsvorsitzender Götz Ahmelmann erklärt: "Wir sind überzeugt, dass die Nachfrage nach touristischen Flugverbindungen über die Winterferien hinaus deutlich steigen wird, sobald die Reisebeschränkungen fallen."

Verbraucherzentrale kritisiert Condor

Doch wegen genau dieser Reisebeschränkungen regt sich nun Kritik an den Plänen von Condor. Denn Simone Meisel von der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt hat kein Verständnis für die Ankündigung des Ferienfliegers: "Das ist für uns als Verbraucherschützer überhaupt nicht nachvollziehbar. Zumal im mitteldeutschen Raum die Pandemielage nicht die beste ist."

Die 7-Tage-Inzidenz in Sachsen-Anhalt hat am Mittwoch erneut einen Rekordwert erreicht. Die Zahl gibt an, wie viele Menschen pro 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen positiv auf Corona getestet worden. Nach Angaben des Sozialministeriums lag der Wert am Mittwoch bei 261. Der bundesweite Durchschnitt der Inzidenz lag mit 155 hingegen deutlich niedriger.

Condor-Sprecherin Magdalena Hauser kann zwar verstehen, dass angesichts dieser Zahlen nicht jedem der Sinn nach einer Urlaubsreise steht, sie verteidigt aber die Entscheidung der Fluggesellschaft. "Fakt ist, dass die Infektionszahlen vor Ort deutlich niedriger sind als in Deutschland, so dass es für diejenigen, für die das infrage kommt, es eine schöne Option ist, in den Urlaub zu fliegen", so Hauser.

Zwei-Test-Strategie für Rückkehrer aus Risikogebieten

Reiserückkehrer gehen zum Corona-Testzentrum im Flughafen Düsseldorf.
Für Reiserückkehrer aus Risikogebieten gilt nach der Landung eine Test- und Quarantänepflicht. Bildrechte: dpa

Simone Meisel von der Verbraucherzentrale weist aber auch daraufhin, dass seit dieser Woche bundesweit die sogenannte Zwei-Test-Strategie gelte. Reiserückkehrer aus internationalen Risikogebieten müssen sich demnach digital vor Einreise anmelden und entweder maximal 48 Stunden vor oder unmittelbar nach der Landung einen Corona-Test machen. Zudem gelte für diese Reiserückkehrer eine zehn Tage lange Quarantäne, die nur mit einem negativen Corona-Test ab Tag fünf verkürzt werden kann.

Es muss sich jeder Einzelne selbst fragen, ob es klug ist, jetzt zu verreisen.

Ute Albersmann Sozialministerium Sachsen-Anhalt

Auch beim Sozialministerium ist man deshalb skeptisch. Sprecherin Ute Albersmann meint, wegen der Zwei-Test-Strategie müsse jeder selbst nochmal überprüfen, ob Kosten und Nutzen einer Reise in einem sinnvollen Verhältnis stehen.

Hohe Inzidenzwerte können Anreise zum Flughafen verhindern

Albersmann weist auch darauf hin, dass für viele Reisewillige schon die Anreise zum Flughafen gar nicht möglich sein wird: "Wir werden in vielen Landkreisen aufgrund der hohen Inzidenzen einen 15-Kilometer-Radius bekommen, aus dem sich die Leute nicht aus ihrem Heimatort entfernen dürfen." Deshalb sei der Flughafen Leipzig/Halle oft gar nicht zu erreichen. Zudem sei eine Urlaubsreise auch kein triftiger Grund, den Radius zu verlassen.

Hintergründe und Aktuelles zum Coronavirus – unser Newsletter

In unserem Newsletter zur Corona-Lage in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen fassen wir für Sie zusammen, was am Tag wichtig war und was für Sie morgen wichtig wird.

Das Corona-Daten-Update – montags bis freitags um 20 Uhr per Mail in Ihrem Postfach. Hier können Sie den Newsletter abonnieren.

Nach Aussage der Verbraucherzentrale trägt zudem der Kunde das Risiko allein, sollte der Urlaub aufgrund von Einreisebestimmungen im Zielland nicht angetreten werden können. Verbraucherschützerin Simone Meisel rät daher, sich sowohl vor Reiseantritt, als auch schon vor der Buchung die Corona-Beschränkungen am Urlaubsort genau anzusehen.

Der Verbraucher hat die Verantwortung, im Vorfeld abzuklären, wie sind die Einreisebedingungen am Zielort.

Simone Meisel Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt

Andernfalls drohe Urlaubern auf den Kosten sitzen zu bleiben, wenn sie beispielsweise wegen fehlender Corona-Testergebnisse am Zielflughafen gar nicht den Flieger verlassen dürfen und direkt zurück nach Deutschland fliegen müssen, erklärt Meisel. "Da muss ich mich als Verbraucher selber kümmern. Hier haftet die Fluggesellschaft in keinem Fall“ so Meisel.

Wer sich trotz dieser Hürden für eine Urlaubsreise entscheidet, für den gelte auch an Bord der Flugzeuge – ähnlich wie in öffentlichen Verkehrsmitteln – eine Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, betont Condor-Sprecherin Hauser. Die Besatzungen seien geschult, die Einhaltung dieser und anderer Regeln zu kontrollieren: "In jedem einzelnen Fall eines Gastes, der sich nicht an die Regeln hält, behalten wir uns rechtliche Schritte vor, ahnden das entsprechend und übergeben den Gast nach Ankunft den Behörden."

Geringes Infektionsrisiko an Bord von Flugzeugen

Zudem sei das Infektionsrisiko an Bord eines Flugzeuges der Condor-Sprecherin zufolge extrem niedrig: "Denn die Luft in einem Flugzeug bewegt sich anders als außerhalb eines Flugzeugs. Die Luftströme verlaufen wegen der Klimaanlage von oben nach unten" erklärt Hauser. Branchenverbänden zufolge sollen zudem sogenannte Hepa-Filter (High-Efficiency Particulate Air) die Kabinenluft reinigen. Studien zeigen aber, dass es mitunter minutenlang dauert, bis die komplette Luft im Flugzeug ausgetauscht ist und dass es auf Flügen durchaus zu Ansteckungen kommen kann.

Der Flughafen Leipzig/Halle sieht sich trotz alledem gut gerüstet für die ersten Passagierflüge im neuen Jahr. Flughafensprecher Uwe Schuhart zufolge sind alle erforderlichen Hygiene- und Abstandregelungen schon im vergangenen Jahr umgesetzt worden: "Das geht damit los, dass Desinfektionsspender bereitgestellt wurden, dass Abstandsmaße auf dem Boden angebracht wurden, dass Durchsagen eingespielt werden können, sodass ein sicheres Reisen möglich ist." Und selbstverständlich gelte auch im Terminal eine Mund-Nasen-Schutz-Pflicht.

Thomas Tasler
Bildrechte: MDR/Thomas Tasler

Über den Autor Thomas Tasler arbeitet seit Juni 2019 bei MDR SACHSEN-ANHALT. Er schreibt in der Online-Redaktion und ist als Reporter im Radio zu hören. Bevor der gebürtige Südthüringer nach Magdeburg kam, hat er in Leipzig bei MDR AKTUELL und mephisto 97.6 Station gemacht. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Luftfahrt und ist bei diesem Thema Ansprechpartner Nummer eins im Funkhaus.

Mehr zum Thema

Sendungsbild 89 min
Flughafen Leipzig-Halle. Bildrechte: MDR

Quelle: MDR/tt

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 14. Januar 2021 | 12:00 Uhr

0 Kommentare

Mehr aus Saalekreis, Raum Halle und Raum Leipzig

Mehr aus Sachsen-Anhalt