Luftfahrt in der Corona-Krise Flughafen Leipzig/Halle: Viel Betrieb und wenig Platz

Thomas Tasler
Bildrechte: MDR/Thomas Tasler

Die Corona-Krise hat die Luftfahrtbranche hart getroffen. Weil die Fluggäste ausbleiben, müssen die meisten Flugzeuge am Boden bleiben. Während einige Airlines noch auf der Suche nach Dauerparkplätzen für ihre Maschinen sind, dürften sie am Flughafen Leipzig/Halle kaum fündig werden. Denn dort herrscht trotz Krise noch immer viel Verkehr.

Passagiermaschinen am Flughafen Leipzig/Halle
Bislang sind am Flughafen Leipzig/Halle nur einige wenige Flugzeuge dauerhaft abgestellt. Bildrechte: Mitteldeutsche Flughafen AG

Verwaiste Terminals und abgestellte Flugzeuge – die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind auch an den Flughäfen sichtbar. Deutschlands größte Fluggesellschaft, die Lufthansa, musste deshalb 700 ihrer gut 760 Flugzeuge vorübergehend stilllegen. Vor allem an den großen Drehkreuzen München und Frankfurt/Main warten die abgestellten Flieger nun auf bessere Tage.

Weil auf dem Frankfurter Vorfeld kaum noch Platz für die Maschinen ist, wurde dort sogar eine der Landebahnen kurzerhand zum Flugzeugparkplatz umfunktioniert. Da es dort aber immer enger wurde, hat die Kranich-Airline zwei ihrer Airbusse inzwischen auch am Flughafen Leipzig/Halle abgestellt.

Passagiermaschinen der Lufthansa stehen auf der gesperrten Landebahn Nordwest des Frankfurter Flughafens.
Der Flughafen Frankfurt/Main hat bereits eine seiner Landebahnen zum Flugzeugparkplatz umfunktioniert. Bildrechte: dpa

Begrenzte Parkflächen in Leipzig/Halle

Flughafensprecher Uwe Schuhart zufolge haben auch die Ferienfluggesellschaften Condor und SunExpress je eine ihrer Maschinen hier zwischengeparkt. So viel mehr Dauerparker könnten auf dem größten mitteldeutschen Airport aber nicht dazu kommen, erklärt Schuhart MDR SACHSEN-ANHALT. Denn Platz für länger abgestellte Flugzeuge habe man lediglich auf dem Vorfeld direkt am Terminal und dort seien die Parkflächen begrenzt.

Zumindest die Condor könnte aber einige dieser freien Flächen in den kommenden Tagen noch nutzen wollen. Während die meisten Airlines ihre Flotten bereits am Boden lassen, sind die meisten Maschinen der Condor eigenen Angaben zufolge noch unterwegs. Im Auftrag des Auswärtigen Amtes bringt die Ferienfluggesellschaft dieser Tage zahlreiche gestrandete Touristen nach Deutschland zurück.

Airlines suchen noch nach Parkplätzen

Aber diese Flüge sind schon bald vorbei, erklärte Condor-Sprecherin Magdalena Hauser MDR SACHSEN-ANHALT. Daher suche man bereits nach geeigneten Orten, um die über 50 Flugzeuge umfassende Flotte dauerhaft parken zu können. Weil in Frankfurt, dem Drehkreuz der Condor, aber kaum noch Platz sei, fragt das Unternehmen Hauser zufolge nun auch gezielt bei kleineren Airports nach freien Stellflächen.

So seien sowohl die kleinen Regionalflughäfen in Münster und Kassel aber eben auch Leipzig/Halle im Gespräch. Mehr als eine Handvoll Flugzeuge werden es aber kaum sein, die in Leipzig für die kommenden Wochen oder sogar Monate geparkt werden. Das räumt auch die Condor-Sprecherin ein.

Theoretisch können in Leipzig/Halle zwar noch deutlich mehr Maschinen geparkt werden, denn Flughafensprecher Schuhart zufolge verfügt der Airport über viel Platz auf den Rollwegen. Den brauche man aber gerade dieser Tage für den noch immer regen Flugbetrieb am Platz.

Frachtmaschinen fliegen trotz Corona-Krise

Denn während die Passagierflüge auch in Leipzig/Halle ausgesetzt wurden, läuft der Frachtverkehr uneingeschränkt weiter. Bereits vor Beginn der Corona-Krise haben die Frachtflieger einen Großteil der Flugbewegungen am Airport ausgemacht. Mehr als 50 Frachtfluglinien steuern das Drehkreuz mittlerweile an und mit rund 1,22 Millionen Tonnen jährlicher Luftfracht ist Leipzig/Halle zudem der zweitgrößte deutsche Frachtflughafen nach Frankfurt/Main.

Einer Antonow AH-124-100 der Volga-Dnepr Airlines fährt auf dem Flughafen Leipzig/Halle 2013 ein Follow-me-Car voraus.
Schon vor Beginn der Corona-Krise waren die meisten in Leipzig/Halle landenden Flugzeuge Frachtmaschinen. Bildrechte: dpa

Vor allem zeitkritische Güter wie Medikamente oder frische Nahrungsmittel werden oft per Flugzeug transportiert. Mit der Einstellung der meisten Passagierflüge ist der Versand dieser Waren aber deutlich schwieriger geworden. Denn bislang wurden sie meist im Frachtraum der nun abgestellten Passagierflugzeuge transportiert. Branchenbeobachter erwarten daher, dass in den kommenden Monaten deutliche mehr Frachtflüge abheben, von denen wohl auch viele in Leipzig/Halle landen werden.

Drehkreuz in Richtung Asien

Der Airport an der Grenze zwischen Sachsen und Sachsen-Anhalt ist mit seinen wöchentlichen Flügen nach China schon jetzt einer der wichtigsten Logistikstandorte für den Warenaustausch zwischen Europa und China, dass etwa 90 Prozent der Welt-Produktion von Mundschutz stemmt.

Zudem kann der Flughafen seit Anfang Februar auch besonders temperaturempfindliche Pharmasendungen abfertigen. Das können sowohl Grundstoffe sein, aus denen Arzneimittel hergestellt werden, aber auch bereits fertig produzierte Medikamente wie beispielsweise Insulin.

Nächtliche Rush Hour

Die meisten Frachtflugzeuge steuern den Flughafen dabei in der Nacht an und da kann es dann – trotz der beiden parallel verlaufenden Start- und Landebahnen auch schon mal eng werden. Der Deutschen Flugsicherung zufolge landet in den nächtlichen Stoßzeiten mitunter alle zwei Minuten eine Maschine. Pro Nacht seien das im Schnitt etwa 65 bis 70 Maschinen.

Dass eine Landebahn in Leipzig/Halle – ähnlich wie in Frankfurt/Main – zu einem großen Parkplatz für abgestellte Flugzeuge umfunktioniert wird, ist Flughafensprecher Uwe Schuhart zufolge daher eher unwahrscheinlich. Denn solange es weiter jede Nacht so viele Frachtflüge gibt, könne der Flughafen auf keine seiner beiden Pisten verzichten.

Thomas Tasler
Bildrechte: MDR/Thomas Tasler

Über den Autor Thomas Tasler arbeitet seit Juni 2019 bei MDR SACHSEN-ANHALT. Er schreibt in der Online-Redaktion und ist als Reporter im Radio zu hören. Bevor der gebürtige Südthüringer nach Magdeburg kam, hat er in Leipzig bei MDR AKTUELL und mephisto 97.6 Station gemacht. In seiner Freizeit dreht sich fast alles um die Luftfahrt – kein Wunder, dass er bei diesem Thema Ansprechpartner Nummer eins im Funkhaus ist.

Quelle: MDR/tt

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 31. März 2020 | 08:30 Uhr

1 Kommentar

sachsenanhalter vor 8 Wochen

Beim lesen des Artikels habe ich mir die Frage gestellet, warum die Fachtflüge nicht - zumindest zum Teil - auf Tagsüber verlegt werden. Anders als womöglich im Alltag gibt es jetzt - zumindest vorrübergehend - genug freie Slots. Schade das der Artikel es nicht thematisiert.

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