Ralf Wunschinski, Bürgermeister von Teutschenthal.
Im Mai entscheiden die Bürger über die Zukunft von Teutschenthals Bürgermeister Ralf Wunschinski. Bildrechte: MDR/Fabian Brenner

Bürger entscheiden Gemeinderat Teutschenthal beschließt Abwahlverfahren für Bürgermeister

Teutschenthals Bürgermeister Ralf Wunschinski muss sich einem Abwahlverfahren stellen. Im Mai entscheiden die Bürger über seine Zukunft. Pikant: Vor der entscheidenden Gemeinderatssitzung soll es Beeinflussungsversuche gegeben haben.

Ralf Wunschinski, Bürgermeister von Teutschenthal.
Im Mai entscheiden die Bürger über die Zukunft von Teutschenthals Bürgermeister Ralf Wunschinski. Bildrechte: MDR/Fabian Brenner

Der Gemeinderat Teutschenthal im Saalekreis hat am Mittwochabend ein Abwahlverfahren gegen Bürgermeister Ralf Wunschinski (CDU) beschlossen. 22 Räte stimmten für die Abwahl, nur einer dagegen. Ende Mai sollen die Bürger über die Zukunft des 53-Jährigen entscheiden. Bis dahin hat der Gemeinderat Wunschinski beurlaubt. Er darf seine Amtsgeschäfte vorerst nicht mehr ausüben.

Monatelang Kritik an Wunschinski

Seit Monaten gab es Kritik an Wunschinskis Amtsführung. Der Hauptvorwurf: Der Bürgermeister soll an den Gemeinderäten vorbei gearbeitet haben. Deshalb sei das Vertrauen in seine Arbeit verloren gegangen.

Konkret moniert wurde etwa die Entlassung einer Kita-Leiterin. Auch die Einstellung eines Bauamtsleiters, dem die Qualifikation gefehlt haben soll, wird Wunschinski angelastet. Besonders, weil der Mann auch private Verbindungen zum Bürgermeister gehabt haben soll. Zudem sorgte eine Spitzelaffäre für Aufsehen – auch wenn sich im Nachhinein herausstellte, dass es gar keine Bespitzelung gab. Schließlich soll Ralf Wunschinski 200.000 Euro für die Planung einer Kita im Ortsteil Angersdorf ausgegeben haben – ohne den Gemeinderat zu informieren.

Gemeinderat Tilo Eigendorf sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Die Differenzen, die in den letzten Wochen und Monaten zu Tage getreten sind, haben sich extrem gehäuft. Aus unserer Sicht sind diese Punkte auch recht schwerwiegend. Das muss ernsthaft geprüft werden. Weil sich die Aufsichtsbehörden bisher nicht mit Ruhm bekleckert haben, wurde uns das Heft des Handels in die Hand gelegt."

Wunschinski sieht sich als Opfer

Der Gemeinderat hatte im Sommer 2018 eine Liste mit vermeintlichen Verstößen Wunschinskis an die Kommunalaufsicht übergeben. Ein Großteil der 18 Vorwürfe wurde aber inzwischen als obsolet erklärt. Der CDU-Politiker beteuerte vor einigen Wochen, dass er sich nichts vorzuwerfen habe. Im Gegenteil: Wunschinski sieht sich als Opfer einer Social-Media-Kampagne. Er erwartet, dass auch die anderen Vorwürfe gegen ihn bald ausgeräumt werden können.

Ralf Wunschinski Ralf Wunschinski hatte im September 2016 knapp die Wahl zum Bürgermeister der Gemeinde im Saalekreis gegen den FDP-Mitbewerber Frank Witte gewonnen. Von 2011 bis 2016 war der CDU-Politiker Abgeordneter des Landtages in Magdeburg.

Beeinflussung von Gemeinderatsmitgliedern?

Vor der Gemeinderatsitzung gab es zusätzliche Aufregung. So soll es Versuche gegeben haben, einzelne Gemeinderatsmitglieder zu überzeugen, nicht an der Sitzung teilzunehmen.

Frank Leske (CDU), berichtet MDR SACHSEN-ANHALT von einem Anruf: "Unser Landtagsabgeordneter Frank Bommersbach hat mich angerufen und hatte die dringende Bitte an mich, die Sitzung nicht zu besuchen. Stattdessen sollte ich Notfälle in meiner Praxis behandeln. Aber wenn ich eine Meinung habe, vertrete ich die auch. Ich bin keiner, der sich dreht wie ein Kreisel. Deswegen fand ich die Anfrage respektlos." Frank Bommersbach hatte einen solchen Anruf abgestritten.

Ein Blatt mit der Aufschrift Gemeinde Teutschenthal liegt in einer Akte
Vor der Gemeinderatsitzung soll es Beeinflussungsversuche gegeben haben. (Archivbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Hohe Hürde für Abwahl

Am Ergebnis änderte es ohnehin nichts. Ralf Wunschinski muss sich einem Abwahlverfahren stellen. Am 26. Mai – wenn auch die Europa- und Kommunalwahl stattfindet – entscheiden die gut 13.000 Bewohner der Gemeinde Teutschenthals über seine Zukunft. 30 Prozent der Wahlberechtigten müssen dem Abwahlantrag zustimmen.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 28. Februar 2019 | 06:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Februar 2019, 14:03 Uhr

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