Gesprächsrunde zum Gestank Grube Teutschenthal: Runder Tisch findet kaum Anklang

Der erste Runde Tisch zum Gestank der Grube Teutschenthal durch die Grube Angersdorf im Saalekreis ist zusammengekommen – mit wenigen Teilnehmern. Einige geladene Gäste hatten den Sinn des Treffens infrage gestellt und waren deshalb nicht gekommen. Der Grubenbetreiber bedauert die geringe Teilnehmerzahl. Anwohner klagen nicht nur über Gestank, sondern auch über gesundheitliche Probleme.

Auf einem aufgestellten weißen Schild steht in rot und schwarz geschrieben: Stoppt das Giftlager in Agersdorf
Nicht nur der Geruch der Grube stört die Anwohner in Teutschenthal. Sie wollen, dass das der giftige Müll verschwindet. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die gedeckte Tafel in Teutschenthal blieb am Mittwoch größtenteils unbesetzt. Dort fand am Abend der erste Runde Tisch zum Gestank in der Umgebung durch die Grube im Teutschenthaler Ortsteil Angersdorf statt. Allerdings mit geringer Beteiligung: Von 16 geladenen Personen kamen vier Anwohnerinnen aus Teutschenthal und der Geschäftsführer der Betreiberfirma, Hans-Dieter Schmidt, zusammen mit einer Mitarbeiterin. Am Runden Tisch durften nur geladene Gäste teilnehmen.

Die meisten Anwohner dagegen haben sich an dem Abend anderenorts versammelt, um ein Zeichen gegen die Stinke-Grube zu setzen. Eine der aufgebrachten Bürger vor Ort Ilona Misgaiski. Sie wohnt unweit der Grube. Misgaiski sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Es stinkt eigentlich immer." Sogar ein Bürger aus Halle-Neustadt habe die Polizei gerufen, weil es selbst dort gestunken habe. Die Feuerwehr sei gekommen und habe Messungen durchgeführt. Geändert habe das aber nichts. Auch am Folgetag sei der Geruch noch so stark gewesen, dass sie erneut Wehrleiter, Bürgermeister und Ordnungsamt alarmiert habe.

Belastungen nehmen zu

Der Verursacher des üblen Gestanks ist für die Anwohner klar: Der Schacht "Halle" in Angersdorf, der zur Grube Teutschenthal gehört. Auch Rauch steigt ab und an aus dem Schacht auf, wie ein Video zeigt, das MDR SACHSEN-ANHALT vorliegt. So stark, dass sogar die Feuerwehr schon ausrückte.

Doch nicht nur der Geruch ist eine Belastung für die Menschen vor Ort. Auch über gesundheitliche Beschwerden klagten Anwohner bereits mehrfach. Misgaiski sagte, die gesundheitlichen Belastungen würden schlimmer. Nur bekämen sie von niemandem eine Bestätigung über die Ursache. Deswegen seien die Bürger mittlerweile dabei, Blutproben-Untersuchungen machen zu lassen. Mit einer Beseitigung des Gestanks allein wollen sich die Anwohner deswegen nicht abspeisen lassen:

Eine Frau gibt dem MDR ein Interview
Anwohnerin Ilona Misgaiski Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wir wollen auch, dass nicht nur der Geruch weg ist, denn die Gifteinlagerungen bleiben. Da muss grundlegend etwas geändert werden.

Ilona Misgaiski, Anwohnerin

Anwohner fühlen sich nicht ernst genommen

Am Mittwochabend nun hatte der Betreiber der Grube zu dem ersten Runden Tisch geladen. Auch Familie Misgaiski war eingeladen. Doch wie andere auch verzichteten sie auf die Teilnahme. Den Grund erklärt Misgaiski folgendermaßen: "Wir haben schon zwei Infoveranstaltungen besucht und wir haben da kein Interesse mehr dran, weil wir uns nicht ernst genommen fühlen." Dort werde nicht das erzählt, was die Betroffenen wirklich wissen wollten.

Wir wollen wissen, was das für Gifte sind. Wir wollen die Wahrheit wissen und nicht angelogen werden.

Ilona Misgaiski, Anwohnerin
Mehrere Menschen haben sich vor einer Art Carport versammelt und hören einem Redner zu
Misgaiski protestierte gemeinsam mit anderen Anwohnern. Bildrechte: MDR/Marie-Luise Luther

Misgaiski protestierte gemeinsam mit anderen Anwohnern vor dem Gebäude, in dem der Runde Tisch stattfand. Medienvertreter mussten vor verschlossener Tür warten. Nach rund zwei Stunden Gespräch verließen die vier Teilnehmerinnen die Veranstaltung, ohne an die Medien zu treten. Der Geschäftsführer des Grubenbetreibers GTS, Hans-Dieter Schmidt, sagte MDR SACHSEN-ANHALT im Anschluss: "Es war ein sehr intensives Gespräch mit den Teilnehmern. Die Teilnehmer haben sich entschieden, dass Sie sich bitte mit ihren Fragen zum heutigen Gespräch an den Unternehmenssprecher der Geiger-Gruppe wenden möchten." Die Geiger-Gruppe ist Eigentümerin der Grube.

Betreiber bedauert geringe Teilnahme

In einer Mitteilung der Geiger-Gruppe hieß es dann am Donnerstag, man bedauere sehr, dass weder Bürgermeister Ralf Wunschinski noch die Bürgerinitiative oder Anwohner von Angersdorf am Runden Tisch teilgenommen hätten. "Das zeigt uns, dass sie kein Interesse an einem konstruktiven Dialog mit der Grube für eine Lösung der momentanen Geruchssituation haben", wurde GTS-Geschäftsführer Schmidt in der Mitteilung zitiert.

Eine Lösung für die Anwohner ist damit vorerst nicht in Sicht. Der Streit in Teutschenthal geht weiter. Am 9. Januar 2019 soll es den nächsten Runden Tisch geben.

Quelle: MDR/cw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 15. November 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. November 2018, 20:35 Uhr

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3 Kommentare

17.11.2018 10:05 flo 3

Es gab mal eine Partei die sich gegen Umweltprobleme eingesetzt hat. Die haben aber gerade andere Themen auf dem Schirm.
Herr Striegel war ja bei GTS als Gast. Vllt. gab es ja eine Parteispende, Wahlkampf ist ja teuer.

16.11.2018 10:12 Marina Brose 2

Für mich ist es nachvollziehbar,dass so wenig Bürger gekommen sind.
Leider kam die Information für diese Veranstaltung zu spät.
Auch ich bin betroffen,seit Monaten habe ich einen starken Husten,morgens nach dem Aufstehen ist mir spei übel.
Ich schlafe bei offenem Fenster ,wohne in Holleben.
Jetzt wird mir klar,woran das liegt, leider kann man das noch nicht nachweisen.
Es ist unverantwortlich,wie mit der Gesundheit der Anwohner umgegangen wird, und es wird noch dauern.
Messungen......., Untersuchungen........, Hinhaltetaktik.......
Die Politik versagt Mal wieder,......

16.11.2018 07:41 maheba 1

Wenn ich bei mir auf dem Hof was verbrenne kommt gleich das Ordnungsamt.
Komisch - hier passiert nichts.

GTS, die hatten doch schon einen Giftmüllskandal?