Mehrere Menschen im Anzug sitzen bei einem Bürgerforum auf dem Podium
Anwohner der Gemeinde im Saalekreis und auch in Nachbarorten klagen seit Monaten über Gestank. Mit dem Bürgerforum gab es von Seiten der Politik eine erste Reaktion. Bildrechte: MDR/Fabian Brenner

Bürgerforum in Angersdorf Willingmann: Gestank in Teutschenthal muss ein Ende haben

In der Grube Teutschenthal werden seit Jahren Industrieabfälle eingelagert. Seit einigen Monaten stinkt es in der Umgebung. Die Anwohner klagen über Atemnot und Kopfschmerzen. Wirtschaftsminister Armin Willingmann hat sich vor Ort über die Geruchsbelästigung informiert. Er kündigte an, dass das Thema auf der politischen Agenda sei und sich etwas tun werde.

Mehrere Menschen im Anzug sitzen bei einem Bürgerforum auf dem Podium
Anwohner der Gemeinde im Saalekreis und auch in Nachbarorten klagen seit Monaten über Gestank. Mit dem Bürgerforum gab es von Seiten der Politik eine erste Reaktion. Bildrechte: MDR/Fabian Brenner

Raus an die frische Luft oder einfach mal das Fenster aufmachen, um richtig durchzulüften – das alles ist für Menschen rund um die Gemeinde Angersdorf im Saalekreis nicht so einfach. Seit Monaten klagen Anwohner über Gestank. Grund dafür ist die Grube Teutschenthal, in der Industrieabfälle eingelagert werden.

Diese Woche trafen sich Anwohner, um sich gegen die Geruchsbelästigung zu wehren. Nun gab es von Seiten der Politik eine erste Reaktion. Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) war vor Ort, um den Gestank rund um Angersdorf selbst zu erleben.

Wirtschaftsminister Armin Willingmann bei einer vor-Ort-Termin an der Grube Teutschenthal
Willingmann war in Angersdorf, um den Geruch selbst zu erleben. Bildrechte: MDR/Fabian Brenner

"Nicht sehr angenehm, es stinkt", muss auch der Minister zugeben. Er habe nur kurz in dem Strahl des Gestanks gestanden, um den Anzug nicht gleich wieder in die Reinigung zu geben, sagte Willingmann, nachdem er selbst am Schachtturm war, wo der unangenehme Geruch aus der Tiefe kommt. Dabei habe es in dem Moment nicht annähernd so extrem wie sonst gerochen, geben einige Anwohner zu bedenken.

"Es riecht stets und ständig"

Wie es eigentlich ist, hört Willingmann bei der Einwohnerversammlung. "Erst hieß es, es ist die Windrichtung. Dann hieß es, es ist der Nebel, dann die Hitze. Was ist es denn noch? Ständig ist es etwas anderes, warum es riecht. Nein, es riecht auch ohne Nebel, ohne Hitze. Es riecht wenn es kalt ist, es riecht früh, es riecht eigentlich stets und ständig", macht eine Anwohnerin ihrem Unmut Luft. Die Angersdorfer fordern, dem Gestank ein Ende zu setzen.

Eine Hausärztin im Ort berichtet von vermehrten Atemwegserkrankungen, die Apothekerin bestätigt das. Eine Mutter berichtet davon, dass diese Woche  bei ihrem siebenjährigen Sohn Pseudokrupp diagnostiziert wurde, eine Einengung der Luftwege, die zur Atemnot führen kann. Andere Anwohner berichten von Übelkeit und Kopfschmerzen.

Im Publikum bei einem Bürgerforum werden Protestschilder hochgehalten
Die Anwohner machten beim Bürgerforum mit Wirtschaftsminister Armin Willingmann ihrem Unmut über den Gestank in der Gegend Luft. Bildrechte: MDR/Fabian Brenner

Der Grubenbetreiber weist die Anschuldigungen zurück. Er verweist darauf, dass die Arbeiter untertage ohne besonderen Schutz mit den Industrieabfällen arbeiten und regelmäßig untersucht werden. Dabei könne man keine gesundheitlichen Folgen feststellen.

Gutachten zu Langzeitfolgen soll kommen

Mit der Frage nach den Auswirkungen beschäftigt sich nun auch das Landesamt für Geologie und Bergwesen (LAGB). Am Freitag hatte es Gespräche mit der Universität Halle gegeben, die ein Gutachten zu möglichen Langzeitfolgen erstellen soll. Wirtschaftsminister Willingmann sagte dazu: "Wenn das gesundheitsgefährdend ist, gibt es ein anderes Organisationsregime. Dann gibt es andere Entscheidungen als wenn es nur belästigt." Und fügte hinzu:

Selbstverständlich erwarte aber auch ich, und ich betone das hier ausdrücklich, dass die Geruchsbelästigung beseitigt wird. Das ist gar keine Frage.

Armin Willingmann, Wirtschaftsminister

Am 01. November beschäftigt sich der Wirtschaftsausschuss erneut mit dem Thema.

Quelle: MDR/cw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 20. Oktober 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Oktober 2018, 14:34 Uhr

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4 Kommentare

21.10.2018 18:26 Schamane 4

In Aderstedt stinkt es den Anwohnern auch

21.10.2018 06:58 Karsten Barner 3

Liebes MDR-Team,

meines Wissen ist Armin Willingmann immer noch Mitglied der SPD und nicht der CDU ;-)

Beste Grüße und einen schönen Sonntag wünscht
Karsten Barner

ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT:
Das ist natürlich völlig korrekt und der Fehler behoben.

20.10.2018 18:45 flo 2

Früher haben solche Missstände auch die grünen Politiker interessiert, aber neuzeitlich gibts da wohl andere Themen. Wölfe und Migranten ziehen eben mehr Wählerstimmen ,wie paar besorgte Anwohner einer Ortschaft.