Anwoher halten Plakate hoch wie "Gesunde Luft für alle".
Die Anwohner haben Angst um ihre Gesundheit. Der Gestank breitet sich jeden Abend unerträglich aus. Bildrechte: MDR/Fabian Brenner

Müll im Bergwerk Penetranter Gestank in Teutschenthal und Umgebung

Kontaminierte Baustoffe, arsenhaltige Abfälle – in der Grube Teutschenthal werden seit vielen Jahren Abfälle verfüllt. Seit einigen Monaten stinkt es in der Umgebung. Die Anwohner klagen seitdem über Atem- und Magenprobleme sowie über Kopfschmerzen. Das zuständige Ministerium konnte jedoch keine Gesundheitsgefahr feststellen.

Anwoher halten Plakate hoch wie "Gesunde Luft für alle".
Die Anwohner haben Angst um ihre Gesundheit. Der Gestank breitet sich jeden Abend unerträglich aus. Bildrechte: MDR/Fabian Brenner

Der Gestank beginnt immer am Abend. Er riecht süßlich-faulig und man könnte ihn für Gülle halten. Er bleibt die ganze Nacht, dringt durch geschlossene Fenster in die Wohnungen in Angersdorf und Teutschenthal. Auch in Halle ist er gelegentlich zu riechen. Die Anwohner aus Teutschenthal und Umgebung sagen sogar, der Geruch mache sie krank. MDR SACHSEN-ANHALT erzählten sie von Müdigkeit, Atemnot und Bauchschmerzen ihrer Kinder. Sie selbst plagen Kopfschmerzen, Magen- und Atemprobleme. "Ich habe seit Sommer, seit es so heiß ist, Luftnot", sagte eine Anwohnerin.

Anwohner halten ein großes Plakat mit der Aufschrift "Giftmüll".
Es ist ein beißender Geruch, den man nicht mehr los wird, sagen die Anwohner. Bildrechte: MDR/Fabian Brenner

Der Verursacher des üblen Gestanks ist für die Anwohner klar: Der Schacht "Halle" im Ortsteil Angersdorf, der zur Grube Teutschenthal gehört. Bis 1982 wurde das ehemalige Kali- und Steinsalzbergwerk betrieben, in 700 Metern Tiefe auf 14 Quadratkilometern. Da die Grube einsturzgefährdet ist, wird sie seit vielen Jahren wieder aufgefüllt – mit Müll.

Die Verfüllung hat die Firma "Grube Teutschenthal Sicherungs GmbH & Co. KG" (GTS) übernommen. Sie lagert in dem ehemaligen Bergwerk Abfälle ein, die wegen ihrer Schadstoffe nicht oberirdisch gelagert werden können. Dazu gehören Aschen und Schlacken aus Verbrennungsanlagen, aber auch kontaminierte Bau- und Industrieabfälle. LKW mit Gefahrgutschildern bringen hunderte Tonnen Abfall pro Tag zur Grube.

Der Gestank kommt vom Abfall

Ein Zaun, dahinter Bergbau-Betriebsgelände.
Zugang zum "Schacht Halle": Zutritt haben weder Feuerwehr noch Bürgermeister. Bildrechte: MDR/Marie-Luise Luther

"Bei uns stinkt es seit Ende des vorigen Jahres massiv", sagte eine Anwohnerin MDR SACHSEN-ANHALT. "Wir wissen nicht wonach, wir können es nicht deuten." Jetzt wisse man aber, dass der penetrante Gestank von der Grube Teutschenthal kommt. "Erst haben sie es dementiert, jetzt haben sie es mehr oder weniger zugegeben, sie haben auch eine Informationsveranstaltung am 13. September gemacht." Dort seien die Anwohner aufgeklärt worden. Die GTS habe versichert, alles dafür zu tun, den Geruch abzustellen. Doch das ginge nicht von heute auf morgen.

Auf Nachfrage teilte die GTS MDR SACHSEN-ANHALT per Mail mit:

  • Diese Woche noch findet eine Sitzung des Wirtschaftsausschusses des Landtages Sachsen-Anhalt statt. Dort wird das Wirtschaftsministerium auch das Thema "Geruchssituation Angersdorf" behandeln.


  • Diesem Termin wollen wir nicht vorgreifen und daher bitten wir um Verständnis, dass wir zum aktuellen Zeitpunkt kein Statement vor der Kamera abgeben wollen. Selbstverständlich nehmen wir jedoch die Sorgen der Anwohner in Angersdorf sehr ernst und erarbeiten gemeinsam mit den zuständigen Behörden geeignete Maßnahmen um die Situation zu verbessern.


  • Sobald weitere Erkenntnisse aus den Analysen und Messverfahren vorliegen, werden wir die Öffentlichkeit in gewohnter Weise umfassend informieren.

Feuerwehr rückt aus

Wegen des Geruchs ist laut den Anwohnern sogar sieben Mal die Feuerwehr ausgerückt. Man dachte, dass Gas austreten würde. Die Feuerwehr dürfe aber nicht auf das Gelände, erzählen die Anwohner.

Der Bürgermeister der Gemeinde Angersdorf, Ralf Wuschinski, hat von der GTS Hausverbot erteilt bekommen. Er will dafür sorgen, dass seine Bürger ihre Lebensqualität zurückbekommen. "Ich möchte erreichen, dass der Gestank möglichst schnell aufhört, dass die Bürger von Teutschenthal, Angersdorf, Holleben und sicherlich auch Teilen von Halle-Neustadt geruchsfrei leben können." Gelegenheit dazu ist bald – wenn im Wirtschaftsausschuss des Landtags über das Thema gesprochen wird.

Gutachten: Keine Überschreitung der Richtwerte

Das Wirtschaftsministerium teilte allerdings auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT mit, dass es "keine Überschreitung der Richtwerte und damit keine Anhaltspunkte für eine akute Gesundheitsgefährdung" gebe. Das zuständige Landesamt für Geologie und Bergwesen hatte ein Gutachten beauftragt, für das an zwei Tagen im August Messungen vorgenommen worden waren. Das Amt sei jedoch zu dem Ergebnis gekommen, dass es "eine erhebliche Belästigung durch Gerüche" gibt. Bedeutet im Klartext: Es werden keine Richtwerte überschritten, aber es stinkt trotzdem.

Der Ministeriumssprecher nannte diese Geruchsbelästigung "nicht gewollt und nicht akzeptabel". Man sei mit dem Unternehmen in Kontakt, um die Luft so schnell wie möglich zu verbessern. Im Moment arbeite die GTS an der "Geruchsneutralisation". Was genau das bedeutet, teilte der Sprecher nicht mit. Ein Maßnahmenplan sei aber in Arbeit, den das Unternehmen dem Landesamt vorlegen muss.

Quelle: MDR/lk

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 17. Oktober 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Oktober 2018, 19:33 Uhr

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