Hartmut Handschak Mobilität, Innovation, Wirtschaftsförderung: Das will der neue Landrat für den Saalekreis

Der Saalekreis hat einen neuen Landrat. Hartmut Handschak ist am Sonntag mit 54 Prozent der Stimmen als Nachfolger des verstorbenen Landrats Frank Bannert gewählt worden. Wir haben mit Handschak über das Wahlergebnis, sein Amtsverständnis und die Ziele für die nächsten Jahre gesprochen.

Der Landrat des Saaleskreises Hartmut Handschak vor einer Sachsen-Anhalt-Karte
Vom Stellvertreter zum Landrat: Hartmut Handschak ist für sieben Jahre in das Amt des Landrats gewählt worden. Bildrechte: Inge Roost/Saalekreis | Collage: MDR/Max Schörm

Am Sonntag wurde im Saalekreis ein neuer Landrat gewählt. Eine Frau und vier Männer waren für das Amt angetreten. Unter ihnen Hartmut Handschak, der als stellvertretender Landrat seit zweieinhalb Jahren die Amtsgeschäfte für den erkrankten und im Juli verstorbenen Landrat Frank Bannert geführt hatte. Handschak erreichte bei der Wahl gut 54 Prozent der Stimmen.

MDR SACHSEN-ANHALT: Herr Handschak, waren Sie von dem deutlichen Wahlergebnis überrascht?

Hartmut Handschak: Selbstverständlich war ich überrascht. Ich war sehr bewegt und habe mich riesig gefreut, ist das doch ein riesen Vertrauensvorschuss für meine Person. Ich bin auch unendlich dankbar, dass das im ersten Wahlgang geklappt hat. Viele Menschen haben mir ihr Vertrauen geschenkt – und das ist etwas ganz tolles.

Sie sind schon die letzten zweieinhalb Jahre im Amt…

Schild der Kreisverwaltung im Saalelkreis
Handschak: "Ich sehe die Verwaltungsarbeit als Schwerpunkt." Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ich bin durch den Kreistag als Stellvertreter des Landrates gewählt worden und habe diese Funktion auch ausgeübt. Und mit der Erkrankung (des Landrats Frank Bannert, Anmerk. d. Red.) vor zweieinhalb Jahren, war ich Stellvertreter im Amt. Das heißt, ich habe die Arbeit gemacht. Der Landrat war ja da. Er ist leider viel zu früh verstorben. Ich wusste und weiß, was die Arbeit des Landrates bedeutet und habe in dieser Zeit viel lernen können.

Hintergrund, Ergebnis, Wahlbeteiligung zur Landratswahl

Die Wahl war nötig geworden, weil der langjährige Landrat Frank Bannert im Sommer 2019 nach längerer Krankheit verstorben war. Handschak hatte das Amt des stellvertretenden Landrates seit 2007 inne. Eine Neuwahl stand laut Kreiswahlleiter regulär 2021 an. Nur etwa jeder Dritte der rund 159.000 Wahlberechtigten hatte seine Stimme abgegeben. Kerstin Eisenreich von der Linken erreichte mit 17 Prozent die zweitmeisten Stimmen. Florian Schröder von der AfD kam auf 16 Prozent. Helge Kroh von den Freien Wählern und der parteilose Michael Witfer blieben im einstelligen Bereich.

Sehen Sie das Wahlergebnis als Bestätigung und Anerkennung Ihrer Zeit?

Ich denke ja. Die Menschen haben auf Kontinuität gesetzt. Und vielleicht war es auch ein gewisser Bonus zu wissen, dass er es schon gemacht hat. Darüber freue ich mich natürlich, dass der Eindruck der Menschen hier im Saalekreis ist: Er hat es bewiesen. Er kann es.

Die Wahlbeteiligung war dagegen nicht hoch.

Wahllokal im Saalelkreis
Nur rund 33 Prozent der Wahlberechtigten haben ihr Stimme abgegeben? Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

33 Prozent für eine Landratswahl sind nicht viel. Aber das ist etwas, was normal ist. Für viele Menschen ist die Wahl des Landrates nicht so greifbar, wie die des Landtages oder eine Bundestagswahl. Der Landrat ist ein Amtsträger, der eine Verwaltung leitet – und so verstehe ich mich auch. Die Hauptaufgabe ist das Leiten einer Verwaltung, nicht das politische Repräsentieren.

Ich möchte, dass sich die Menschen im Saalekreis überall wohlfühlen – im Norden, im Süden, im Osten und im Westen.

Wir unterscheiden uns zu Landkreisen in den alten Bundesländern, da gibt es einen politischen Repräsentanten und dann gibt es den Verwaltungsdirektor. Hier ist beides in einer Funktion. Und ich sehe die Verwaltungsarbeit als Schwerpunkt – aber mit den Menschen zusammen und für sie gestalten.

Das ist das, was mein Anspruch ist und was ich mir vorgenommen habe. Ich habe auch die Frage bekommen: Was ist eigentlich Ihr Ziel in den nächsten sieben Jahren? Ich möchte, dass sich die Menschen im Saalekreis überall wohlfühlen – im Norden, im Süden, im Osten und im Westen. Das ist etwas, was immer noch gestaltet werden muss. Es gibt immer noch Bereiche, wo es Probleme gibt: Stichwort ÖPNV. Da ist ein bisschen Sand ins Getriebe bekommen. Und das will ich gestalten und mithelfen, dass wir ein Stück weit besser werden.

Was ist Ihnen wichtig in Ihrer Amtszeit?

ÖPNV ist für mich ein ganz wichtiges Thema. Die Menschen haben den Anspruch, überall im Land mobil zu sein. In diese Aufgabe werden wir uns reinknien. Dann natürlich das große Thema Strukturwandel.

Ich bin als konservativ denkender Landrat für unsere Wirtschaft da, für den Mittelstand, für die Landwirtschaft und für unsere Großindustrie.

Wobei ich sage: Ich möchte im Saalekreis keinen Strukturwandel. Wir sind Chemieregion, geprägt über hundert Jahre. Wir sind wirtschaftlich erfolgreich. Wir brauchen in dem Sinne keinen Wandel. Aber wir wollen den Strukturwandel in den Kohleregionen natürlich auch für uns nutzen, Innovation in die Region zu bringen. In der Chemie gibt es das Stichwort: grüner Wasserstoff, Dekarbonisierung, Reallabore – das sind die Dinge, für die ich mich in den Gremien, in denen ich sitze, einsetzen werde.

Innovation heißt, wir wollen uns in neue Richtungen entwickeln. Im Hochschulbereich haben wir mit der Hochschule in Merseburg einen kompetenten Partner. Da gibt es das ITAM-Projekt (Innovative Technologie- und Anwenderzentrum Merseburg, Anmerk. d. Red.), also Innovation am Campus. Das wollen wir machen. Da geht es um Startup-Entwicklung.

Natürlich bin ich als konservativ denkender Landrat für unsere Wirtschaft da, für den Mittelstand, für die Landwirtschaft und für unsere Großindustrie. Ganz wichtig ist aber, die Menschen sollen spüren, da sitzt einer, der für sie da ist, der erreichbar ist und der mit ihnen reden will. Das ist wirklich mein Anspruch für die nächsten Jahre.

Die Fragen stellte Fabian Brenner.

Mehr zum Thema

Blick auf ein Feld im Saalekreis, darauf eine Sachsen-Anhalt-Karte aus Punkten
Bildrechte: Inge Roost | Collage: MDR/Max Schörm

Sachsen-Anhalt

Blick auf ein Feld im Saalekreis, darauf eine Sachsen-Anhalt-Karte aus Punkten
Bildrechte: Inge Roost | Collage: MDR/Max Schörm

Quelle: MDR/mp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 30. September 2019 | 09:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Oktober 2019, 13:52 Uhr

0 Kommentare

Mehr aus Saalekreis, Raum Halle und Raum Leipzig

Mehr aus Sachsen-Anhalt