Grafische Darstellung der geplanten Streckenführung der A143.
Das Teilstück der A143 hätte eigentlich schon 2005 fertig sein sollen. Die Bauarbeiten wurden damals aber gerichtlich gestoppt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Infoveranstaltung zum Weiterbau A143: Mehr Befürworter als Gegner

Halles Westumfahrung rückt näher: Am Dienstagabend wurden die Bürger bei einer Veranstaltung über die neuen Pläne zum Weiterbau der Autobahn 143 informiert. Die knapp 13 Kilometer lange Strecke könnte ab 2020 gebaut werden.

Grafische Darstellung der geplanten Streckenführung der A143.
Das Teilstück der A143 hätte eigentlich schon 2005 fertig sein sollen. Die Bauarbeiten wurden damals aber gerichtlich gestoppt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Es war brechend voll, als Dienstagabend die Infoveranstaltung zum Weiterbau der A143 in Salzmünde begann. Die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (DEGES) informierte über die neuesten Planungen zu Halles Westumfahrung. Anwohner aus der ganzen Umgebung – Salzmünde, Benkendorf, Dölau oder auch Trotha – waren gekommen. Der Saal der Gaststätte, in dem die Veranstaltung stattfand, war dem Andrang von weit mehr als 100 Besuchern nicht gewachsen und so mussten einige draußen bleiben.

Das Autobahnende der A 143 bei Halle
Noch endet die A143 zwischen Bennstedt (links im Bild) und Halle. Bildrechte: IMAGO

Seit Jahren wird der knapp 13 Kilometer lange Lückenschluss der A143 im Westen von Halle kontrovers diskutiert, dagegen geklagt und der Bau verzögert. Kritiker kamen Dienstagabend vor allem aus Benkendorf, denn sie erfuhren: Die geplante Brücke über ihren Bach soll keinen Lärmschutz mehr bekommen, er ist laut der gesetzlichen Bestimmungen überflüssig.

Eine Frau sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Bisher war ich für die Autobahn, wenn denn die Benkendorfer Brücke Schallschutz bekommen hätte. Wenn es nicht möglich ist, auch für die Menschen etwas zu tun, dann tut es mir leid, dann möchte ich die ganze Autobahn nicht." Der Lärmschutz war für Vögel angedacht gewesen, doch die sind laut DEGES nun doch nicht betroffen. Von Umweltverbänden war kein Experte vor Ort. Vom Naturschutzbund Deutschland hieß es, dass man den umfangreichen Feststellungsbeschluss erst einmal durcharbeiten müsse.

Benkendorfer Senke – jetzt und mit Visualisierung der Brücke

Die Benkendorfer Senke bei Halle.
Bildrechte: DEGES
Die Benkendorfer Senke bei Halle.
Bildrechte: DEGES
Visualisierung einer Brücke in einer Landschaft.
Bildrechte: DEGES
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Autobahn durch geschützte Gebiete

Es wurde zwar meist sachlich diskutiert und viele konkrete Fragen beantwortet, doch auch einige Befürworter der Autobahn redeten sich in Rage. Ein Hallenser sagte: "Ich bin Anwohner in der Trothaer Straße und ich möchte all denen, die hier nein sagen, endlich mal sagen: 'Geht mal über die Trothaer Straße.' Sie kommen nämlich gar nicht rüber." Die A143 soll Halle vom Verkehr entlasten und die Luftqualität verbessern. Auch ein Bewohner aus Halle-Dölau beschwerte sich: "In Dölau rammelt der Verkehr von früh bis abends und in der Nacht hin und her."  

Planung für die A 143 bei Salzmünde.
Salzmünde, links im Plan, wird in wenigen Jahren an einer Autobahn liegen. Bildrechte: DEGES

Doch die Autobahn wird an Naturschutzgebieten vorbei und durch geschützte Gebiete hindurch führen. Bewohner der umliegenden Orte sehen ihre Lebensqualität als Preis für den Bau der Autobahn, der nun schon seit mehr als 25 Jahren im Gespräch ist. Die A143 war bereits 1992 als Autobahn mit "vordringlichem Bedarf" eingestuft worden. Eine Frau sagte: "Es wird niemand mehr freiwillig nach Salzmünde ziehen. Als Wohnstandort ist Salzmünde für meine Begriffe erledigt." Laut DEGES sind Lärmschutzmaßnahmen wie ein Tunnel unter Salzmünde, lärmmindernder Fahrbahnbelag, ein Wall bei Bennstedt sowie eine Lärmschutzwand für die Brücke über die Saale geplant.

Fertigstellung Ende 2025 möglich

Generell überwog bei der Veranstaltung die Zustimmung zum Weiterbau, da sich mit der Autobahn die Infrastruktur verbessern würde, Halle von Staus entlastet und die Wirtschaft profitieren könnte. Ob die Autobahn mit den nun vorgestellten Veränderungen gebaut wird, entscheidet sich Mitte Juni. Dann endet die Einspruchsfrist gegen das Planfeststellungsverfahren.

Sebastian Putz, Staatssekretär im Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr, sagte MDR SACHSEN-ANHALT am Rande der Veranstaltung: "Mein Appell ist, dass niemand gegen den Planfeststellungsbeschluss klagt und dass die A143 schnell gebaut werden kann." Frühestens 2020 wird der erste Spatenstich gesetzt. 60 Monate später, Ende 2025, könnte dann die Jungfernfahrt zwischen der Anschlussstelle Halle-Neustadt und dem Autobahndreieck Halle-Nord stattfinden. Die Kosten für den Bau werden derzeit mit 350 Millionen Euro beziffert.

Visualisierung einer Autbahn in einer Landschaft.
Nach jahrelangen Protesten wurde bei der Streckenführung und dem Umweltschutz nachgebessert: Die Trasse wird teilweise unter Niveau der Landschaft verlaufen. Bildrechte: DEGES

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Quelle: MDR/lk

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 25. April 2018 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. April 2018, 15:54 Uhr

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