Gewaltsamer Tod eines Zweijährigen Nach Gewalttat in Querfurt: Vorwürfe gegen Polizei und Jugendamt werden geprüft

In Querfurt ist am Wochenende ein zwei Jahre alter Junge getötet und vermutlich zuvor schwer sexuell missbraucht worden. Jetzt sollen Vorwürfe gegen die Polizei und Jugendamt geprüft werden. Nachbarn hatten von Gewalt, Alkohol und Drogen berichtet und nach eigenen Aussagen mehrfach das Jugendamt und die Polizei informiert.

Plüschtiere, Kerzen und Blumen vor einem Hauseingag in Querfurt
Bildrechte: MDR/Conny Müller

Im Fall des getöteten zweijährigen Jungen sollen nun auch Vorwürfe gegen Polizei und Jugendamt geprüft werden.

Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) sagte bezogen auf die Polizei: "Wir haben das zum Anlass genommen, das eingehend zu prüfen. Die Überprüfungen laufen. Sobald ein Ergebnis vorliegt, werden wir uns danach verhalten."

Staatsanwalt Klaus Wiechmann sagte MDR SACHSEN-ANHALT, bei den Ermittlungen werde auch geprüft, ob Polizei und Jugendamt ihrer Verantwortung nachgekommen seien. "Die Kritik an der Arbeit des Jugendamtes, aber auch Kritik an der Arbeit der Polizei vor Ort – das ist durchaus bekannt. Wir haben ja Zeugen gehört und Anwohner gehört. Und das sind natürlich Hinweise, denen wir im Rahmen der Ermittlungen gegen die beiden Beschuldigten nachgehen. Und – wenn es denn stimmt – um auch zu klären, ob denn Polizei und Jugendamt hier ihrer Verantwortung nachgekommen sind."

Nachbarn wollen Behörden informiert haben

Nachbarn hatten darüber berichtet, dass es zu regelmäßiger Gewalt gekommen sei. Alkohol und Drogen seien im Spiel gewesen. Eine Anwohnerin sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Ich hoffe, dass gegen das Jugendamt etwas getan wird. Es kann nicht sein, dass die nichts machen, dass die damals zu mir gesagt haben: Gegen solche wird nichts gemacht, weil keiner dort hin will. Das kann nicht sein. Das ist nicht nur die Familie, das sind auch andere, wo keiner Lust hat hinzugehen. Gerade die, die es brauchen. Und da hätte man das verhindern können."

Die größere Schwester des Jungen sei oft aus der Wohnung geflohen. Mehrfach seien Polizei und Jugendamt informiert worden, auch vergangene Woche.

Landkreis weist Vorwürfe zurück

Die für das Jugendamt zuständige Kreisverwaltung in Merseburg teilte am Mittwoch mit, es habe nach einer internen Prüfung "keine Anhaltspunkte für Versäumnisse des Jugendamtes oder eine Vorhersehbarkeit der Ereignisse gegeben." Geäußerte Vorwürfe hinsichtlich einer angeblichen Untätigkeit des Jugendamtes seien nicht zutreffend.

Nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft werde aktuell entgegen anderslautender Meldungen nicht gegen das Jugendamt des Landkreises ermittelt, so der Landkreis. Die Akten liegen inwischen bei der Staatsanwaltschaft.

Gewalttat erschüttert Querfurt

Der zwei Jahre alter Junge war am Sonnabend tot in der Wohnung der Mutter in Querfurt gefunden worden, nachdem die Mutter die Polizei gerufen hatte. Die Frau und ihr Lebensgefährte sitzen in Untersuchungshaft. Sie schweigen zu den Vorwürfen. Laut Staatsanwaltschaft ist das Kind erschlagen worden. Das habe die Obduktion in der Nacht zum Sonntag ergeben, so die Staatsanwaltschaft. Die Spuren sprächen zudem für schweren sexuellen Missbrauch.

Quelle: MDR/mp

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 11 | 15. Juli 2020 | 11:00 Uhr

3 Kommentare

Baum1 vor 3 Wochen

Wer gibt dem kleinen toten Jungen eine Stimme, um Gerechtigkeit zu fordern. Was ist hier genau passiert und wie lange ging das schon? Ist das nur die Spitze des Eisbergs? Eine lückenlose Aufklärung muss erfolgen. Sowas darf und kann nicht einfach im Sande verlaufen, sonst ist weiteren Tätern Tür und Tor geöffnet. Eine Schande für unsere Gesellschaft, die nicht fähig ist, die Schwächsten zu schützen. Und die Behörden, die die Hilferufe einfach nichts angehen – ganz schlimm.

wer auch immer vor 3 Wochen

Ständig die Aussagen das Polizei und Jugendämter versagt haben.
Einfach wie in der freien Marktwirschaft nach Leistung und nicht nach Anwesenheit bezahlen.
Die Kinder als Leidtragende, durch nichts zu entschuldigen!

Erichs Rache vor 3 Wochen

Ich FORDERE einen UNTERSUCHUNGSAUSSCHUSS (!) um die Geschehnisse und die Rolle von Polizei und Jugendamt LÜCKENLOS AUFZUARBEITEN !!!

Mehr aus Saalekreis, Raum Halle und Raum Leipzig

Justizia arbeitet immer langsamer. Zu wenig Richter. Zu wenig Staatsanwälte. Wegen Personalmangels steigt die Verfahrensdauer seit Jahren an. In Ostdeutschland ist sie besonders hoch.
Justizia arbeitet immer langsamer. Zu wenig Richter. Zu wenig Staatsanwälte. Wegen Personalmangels steigt die Verfahrensdauer seit Jahren an. In Ostdeutschland ist sie besonders hoch. Bildrechte: MDR/Enrico Chodor

Mehr aus Sachsen-Anhalt