Deutsch-Russisches Gedenken Warum in Naumburg an Helmut Sonnenschein erinnert wird

Mandy Ganske-Zapf
Bildrechte: MDR/André Plaul

Dr. Helmut Sonnenschein lebte in Naumburg, wurde in der DDR zum Tode verurteilt, nach Moskau verschleppt und erschossen. Zu Unrecht, wie seine Rehabilitierung aus den 1990er-Jahren zeigte. Es gab viele Fälle wie diese, als die Macht des stalinistischen Systems Ostdeutschland erfasste. Jetzt gedenkt eine deutsch-russische Initiative, "Die letzte Adresse", am damaligen Wohnhaus seines Schicksals. Und holt ein frühes DDR-Kapitel zurück ins Bewusstsein.

Als die Nachricht kam, jemand hätte den Vater in Workuta gesehen, im Straflager hoch oben im kalten Norden Russlands, da war sie wieder: Hoffnung. "Sie hoffte sehr lange."

Eine postkartengroße Gedenktafel
Die Gedenktafel zur "letzten Adresse", die nach Naumburg kommt. Bildrechte: MDR/Mandy Ganske-Zapf

Als er das über seine Mutter sagt, sitzt Helmut Sonnenschein auf einer Parkbank mitten in Berlin, unweit zieht die schmale Spree vorüber. Sonnenschein heißt wie sein Vater, doch kennengelernt hat er ihn nie. Die Mutter war mit ihm im sechsten Monat schwanger, als der Vater eines Tages aus dem Haus in Naumburg ging – und spurlos verschwand. Zeitlebens habe die Mutter gehofft, sagt der Sohn. In den Jahrzehnten quälender Ungewissheit auch auf Workuta, wo ihr Ehemann nicht war, nie gewesen ist; denn er war bereits tot. Erschossen, in Moskau.

Es fing harmlos an: An einem Novembertag im Jahr 1950 soll der Wissenschaftler Dr. Helmut Sonnenschein für eine angeblich zu klärende Angelegenheit zum Wohnungsamt mitkommen. Er wird abgeholt. Zeithistorische Recherchen legen nahe, dass ein MfS-Greifkommando schon bereitstand, um ihn mitzunehmen und dem sowjetischen Geheimdienst zu übergeben.

Ein Ehepaar auf dem Kurfürstendamm.
Das Ehepaar Hildegard und Helmut Sonnenschein in Berlin. Bildrechte: MDR/privat

Familie Sonnenschein bekam das nicht mit, wie sie auch nicht erfuhr, nicht erfahren sollte, dass er am 26. April 1951, abgeschottet von der Außenwelt und nach monatelangen Verhören, vorm Sowjetischen Militärtribunal Nr. 48240 zum Tod verurteilt wurde. Der Geheimdienst verschleppt ihn nach Moskau, wo er am 4. Juli 1951 im Butyrka-Gefängnis hingerichtet wird.

Was man ihm damals vorwarf, Spionage gegen die Sowjets und Aufruf zum bewaffneten Kampf, erwies sich nach Ende des Kalten Krieges im Rehabilitationsverfahren der 1990er-Jahre als haltlos. Das zeigen die offiziellen Dokumente, die der Familie Sonnenschein seit 1990 Stück für Stück bekannt und ausgehändigt wurden. Der russische Generalstaatsanwalt rehabilitierte Helmut Sonnenschein im März 1994 vollumfänglich.

KGB-Archiv in Moskau: Kurze Zeit der Offenheit

KGB in Moskau.
In einem Land, in dem mehr als siebzig Jahre lang jeder Papierschnipsel zur geheimen Verschlusssache erklärt worden war, bekam die Ankündigung, dass sich die Archive des allmächtigen Geheimdienstes KGB aufgrund eines Parlamentsbeschlusses 1991 öffnen werden, den Ruch einer Sensation. Denn in dem Archiv, genau gegenüber der Geheimdienstzentrale Lubjanka gelegen, ruhe, so mutmaßte die Zeitschrift „Moscow News“ damals nicht zu Unrecht, „wahrscheinlich die echte und bislang unbekannte Geschichte der UdSSR“. Bildrechte: IMAGO
KGB in Moskau.
In einem Land, in dem mehr als siebzig Jahre lang jeder Papierschnipsel zur geheimen Verschlusssache erklärt worden war, bekam die Ankündigung, dass sich die Archive des allmächtigen Geheimdienstes KGB aufgrund eines Parlamentsbeschlusses 1991 öffnen werden, den Ruch einer Sensation. Denn in dem Archiv, genau gegenüber der Geheimdienstzentrale Lubjanka gelegen, ruhe, so mutmaßte die Zeitschrift „Moscow News“ damals nicht zu Unrecht, „wahrscheinlich die echte und bislang unbekannte Geschichte der UdSSR“. Bildrechte: IMAGO
KGB-Material
Millionen und Abermillionen Akten – Gerichtsprotokolle, Geheimdossiers, Überwachungs- und Verhörprotokolle, historische Dokumente, Namen von Hingerichteten – lagern in dem gigantischen Archiv, einem vorbildlich restaurierten ehemaligen Adelspalais. Forscher, Journalisten und Schriftsteller hatten seit 1986, als Michael Gorbatschow Glasnost und Perestroika verkündet hatte, gelegentlich Zugang zu den Archiven gehabt. Ansonsten durfte jedoch kein Unbefugter das streng bewachte Akten-Palais betreten. Bildrechte: IMAGO
Wladimir Alexandrowitsch Krjutschkow (2.v.li., RUS/Ehemaliger Vorsitzender des russischen Geheimdienstes KGB) in Moskau
Nachdem russische Bürgerrechtler, KGB-Opfer und deren Angehörige unverhohlen Akteneinsicht forderten, kündigte KGB-Chef Wladimir Krjutschkow (2. v.l.) an, noch vor der Verabschiedung des Gesetzes sein Archiv zu öffnen. Und so geschah es auch. Vermutlich hatte der KGB mit seinem Entgegenkommen sein ramponiertes Image aufpolieren und Offenheit demonstrieren wollen. Bildrechte: IMAGO
KGB-Gefängnis in Moskau 1980
Im Oktober 1991 wurde in Russland das "Gesetz zur Rehabilitierung der Opfer politischer Verfolgung" erlassen. Es galt für Personen, die von sowjetischen Gerichten in der UdSSR oder der SBZ verurteilt und in Straflagern oder Gefängnissen des NKWD (Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten) ihre Strafe hatten verbüßen müssen. Betroffene oder Angehörige konnten aufgrund dieses Gesetzes einen Antrag auf Rehabilitierung stellen. Verbunden war damit die Möglichkeit einer Einsicht der KGB-Akten. Bildrechte: IMAGO
Katyn Gedenkstätte
Mit der Öffnung der KGB-Archive kamen auch Dokumente zum Vorschein, die zweifelsfrei belegten, wer im Frühjahr 1940 etwa 4.500 polnischen Offiziere in einem Wald bei Katyn erschossen hatte. Nicht etwa die deutsche Wehrmacht, wie man in Moskau jahrzehntelang nicht müde wurde zu behaupten, sondern - die Rote Armee im Auftrag Josef Stalins. Alle KP-Chefs hatten die diesbezüglichen Dokumente gelesen. "Sie nahmen das Verbrechen zur Kenntnis, dann wurden die Dokumente wieder versiegelt", sagte Andrej Artisow, Leiter des russischen Archivdienstes. Bereits 1990 hatte Michail Gorbatschow zugegeben, dass die Morde von der Sowjetunion begangen worden waren und sich bei den Polen entschuldigt. Jetzt lagen die Beweise vor. Ein Jahr später kamen sie jedoch wieder unter Verschluss. Erst 2010 stellte Russland sämtliche Katyn-Akten ins Internet. (Zitat aus: Moskau stellt Akten zu Katyn-Massaker ins Internet, SPIEGEL ONLINE, 28.4.2010) Bildrechte: IMAGO
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Zwischen 1950 und 1953: In Sachsen-Anhalt 140 Todesurteile

Mit einer Gedenktafel erinnert das Moskauer Projekt "Die letzte Adresse" und Memorial Deutschland jetzt an sein Schicksal. In Postkartengröße und stahlverzinkt, wird sie am Freitag mit den eingravierten Lebensdaten an seiner "letzten Adresse", dem früheren Wohnhaus in Naumburg angebracht. Zugleich holt die deutsch-russische Initiative damit ein frühes, dunkles Kapitel DDR-Geschichte ins öffentliche Bewusstsein zurück: Wie die sowjetische Besatzungsmacht bis Anfang der 1950er-Jahre Menschen verfolgte, um den neu gegründeten SED-Staat zu etablieren.

Ein Mann schraubt vor Zuschauern ein Schild an eine Wand.
Sohn Helmut Sonnenschein schraubt die letzte Adresse an das Gartentor. Bildrechte: MDR/Mandy Ganske-Zapf

Die Schicksale vieler zu Unrecht Verurteilter konnten erst mit Öffnung der Archive nach Ende des Kalten Krieges genauer recherchiert werden. Allen voran russische Menschenrechtler haben dazu beigetragen: Für den Zeitraum von 1950 bis 1953 gab es demnach rund 140 Todesurteile allein gegen Frauen und Männer in den Grenzen des früheren Sachsen-Anhalts, die in Moskau vollstreckt wurden. Knapp 1.000 bezogen auf ganz Deutschland; selbst einige Westdeutsche gerieten in die Mühlen sowjetischer Militärjustiz. Mindestens zwei Drittel dieser Menschen wurden bislang vollständig rehabilitiert.

Sowjetische Militärtribunale

Die Sowjetischen Militärtribunale (SMT) gehen auf Beschlüsse des alliierten Kontrollrats zurück und sollten der Verfolgung von NS-Kriegsverbrechern dienen.

Die bisherige Forschung gibt an, dass sowjetische Richter von 1941 bis 1955 mindestens 70.000 Deutsche aburteilten, teils Kriegsgefangene, teils Zivilisten. Es wird davon ausgegangen, dass das Verfolgen von Naziverbrechern dabei ein genuines Anliegen war.

Historische Studien nach 1990 zeigen allerdings auch, dass sowjetische Rechtsnormen extrem vage waren und Urteile oft der Logik des stalinistischen Systems und damit politisch motivierten Zwecken folgten – ohne Rechtsbeistand, häufig unter Anwendung von Folter und erpressten Geständnissen.

Damit gerieten sowohl echte als auch vermeintliche Kriegsverbrecher ins Fadenkreuz. Ab 1950 verlagerte sich der Schwerpunkt auf die Verfolgung (vermeintlich) widerständiger Tätigkeit gegen die Sowjetisierung und von Spionage-Vorwürfen in der neu gegründeten DDR.

Es ergingen harte Strafen, die Todesstrafe und jahrzehntelange Lagerhaft. Zwischen Ende Mai 1947 und Januar 1950 war die Vollstreckung der Todesstrafe in der Sowjetunion zeitweise ausgesetzt.

Helmut Sonnenschein, der Sohn, heute 69 Jahre alt, versucht sich zu erinnern, wie das war, für ihn als Kind. "Ich bin da so reingewachsen." Für seine Geschwister, sagt er, müsse es viel schlimmer gewesen sein, für seine Schwester Ursula, die damals schon zwölf Jahre alt war. Für seinen Bruder Henk, den Sechsjährigen.

Eine Frau hält eine stahlverzinkte Tafel in der Hand.
Findet öffentliches Gedenken für Opfer des Stalinismus wichtig – Anke Giesen von Memorial Deutschland. Bildrechte: MDR/Mandy Ganske-Zapf

Seine Mutter Hildegard Sonnenschein stand mit ihren Kindern auf einmal allein da, hielt sich mit einer Hypothek und viel erfahrener Solidarität über Wasser, "bis sich die erstmögliche Gelegenheit ergab, um die Familie ernähren zu können", sagt der Sohn. Sie wurde Lehrerin in Naumburg und unterrichtete mehr als 30 Jahre Chemie. All die Zeit habe sie sich an viele Stellen gewandt, um etwas herauszufinden, sagt der Sohn. Sei sogar bis nach Leningrad gefahren – "das muss 1987 gewesen sein" –, als Touristin übers Reisebüro, nur um einen Brief an Gorbatschow in die Post zu geben. Zu Zeiten von Glasnost und Perestroika, als die stalinistischen Verbrechen im Ostblock langsam öffentlich wurden, begann ausgerechnet die Sowjetunion vertrauensseliger zu wirken als die DDR. Hildegard Sonnenschein starb im Alter von 89 Jahren, die Rehabilitierung ihres Mannes fünf Jahre zuvor erlebte sie noch.

"Die letzte Adresse" Vor sieben Jahren schließen sich Mitarbeiter des russischen Memorial-Netzwerkes, Historiker und Journalisten in Moskau zusammen und rufen das Projekt "Die letzte Adresse" ins Leben. Die Mission lautet, an die Opfer stalinistischer Repression zu erinnern. Initiator ist der Publizist Sergej Parhomenko. Mit Gedenktafeln an all jenen Häusern, in denen die betroffenen Menschen zuletzt gelebt hatten, bevor der Geheimdienst sie abholte, sie hingerichtet wurden oder in Lager des Gulags kamen. In Russland hängen bereits zahlreiche Tafeln an Häusern in Städten von Moskau bis zum Baikalsee, außerdem in Tschechien und der Ukraine. In Deutschland wird es mit Naumburg die zweite "letzte Adresse" geben, die erste ist im thüringischen Treffurt.

Anke Giesen von Memorial Deutschland ist es wichtig, dass Menschen wie Helmut Sonnenschein auch öffentlich gedacht wird, "dass noch einmal mehr Aufmerksamkeit entsteht für sie, die unschuldig mit völlig ausgedachten Vorwürfen verhaftet, verurteilt und erschossen wurden". Deshalb engagiert sie sich für "Die letzte Adresse".

Nach Naumburg fährt ihre Vorstandskollegin Sabine Erdmann mit, die das Projekt auch unter dem Blickwinkel einer erfolgreichen russisch-deutschen Kooperation zur Erinnerungskultur sieht. Es sei wichtig, auch diesen Teil der Geschichte aufzuarbeiten, sagt Erdmann, aber ohne irgendetwas aufrechnen zu wollen. "Unser Anliegen ist, Geschichte differenziert zu betrachten. Und Herr Sonnenschein ist ja interessant – weil er diese beiden Seiten hat." Geschichte ist selten schwarz-weiß.

Vom Forscher für Nazis und Sowjets – zum Opfer

Wer also war Dr. Helmut Sonnenschein? Sonnenschein, geboren 1906 in Leipzig, war Wissenschaftler, ein Mathematiker, der sich auf Ballistik spezialisierte. Kein Widerständler, sondern ein Fachmann, der auf seinem Gebiet arbeiten und für seine Familie ein Auskommen finden wollte. Mit 30 Jahren stellt ihn das Heereswaffenamt ein, wo er als Oberregierungsbaurat Licht-Schall-Messungen für Artilleriewaffen auf einem Versuchsschießplatz in der Börde kontrolliert. Zwei Jahre später wird er nominelles Mitglied der NSDAP. Im Krieg kommandierte er drei Jahre eine Batterie an der Front, bevor er ab 1944 am wichtigen V2-Projekt mitarbeitet, bei dem er auf dem Rückzug wohl auch kurzzeitig in US-Kriegsgefangenschaft geriet. In der ersten Zeit nach dem Krieg kam Sonnenschein als Ballistiker in einer Geheim-Einrichtung der Sowjets unter und pendelte dafür aus Sachsen-Anhalt nach Berlin, bis 1948. Dann fasste er in der Agfa Filmfabrik Wolfen beruflich Fuß – 1950 dann die Verhaftung.

Der Archivar der Universität Leipzig würdigt Sonnenschein in einem Artikel anlässlich seines 100. Geburtstags und beschreibt, wie er sich in beiden Systemen seine eigenen Gedanken machte: 1935 dankt der frische Promovend noch ausdrücklich seinen akademischen Lehrern, den bekannten jüdischen Wissenschaftlern Lichtenstein und Levi. 1950 schreibt er einem Freund in Süddeutschland, die DDR übe immer mehr Druck aus, "es scheint auch eine neue Beschattungswelle durch das Land zu gehen".

Die Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen in Sachsen-Anhalt, Birgit Neumann-Becker
Bildrechte: MDR/Florian Leue

Überall hat man Feinde des Kommunismus gesehen, den man hier implementieren wollte.

Birgit Neumann-Becker, Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Das Urteil gegen Sonnenschein als Bürger der DDR erging hinter verschlossenen Türen; Basis war der berüchtigte Strafrechts-Artikel 58 der russischen Sowjetrepublik, der als "Gummi-Paragraph" galt. Es ist wichtig, sich zu vergegenwärtigen, dass die Militärtribunale der Sowjetunion Kriegs- und Gewaltverbrechen der Nationalsozialisten verfolgen sollten. Ein berechtigtes Anliegen, denn im Krieg gegen Hitler waren rund 27 Millionen tote Sowjetbürger zu beklagen.

Zahlreiche Schicksale verurteilter Deutscher aus den DDR-Nachkriegsjahren und die Rehabilitationsverfahren nach 1990 offenbarten jedoch: Die Praxis der Tribunale brachte unheimliche, vom Stalinismus produzierte Auswüchse mit sich. Schon die Geschichte des Gulags zeigt, wie Kategorien echter und vermeintlicher Verbrecher verwischten, so dass Millionen Sowjetbürger in den Lagern verschwanden, ob in Workuta, Perm oder an der Kolyma.

Willkürliche Todesurteile, jahrelange Verbannung

Birgit Neumann-Becker, Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, sagt, das Terrorregime und die Logik konstruierter Vorwürfe, wie sie die stalinistische Ära durchzogen, seien Mai 1945 im Prinzip nach Ostdeutschland mitgebracht worden. "Es war das Mittel der Wahl, um hier auch für Ruhe zu sorgen." Die einen erfuhren willkürliche Todesurteile, die anderen jahrelange Verbannung ins Straflager, darunter Sozialdemokraten, unbequeme Kommunisten, viele Jugendliche, Menschen, die der Sowjetisierung der Gesellschaft kritisch oder vermeintlich kritisch gegenüberstanden. "Überall hat man Feinde des Kommunismus gesehen, den man hier implementieren wollte." Sie sei froh, dass in Naumburg nun mit der "Letzten Adresse" an diese Vorgänge erinnert werde. Henk Sonnenschein, der andere Sohn, lebt dort bis heute mit seiner Frau.

Was hatte bei Sonnenschein zur Verhaftung geführt? War er zur falschen Zeit am falschen Ort? War es ein Wort zu viel? – Sohn Helmut Sonnenschein ist überzeugt: "Es war der Denunziationsbrief." Der Vater wurde darin unter anderem bezichtigt, Kontakte zu einer westdeutschen Bruderschaft zu pflegen und "eine gewisse Gefahr für den Aufbau der DDR" darzustellen. Das Schreiben liegt ihm mittlerweile vor, der Eingangsstempel beim MfS zeigt Juli 1950 – fünf Monate vor der Verhaftung.

Mandy Ganske-Zapf
Bildrechte: MDR/André Plaul

Über die Autorin Mandy Ganske-Zapf arbeitet seit März 2014 als freie Mitarbeiterin bei MDR SACHSEN-ANHALT. Sie schreibt vor allem Nachrichten für die Online-Redaktion und ist ab und an im Radio zu hören. Darüber hinaus schreibt sie Texte und Reportagen für Medien in Deutschland und Österreich, entweder zu Themen aus Sachsen-Anhalt oder aber aus Russland. Nach Sachsen-Anhalt gekommen ist sie 2008, anschließend hat sie mehrere Jahre als Redakteurin für die Volksstimme im schönen Landkreis Börde gearbeitet. In ihrer Wahlheimat Magdeburg ist sie am liebsten an Seen und am Elbufer unterwegs und mag Ausflüge ins Saale-Unstrut-Gebiet und in die Weiten der Altmark.

Quelle: MDR/mg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 17. Juli 2020 | 09:30 Uhr

4 Kommentare

Hans Frieder leistner vor 14 Wochen

Danke Bernd. Sie haben es noch exakter ausgedrückt, was auch ich meine. Den Denunzianten verdanke ich, daß mir 1952 ein Chemiestudium verwehrt wurde. Es gab aber an der Grenze bis 1989 auch scharfe Kontrolleure, die noch sehr jung waren,heute als Mitte 50 Jahre alt sein dürften.

Bernd_wb vor 14 Wochen

das mag so sein, aber die Denunzianten hier sind mindestens 90 Jahre alt. Wichtig ist aber die Erinnerung daran gerade wie es Frau Schmidt schrieb, dass die FDJ marschiert, Poltiker*innen sich einen Sozialismus vorstellen koenen und auf Konferenzen ueber Erschiessungen und Arbeitslager referiert wird. Daher ist es so wichtig zu erinnern aber auch die Gefahr durch Linke Traeumer nicht zu ignorieren. Das sollte uns Freiheit und Demokratie wert sein.

Brigitte Schmidt vor 14 Wochen

Man kann das Engagement der hier genannten Personen (Anke Giesen, Birgit Neumann-Becker) aber auch der Reporterin Mandy Ganske-Zapf nicht hoch genug schätzen und loben. Vielen Dank für das Engagement gegen das Vergessen.

Dieser Einsatz ist noch viel wichtiger, wenn ich bedenke, daß in unseren Städten schon wieder die FDJ marschiert.

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