Finanzhilfen durch Strukturstärkungsgesetz Merseburg soll Bahnanbindung nach Leipzig bekommen

Lange hat Merseburg für eine direkte Zugverbindung in die Nachbarstadt Leipzig gekämpft. Jetzt soll die Anbindung entstehen – im Rahmen der Förderungen zum Kohleausstieg. Geduld ist aber vorerst weiter gefragt.

Ein Plakat hängt vor einem Fenster. Auf dem Plakat steht: "Die Kurve kriegen" und "Merseburg-Leipzig"
Mit Plakaten wie diesem hat die Stadt Merseburg für die neue Zugverbindung geworben. Bildrechte: MDR SACHSEN-ANHALT

Am 3. Juli hat der Bundestag das Strukturstärkungsgesetz beschlossen. Hinter dem komplizierten Begriff stecken die Ergebnisse dessen, was die Kohlekommission für die Zukunft der Kohleregionen erarbeitet hat. Mit dem Gesetz sollen Folgen des Kohleausstiegs im Jahr 2038 abgemildert werden. 40 Milliarden Euro investiert der Bund dabei in die bald ehemaligen Kohleregionen. Sachsen-Anhalt erhält davon 4,8 Milliarden Euro. Eine der Städte, die profitieren soll, ist Merseburg.

Und während in einigen Regionen noch nicht ganz klar ist, wie das Geld aus dem neuen Gesetz genutzt werden soll, ist das in Merseburg schon beschlossene Sache. Die Domstadt hat sich – mit Oberbürgermeister Jens Bühligen an der Spitze – mit viel Energie für ein Verkehrsprojekt eingesetzt.

Merseburger haben gemeinsam gekämpft

Eine Karte zeigt, wo die kleine Kurve der Zugverbindung gebaut werden müsste
Nur die kleine rote Kurve müsste für die Direktverbindung Leipzig-Merseburg gebaut werden. Bildrechte: MDR SACHSEN-ANHALT

Merseburg will endlich auch eine direkte Zugverbindung in die Nachbarstadt Leipzig haben. Bisher fahren nur Busse. Dabei pendeln unter anderem viele Studierende der Hochschule Merseburg aus Leipzig in die Stadt im Saalekreis. Merseburg hofft außerdem auf neue Unternehmen und Arbeitsplätze, die mit der Direktverbindung kommen sollen. Schon seit einiger Zeit kämpft die Stadt deswegen für die "Merseburger Kurve". Denn für die Direktverbindung ist eigentlich nur eine kleine ergänzende Gleiskurve bei Spergau nötig. Rund 500 Bürger haben sich über ein Internetportal an der Lobbyarbeit für die neue Bahnverbindung beteiligt und Mails an Entscheidungsträger geschickt.

Jetzt ist die Zuganbindung sicher und steht schwarz auf weiß im neuen Strukturstärkungsgesetz. Allerdings gibt es noch einige Unklarheiten. Noch steht nicht fest, wer für den Verkehr auf der neuen Strecke zahlt und wann es losgehen kann, wie die Nahverkehrsgesellschaft Sachsen-Anhalt warnt. Sie unterstützt das Projekt. Geschäftsführer Peter Panitz sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Wir sind noch sehr früh in der Planungsphase. Erfahrungsgemäß kann es bis zu zehn Jahre dauern, bis so ein Projekt steht." Etwas gedulden müssen sich die Merseburger also noch. Aber nachdem nun die erste Hürde genommen ist, will die Stadt nicht mehr lockerlassen.

Ein Mann schaut in die Kamera
Oberbürgermeister Jens Bühligen will beim Thema "Merseburger Kurve" nicht lockerlassen. Bildrechte: MDR SACHSEN-ANHALT

Merseburgs Oberbürgermeister Jens Bühligen (CDU) sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Damit wir da nicht nach hinten rutschen werden wir immer wieder Gespräche führen mit dem Land Sachsen-Anhalt, dem Freistaat Sachsen und dem Bundesministerium und die Notwendigkeit betonen." Auch das Beteiligungsportal soll erstmal online bleiben. Je mehr Unterstützer es gibt, desto größer die Chancen, dass die Pläne schnell umgesetzt werden – so die Hoffnung.

Erste Kohle-Hilfe noch 2020

Vielleicht hat Merseburg Glück. Denn die ersten Kohle-Hilfen in Sachsen-Anhalt sollen noch dieses Jahr fließen. Das haben Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) und die Landräte der betroffenen Kommunen am Freitag entschieden. Die Landkreise und die Stadt Halle sollen in den nächsten Wochen jeweils drei Projekte benennen, die im nächsten Jahr schon starten könnten.

Vielleicht wird die "Merseburger Kurve" einer dieser Vorschläge. Dann stünde sie unter anderem in Konkurrenz mit einem Gewerbegebiet in Halle, das die Voraussetzungen für klimaneutrale Produktion erfüllen soll. Und mit einer Werksfeuerwehr im Industriepark Zeitz, die dafür sorgen soll, dass sich mehr Industrien ansiedeln können. Der Merseburger Oberbürgermeister Bühligen hofft, dass es in Merseburg bald losgehen kann. Er sagt: "Die Bremsen sind gelöst und der Zug kann nun langsam ins Rollen kommen."

Quelle: MDR/also

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 10. Juli 2020 | 19:00 Uhr

2 Kommentare

maheba vor 4 Wochen

Man sollte nicht so kleinteilig denken. Anbindung Merseburg an Leipzig - klar ist das wichtig, aber es geht doch um die Region. Hier wäre eine S-Bahn Leipzig - Markranstädt - Bad Dürrenberg - Merseburg - Halle und dann zurück über Flughafen/Schkeuditz (Ringverkehr nach Kopfmachen in Halle) oder weiter nach Dessau, Magdeburg, ..... doch wohl erstrebenswerter.

Realist62 vor 5 Wochen

Statt über die teilweise Reaktivierung der alten Strecke über Leuna und mit den neuen Endpunkt NOVA EVENTIS Günthersdorf statt Leipzig-Leutzsch nachzudenken, hat man sich für die billigste Variante entschieden. Hier hätte man schön die umweltunfreundlichen Gummiräder abgeschafft , die nach NOVA EVENTIS fahren, und durch umweltfreundlichere Schienenfahrzeuge ersetzt.

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